Von Nobelpreisträgern und Bestsellerautoren

Auch Schriftsteller-Ikonen wie hier Martin Walser besuchen Josef Zierden (links) beim Eifel Literaturfestival. Foto: Rolf Lorig

REGION. Für die Freunde des gedruckten Wortes wird es langsam spannend: Am Montag, 6. November, gibt Josef Zierden, Leiter und Kopf des erfolgreichen Eifel Literaturfestivals (ELF), während einer Pressekonferenz offiziell bekannt, welche Autoren zwischen dem 6. April und dem 26. Oktober 2018 in die Eifel kommen. Für den reporter hat sich Rolf Lorig im Vorfeld mit dem gebürtigen Prümer Josef Zierden getroffen. Nach welchen Kriterien er seine Autoren aussucht, wie lange er um seine Favoriten kämpft, woher das Geld für die Reihe kommt − diese und weitere Informationen hat der Literaturfreund dabei verraten. Und auch zumindest den ein oder anderen Namen preisgegeben, der mit Sicherheit wieder viele Leser in die Eifel ziehen wird.

Endlich am Ziel der Wünsche: Josef Zierden kann Günter Grass beim Eifel Literaturfestival willkommen heißen. Foto: Veranstalter

Wer im vergangenen Jahr bei den insgesamt 21 Lesungen des Eifel Literaturfestivals dabei war, hat etwas erlebt, was Josef Zierden selbst nie für möglich gehalten hat: Der Leiter musste sich aus gesundheitlichen Gründen bei einigen der Termine von seiner Stellvertreterin Sabine Rehm vertreten lassen. ‟Die Krankheit damals hatte ein Gutes: Sie konfrontierte mich mit meiner Vergänglichkeit‟, erinnert sich der Gymnasiallehrer, der sich seit dem 1. August im Vorruhestand befindet. Nach seiner Genesung machte er sich dann daran, seine Nachfolge zu regeln ‟für den Fall, dass ich plötzlich nicht mehr da bin”. Dazu habe er im Verein mit dem Vorstand gesprochen ‟und eine positive Antwort erhalten”.

Verlage schätzen das Eifel Literaturfestival

Josef Zierden wird dem ELF zum Glück wohl noch einige Jahre erhalten bleiben, um dort seine sprudelnden Ideen umzusetzen können. Denn daran mangelt es dem umtriebigen Ruheständler beileibe nicht. Im kommenden Jahr wird er sich einen Herzenswunsch erfüllen können. Seit mehr als zehn Jahren kämpft er um den Auftritt einer Autorin, die zu den ersten Adressen in der deutschsprachigen Literatur gehört. ‟Sie war jahrelang von einer Agentur abgeschirmt, da gelang mir einfach kein Durchkommen.” Jetzt hat sich die Autorin − den Namen will Zierden erst bei der Pressekonferenz bekanntgeben − von dieser Agentur getrennt, und ihr Verlag hat Zierdens Anfrage gerne positiv beschieden.

Nele Neuhaus und Josef Zierden

Die Verlage sehen in dem Festivalleiter einen wichtigen Verbündeten. Folgt man der Aufzählung bei Wikipedia, dann gibt es 65 Literaturfestivals alleine in Deutschland. Mit mehr als 12.000 Besuchern in 2016 nimmt das Eifel Literaturfestival allerdings einen der vorderen Plätze ein. Die Verlage wissen um die Bedeutung, schicken Zierden oft auch Tipps über junge Autoren, die neu in ihrem Programm sind. Was für das ELF auch ein Glücksfall sein kann: ‟Daniel Kehlmann hatte ich bereits zu einem Zeitpunkt unter Vertrag, da war er noch völlig unbekannt und die Promotion für sein Buch ‘Die Vermessung der Welt’ noch im Druck‟, strahlt der promovierte Germanist und Philologe. Der gute Name des Festivals sei es auch gewesen, der 2016 die Ärztin Giulia Enders bewog, eine Ausnahme zu machen: ‟Offiziell wollte sie zu dem Zeitpunkt keine Lesung machen sondern sich auf ihre berufliche Zukunft als Ärztin vorbereiten. Doch dann war sie mit ihrem Sachbuch ‘Darm mit Charme’ – übrigens das meistverkaufte Hardcover-Sachbuch – bei uns zu Gast.”

Der Ruf nach Top-Autoren ist nicht selten das Bohren dicker Bretter. Vierzehn Jahre lang arbeitete Zierden an einer Verpflichtung von Günter Grass. ‟Dann kam die Ankündigung von ihm, dass sein Buch ‘Grimms Wörter’ wohl sein letztes sein werde. Da habe ich dann nochmal alles gegeben.” Mit Erfolg: Im September 2011 konnte Josef den Literatur-Nobelpreisträger in Prüm beim ELF willkommen heißen.

Nobelpreisträger sind in der Eifel gerne gesehen. Neben Grass war auch Hertha Müller schon wiederholt beim ELF zu Gast. Auch im kommenden Jahr ist wieder eine Nobelpreisträgerin mit dabei: Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch, eine weißrussische Schriftstellerin, die 2015 “für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“ (Quelle: Wikipedia) den Literatur-Nobelpreis erhielt.

Eintrittsgelder stemmen das Gros der Ausgaben

Vor dem Druck nimmt Josef Zierden in seinem Büro die letzten Korrekuren am neuen Programmheft vor. Fotos: Rolf Lorig

Bei allem Gewicht, das ein Literatur-Nobelpreisträger mitbringt − das ELF könnte alleine von deren Auftritten und Lesungen nicht bestehen. Rund 300.000 Euro muss der Verein ‟Literaturbüro Eifel‟ als Ausrichter des ELF alle zwei Jahre stemmen. Wobei dem zahlenden Publikum ein besonderer Augenmerk zukommt: ‟Etwa 52 Prozent der Ausgaben werden von den Eintrittsgeldern bestritten.” Der Rest kommt von treuen Sponsoren und Fördertöpfen wie dem Kultursommer. Töpfe, an denen auch andere Veranstalter, wie beispielsweise ‟Tatort Eifel‟ anstehen.

Wer jetzt annimmt, dass hier nach dem gleichen Schlüssel verteilt wird, irrt allerdings. Bislang bekam das ELF 50.000 Euro pro Jahr vom Kultursommer. Außerdem half das Land in den letzten Jahren mit einer 50-Prozent-Freistellung des Gymnasiallehrers. Doch mit dessen Vorruhestand ist diese Hilfe erloschen. Den Informationen des reporters zufolge bekommt ‟Tatort Eifel‟ für seine ebenfalls im Biennale-Rhythmus durchgeführte Reihe 50.000 Euro aus dem Haushalt des Kultursommers plus 71.400 Euro aus dem Landesprogramm KKP (Kommunale Kulturprojekte), also insgesamt 121.400 Euro − inklusive der Kosten für externe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  Begründet wird diese unterschiedliche Förderung damit, dass der “Tatort Eifel” als ein” auch kulturtouristisch wirksames Projekt für die Eifel konzipiert wurde, das externes Fachpersonal benötigt”. Zum Vergleich: Das ELF  wird mit seinen über 20 Veranstaltungen in unterschiedlichen Kommunen ausschließlich ehrenamtlich organisiert.

Zudem habe das ELF wegen seines hohen Bekanntheitsgrades auch Einnahmen und Sponsorengelder, die andere Festivals in dieser Höhe nicht erreichen könnten. Und nicht zuletzt seien Gagen von Autorinnen und Autoren bei Literaturveranstaltungen deutlich niedriger als die von Musikgruppen, wie sie im Programm von “Tatort Eifel” zu finden seien. Und schließlich weist Mainz darauf hin, dass die vorhandenen Veranstaltungsräume wie Kinos und das Forum Daun bei “Tatort Eifel”  ebenfalls gut gefüllt oder ausverkauft seien,  aber keine Zuschauerzahlen ermöglichten, wie dies in den zum Teil sehr großen Hallen der Fall sei, in denen das ELF erfreulicherweise erfolgreich stattfinde.

Immerhin können Josef Zierden und der ausrichtende Verein hoffen: “Über die Fördersumme für das Eifel-Literaturfestival 2018 hat Minister Wolf zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden”, so die Antwort aus Mainz auf eine Anfrage des reporters an den Kultursommer.

Doch Josef Zierden ist nicht der Mann, der sich schmollend ins Eckchen zurückzieht, nur weil andere Kinder im Sandkasten das größere Förmchen haben. Er weiß, dass er mit einem interessant und abwechslungsreich gestalteten Programm die Massen mobilisieren kann. ‟Mein Anspruch ist es, einen möglichst großen Kreis mit den Autoren zusammenzubringen, die mit ihrer schriftstellerischen Arbeit unser aller Leben bereichern.” Dass bei diesem Kreis der Zuhörer in erster Linie die Frauen stark vertreten sind, die nicht selten ihre Männer an den jeweiligen Abenden dienstverpflichtet haben, ist ihm bewusst. Ebenso wie die Tatsache, dass das Gros des Publikums reiferen Datums ist: ‟Um die 40 und aufwärts.”

In der Vergangenheit hat er versucht, auch Kinder und Jugendliche mit den Autoren vertraut zu machen. ‟Mit unterschiedlichem Erfolg‟, räumt er ein. Der Lehrer in ihm weiß nur zu genau, dass der Einsatz und die Vorbereitung des Moments durch seine Kollegen alles entscheidend sind. Gerade wegen der Erfolge will er aber hier in seinen Bemühungen nicht nachlassen.

Immer eine feste Bank beim Eifel Literaturfestival: Pater Anselm Grün – hier 2016 mit Intendant Josef Zierden – wird auch in 2018 wieder mit dabei sein. Fotos: Rolf Lorig

Peter Wohlleben kommt nach Prüm

Einmal, anlässlich der Landesgartenschau 2004, war das ELF auch in Trier zu Gast. Doch weitere Gastspiele sind zumindest von Zierdens Seite nicht geplant, auch wenn es hier mit der Arena beispielsweise eine richtig große Halle gibt. ‟Solche große Hallen haben auch ihre Tücken, da wird eine Lesung schnell unpersönlich, wenn das Publikum zu weit vom Autor entfernt ist.” Aus diesem Grund belegt er das Eventum in Wittlich − hier passen mehr als 1.400 Menschen hinein − im kommenden Jahr auch nur zweimal. Das erste Mal beim Auftakt am 6. April: ‟Ein Bestsellerautor, dessen Name ich noch nicht nennen will, der aber die Halle spielend füllen wird.”

Ansonsten bleibt es bei der Aula der früheren Wandalbert Hauptschule in Prüm, der Stadthalle in Bitburg und dem Forum in Daun. ‟Bei den kleineren Veranstaltungen nutzen wir Haus Beda oder aber auch die Synagoge in Wittlich‟, erklärt der Festivalleiter.

Am Ende des Gesprächs fällt dann doch noch ein Name aus dem Kreis der Autoren, die mit Sicherheit viele Menschen aus Trier und dem Umland in Richtung Prüm in Marsch setzen werden. Denn dort wird am 13. April der Förster Peter Wohlleben, der 2015 mit seinem Buch ‟Das geheime Leben der Bäume‟ einen gewaltigen multimedialen Durchbruch hatte, in der Aula der früheren Wandalbert Hauptschule zu Gast sein.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Eifel Literatur Festival, Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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