Von Sprachenkompetenz bis zu Gesellschaftsthemen

Im neuen VHS-Programm findet sich auf 80 Seiten eine Fülle von unterschiedlichen Angeboten. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Am 4. Februar startet die Volkshochschule (VHS) Trier in das erste Halbjahr. Welche Angebote dann am Start stehen, darüber informiert das neue 80-seitige Programm im DIN A4-Format, das in einer Auflage von 57.000 Exemplaren in den kommenden Tagen über die Rathaus-Zeitung zur Verteilung kommen wird. Und um es vorweg zu nehmen: natürlich gibt es auch in diesem Heft wieder neue Angebote.

Von Rolf Lorig

Rudolf Fries, Leiter des Bildungs- und Medienzentrums, zu dem auch die VHS gehört, ist sichtlich stolz auf das neue Programmheft. Es ist 16 Seiten stärker als sein Vorgänger. “Das ist in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass wir das Programm von seiner Gestaltung her luftiger und lesefreundlicher angelegt haben”, sagt er. Lesefreundlicher, das ist das Synonym für eine größere Schrift. Was vor allem Senioren gefallen wird, die einen Großteil der VHS-Klientel stellen. Doch ist das nicht der alleinige Grund. Auch Menschen mit Sehbeeinträchtigungen wird das neue typographische Bild entgegenkommen. Worauf Fries besonders stolz ist: Bis auf den eigentlichen Druck wurde das komplette Programmheft in eigener Regie gefertigt.

Auch der Tanzsport gehört zum Angebot des aktuellen VHS-Programms. Foto: Bernard Verougstraete

“Die Stadt lässt sich die Bildung ihrer Bewohner etwas kosten.”

Seit etwa elf Monaten ist Bürgermeisterin Elvira Garbes im Amt. Bei dieser Pressekonferenz stellt sie zum ersten Mal als verantwortliche Dezernentin das neue VHS-Programm mit vor. Und sie nutzt die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass die Stadt bei allen Bemühungen zur Einsparung von Kosten die VHS finanziell nicht eingeschränkt hat. “Die Stadt lässt sich die Bildung ihrer Bewohner etwas kosten. Weil wir sehr genau wissen, wie wichtig die permanente Weiterbildung gerade in der heutigen Zeit ist.” Rund 1,5 Mio. Euro stehen der VHS deshalb für ihre Arbeit zur Verfügung. Geld, das von der VHS zum größten Teil als Darlehen betrachtet wird: “Gut 75 Prozent davon refinanzieren wir über unsere Kursgebühren”, macht Rudolf Fries deutlich.

Wie groß das Interesse an den Kursen ist, verdeutlicht die Zahl der Teilnehmer. Schon seit längerem habe sich diese bei etwa 12.000 Besuchern eingependelt, sagt Fries. Und die finden ein reichhaltiges Angebot vor: über 500 Kurse, geleitet von etwa 250 Dozenten. “Bei durchschnittlich acht bis zehn Terminen pro Kurs bedeutet das mehrere Tausend Veranstaltungen im Jahr.” Logisch, dass die nicht alle im VHS-Bereich im Palais Walderdorf veranstaltet werden können. Weshalb die Kurse auch in Schulen, Bürgerhäusern und sogar in Sporthallen stattfinden.

Vortragsreihe informiert bei Trennung und Scheidung

Beim Angebot selbst orientiert sich das Programm an den Bedürfnissen der Menschen. Es ist untergliedert in die Bereiche Gesellschaft, Kultur, Gesundheit, Sprachen, Arbeit und Beruf sowie  Grundbildung. Ganz neu ist eine Vortragsreihe, mit der man bei Trennung und Scheidung den Betroffenen Unterstützung anbieten will. Unter der Beteiligung von Fachanwälten geht es hier um Fragen wie “Was bleibt nach der Scheidung?”, “Was passiert mit Patchworkfamilien”, “Was Unterhaltszahler und –empfänger beachten müssen” und einiges mehr. Finanzielle und steuerliche Aspekte werden hier ebenso besprochen wie Fragen des Kindeswohls und wie eine Scheidung abläuft. Angeboten werden diese Veranstaltungen durch den bundesweit tätigen gemeinnützigen “Interessenverband Unterhalt und Familienrecht e. V.” (ISUV) im monatlichen Rhythmus.

“Dieses Angebot gehört zu den Neuerungen, wogegen die Vermittlung von Fremdsprachen zu den Kursen gehört, die sich schon vor 70 Jahren im VHS-Angebot fanden”, stellt Fries fest. Wobei sich auch hier im Laufe der Jahrzehnte eine Menge getan hat. Schließlich stehen mit Arabisch, Japanisch, Luxemburgisch, Neugriechisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Schwedisch, Russisch und Spanisch Sprachen auf dem Angebot, die in dieser Fülle wohl kaum in den ersten Jahrzehnten der Trierer VHS vertreten waren.

Natürlich gehören auch Computerkurse wie Bildbearbeitung, Programmierung oder auch einfach nur Computerschreiben zum Angebot.

Themenbereiche sind gewachsen

Weiterentwickelt haben sich aber auch die Themenbereiche. Denn heute lädt die VHS im Themenbereich “Gesellschaft” auch zu Ausstellungen ein, betreibt Gedenkarbeit und beschäftigt sich intensiv mit der Umwelt und dem damit verbundenen Themengebiet Nachhaltigkeit. Manuela Zeilinger-Trier, die den Fachbereich “Kultur und Gestaltung” verantwortet, lädt zu Autorenlesungen und –begegnungen , kreativem Schreiben, Theateraufführungen oder Stadtführungen ein, um an dieser Stelle nur einige Beispiele zu nennen.

Ihre Kollegin Rita Brockhaus verweist auf ein reichhaltiges Angebot im Fachbereich “Gesundheit”, bei dem es um körperliche und seelische Erkrankungen geht, aber auch um präventive Angebote wie Yoga, Autogenes Training, Pilates, Seniorengymnastik, Tanzsport oder Kochen und Ernährung, um auch hier nur einige Beispiele aufzuführen.

Ein ganz wichtiges Anliegen ist allen Beteiligten das Thema Alphabetisierung. Etwa jeder zehnte Bewohner dieser Stadt ist ein Analphabet, schätzen Fries und Garbes. “Die Hälfte dieser Menschen steht in einem Arbeitsverhältnis und hat es irgendwie geschafft, sich hier ohne Lese- und Schreibkenntnisse einzurichten”, sagt Fries. Der Trick dabei: “Diese Menschen haben in ihrem engsten Umfeld einen Vertrauten, der ihnen immer dann hilft, wenn es für sie eng wird.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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