Weißhaus – Lichter oder Schröder?

Wer zieht hier als neuer Pächter ein: Lichter oder Schröder? Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Wer bekommt Triers weiße Perle über dem Moselufer? Nach exklusiven reporter-Informationen sind zwei Bewerber im Rennen als neue Pächter des Weißhauses. Zum einen Hans-Jürgen Lichter, ehemals mächtiger Manager der Kloster Machern AG (Reh-Gruppe/Schloss Wachenheim). Hinter Lichter steht das Unternehmen Ifa-Immobilien, dessen Geschäftsführer der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Schäfer ist. Lichters Konkurrent ist der Trierer Hotelier Markus Schröder, der nach weiteren reporter-Informationen finanziell von der CDU-nahen Wirtschafts- und Steuerkanzlei Kram unterstützt wird. Beide Interessenten haben ihr Konzept in der nichtöffentlichen Sitzung des Bauausschusses Anfang März hinter verschlossenen Türen vorgestellt. Eine endgültige Entscheidung für oder gegen einen Bewerber ist zwar noch nicht gefallen. Die Tendenz geht nach reporter-Informationen aber aber klar in Richtung Lichter/Ifa.

Hans-Jürgen Lichter umgibt sich gerne mit politischer Prominenz – wie im Herbst vergangenen Jahres, als er während des vom ihm selbst organisierten Oktober-Fests in Riol SPD-Generalsekretärin Katarina Barley auf der Bühne herzte. Mitte Mai wird Lichter auf schillernde Unterstützung allerdings verzichten müssen. Dann sieht er sich vor dem Koblenzer Oberlandesgericht mit der Millionenforderung seines ehemaligen Arbeitgebers konfrontiert. Anfang 2015 klagte die Kloster-Machern-Gesellschaft, die zur Reh-Gruppe (Schloss Wachenheim) gehört, gegen Lichter und den Vorstand der Kreis- und Stadtsparkasse Trier, Günther Passek, auf Schadensersatz in Höhe von knapp 16 Millionen Euro.

Hintergrund sind Grundstücksgeschäfte, die Lichter als ehemals mächtiger Boss der Kloster Machern AG getätigt haben soll – unsauber nach Meinung des Unternehmens. Lichter, der binnen weniger Jahre vom Koch – seine Meisterprüfung legte er zusammen mit Johann Lafer ab – zum Top-Manager aufstieg, soll beim Verkauf der Grundstücke auf dem Gelände des ehemaligen Missionshauses St. Paul bei Wittlich die Kloster Machern AG um mehrere Millionen Euro geschädigt haben. So jedenfalls lautet der Vorwurf. Käufer der Grundstücke, die weit unter Wert veräußert worden sein sollen, soll eine Gesellschaft gewesen sein, an der Lichter selbst beteiligt war. Passek gehörte zur selben Zeit dem Aufsichtsrat der Machern-Stiftung an und soll beim Verkauf seine Kontrollfunktion vernachlässigt haben. Sowohl Lichter als auch Passek bestreiten die Vorwürfe. Angekauft wurde das Gelände für rund eine Million Euro, verkauft schließlich für drei Millionen Euro. Der tatsächliche Wert soll bei rund 17 Millionen Euro gelegen haben. An der Finanzierung des Geschäfts war auch die Sparkasse beteiligt, bei der Passek damals im Vorstand saß.


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Im März 2012 wurde Lichter von der Machern AG fristlos entlassen. Seither ist er als freier Unternehmer in der Region unterwegs. Von Maring-Noviand aus steuert er seine “AVL Projekentwicklungs GmbH”. Die erstellt laut Internetauftritt als “Dienstleister Konzepte, Planungen und bauvorbereitende Maßnahmen, um Grundstücke und Bestandsimmobilien einer neuen Nutzung zuzuführen”. Lichter organisiert Oktoberfeste in Mönchengladbach, Koblenz und eben Riol. Damit hatte er sich schon als Party-Manager des Wittlicher Unternehmens “Bungert” einen Namen gemacht. Das Unternehmen “Ifa-Immobilien” des ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Schäfer (Schillingen) weist Lichter auf seiner Internet-Präsenz ferner als Berater aus.

Unterschiedliche Vorstellungen

Ein traumhafter Ausblick aus dem Lokal auf die älteste Stadt Deutschlands.

Die Ifa geriet Ende 2014 negativ in die Trierer Schlagzeilen, als Schäfer den Drogeriemarkt auf dem Petrisberg entgegen dem städtischen Einzelhandelskonzept durchdrückte. Schäfer nutzte damals das frische Bündnis zwischen CDU und Grünen aus. Die Grünen, die sich kurz zuvor noch vehement gegen den Drogeriemarkt ausgesprochen hatten, fielen auf Druck der Union um. Der Kürenzer Ortsvorsteher und Ex-Stadtrat Bernd Michels (CDU) hatte den Drogeriemarkt gefordert. Im Gegenzug stimmte die CDU schließlich für die Sanierung der Egbert-Schule im Gartenfeld. Die war von Dominik Heinrich (Grüne), dem Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld, gefordert worden. In der Debatte zum Schulentwicklungsplan hatten die Christdemokraten sich noch gegen die Egbert-Sanierung ausgesprochen. Schäfer nutzte die Gelegenheit und setzte den Petrisberg-Drogeriemarkt gegen die Empfehlungen der Wirtschafts-Kammern und des Stadtvorstandes durch.

In Trier hat Schäfers Unternehmen in den vergangenen Jahren mehrere Immobilien-Projekte umgesetzt – so die Residenzen am Olewiger Bach und im Aveler Tal. Auf dem Petrisberg entstanden 135 Wohnungen und Appartements. Die Ifa baut ferner in der Petrus- und Paulinstraße, in Zewen, Euren und Tarforst. Am Losheimer See realisierte das Unternehmen ein Wohlfühlhotel, in Saarburg wurde die denkmalgeschützte “Villa Keller” restauriert und saniert.

Lichter-Konkurrent Markus Schröder ist Hotelier in Trier. Das Wein-Style-Hotel im Aveler Tal, das Appartment-Hotel auf dem Petrisberg und das Stadtwald-Hotel im Gillenbachtal gehören zu seiner Gruppe “Schröders Hotels”. Auch den Christophel führte Schröder bis vor fünf Jahren, zog sich 2012 aber aus dem Traditionshaus an der Porta Nigra zurück. Nach reporter-Information wird Schröder finanziell von der CDU-nahen Trierer Wirtschafts- und Steuerkanzlei Kram gestützt. Gesellschafter Wolfgang Kram war einst Schatzmeister der Trierer CDU.

Im Gegensatz zu Lichter will Schröder das Weißhaus offenbar zu einem Hotelbetrieb erweitern. Entsprechende Pläne soll der Hotelier nach reporter-Informationen in der nichtöffentlichen Sitzung des zuständigen Ausschusses vorgestellt haben. Lichter plant hingegen mit Unterstützung der Ifa eine Event-Gastronomie über der Mosel. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, wobei nach weiteren reporter-Informationen das Konzept Lichters im Ausschuss auf mehr Gegenliebe gestoßen sein soll als die Ideen Schröders. Der Erweiterung zum Hotelbetrieb steht auch das Rathaus skeptisch gegenüber – hauptsächlich wegen des dann zunehmenden Verkehrs durch das Naherholungsgebiet Weißhauswald (siehe Extra).

Dezernent Andreas Ludwig (CDU) lehnte unter der Woche eine Stellungnahme mit dem Hinweis auf die nichtöffentlichen Beratungen ab. “Kein Kommentar”, sagte der Christdemokrat gegenüber dem reporter. Voraussichtlich Anfang Mai wird der Ludwig-Ausschuss sich erneut mit dem Weißhaus beschäftigen. Die endgültige Entscheidung, wer in Triers weißer Perle als neuer Pächter einzieht, liegt dann beim Stadtrat.

Extra

Für das Weißhaus hatte die Stadt bereits im Sommer 2016 ein Konzept ausgearbeitet. Dieses sieht unter anderem vor, dass das Weißhaus zur Terrassensaison 2017 wieder in Betrieb geht. Dieser Termin wird aber kaum zu halten sein. Die erste Saison gilt ohnehin als Testsaison, die zeigen soll, ob der ausgewählte Betreiber zuverlässig ist. Andererseits kann der Betreiber auch selbst einschätzen, welches Potenzial im Gebäude steckt und welche Investitionen langfristig notwendig, sinnvoll und verantwortbar sind.

♦ Die Start-Saison ist komplett pachtfrei gestellt. Allerdings wird vorausgesetzt, dass der Betreiber selbst investiert und bei der Stadt eine entsprechende Sicherheits-Kaution hinterlegt.

♦ Auf den Erfahrungen der Testsaison aufbauend, wird im Pachtvertrag ein Investitionsprogramm ausgearbeitet werden. Das Rathaus legt dabei darauf wert, dass die Investition sich selbst trägt. Das hat Vorrang vor einer möglichst hohen Bar-Pacht.

♦ Damit der Pächter seine Investition bei der Bank finanzieren kann, wird eine Mindestlaufzeit von 25 Jahren angestrebt. Maximal sollte die Laufzeit 33 Jahre betragen. Auch Erbbaurecht ist denkbar.

♦ Das abschließende Vergabeverfahren soll ferner von gastronomischen Fachgutachtern begleitet und hinsichtlich der Vergabekriterien und der Auswahl mit der höchstmöglichen Transparenz abgewickelt werden.

♦ Die Nutzung konzentriert sich auf den klassizistischen Altbau, den Funktionalbau aus den 1980er Jahren, die Orangerie und die Terrasse. Weitere Ergänzungen werden nur unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit, des Denkmalschutzes und des Landschaftsbildes in Betracht gezogen. Hintergrund dafür sind in der Vergangenheit geäußerte Überlegungen, dem Restaurant ein Hotel anzugliedern.

♦ Die Erschließung des Hauses über den bestehenden Forst- und Wirtschaftsweg reicht nach Ansicht der Verwaltung aus. Ein Ausbau des Weges durch das Naherholungsgebiet erscheint aus Rathaus-Sicht nicht angebracht.

♦ Die kurzfristige Investitionssumme der Stadt zur Mängelbeseitigung liegt bei 300.000 Euro. Das Geld ist im städtischen Doppelhaushalt eingestellt. Zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro müssen durch den neuen Pächter in das Weißhaus zur Gebäudesanierung zusätzlich investiert werden – unabhängig vom Gastronomie-Konzept.

Extra

Mit dem Slogan “Rettet den Weißhauswald” setzte sich in den 1970er Jahren eine Bürgerinitiative, der auch Triers Alt-OB Klaus Jensen als einer der Sprecher angehörte, gegen den Plan der Stadt, eine Ferienanlage mit knapp 100 Appartements rund um das Weißhaus zu bauen, erfolgreich zur Wehr. Fast 13.000 Unterschriften, davon 11.348 gültige, sprachen sich gegen das Modell der Appartement-Anlage aus. Seit April 2014, als die letzten Anteile der 1979 gegründeten Bauherrengesellschaft an die Stadt zurückfielen, ist die Stadt wieder alleiniger Eigentümer des Weißhauses.

Das Weißhaus

Um 1820 erwarb Oberbürgermeister Wilhelm von Haw das Gelände im Weißhauswald als Landgut. Von Haw ließ den mehrere hundert Morgen umfassenden Gesamtbering unter großem Aufwand aufforsten, legte Gärten an, darunter auch eine Schäferei im dazugehörigen Biewertal. Das alte Weißhäuschen wurde abgerissen, und an seiner Stelle entstand die Privatvilla von Haw, die um 1823 fertiggestellt wurde.

Der Weißhauswald und die Gärten standen schon zu Lebzeiten von Haw den Bürgern der Stadt offen. Nach dem Tod des Besitzers wurden Villa und Ländereien 1863 vom Statthalter des Großherzogtums Luxemburg, Prinz Heinrich der Niederlande, erworben, der die Anlage weiterhin für Besucher offen hielt, instandsetzte und den Neubau einer weiteren privaten Villa projektierte, die jedoch aufgrund seines plötzlichen Todes im Jahr 1879 nicht realisiert wurde.

Um den Verkauf an Privatpersonen und damit den möglichen Verlust eines öffentlichen Erholungsparks zu verhindern, wurde 1879 die Aktiengesellschaft Weißhaus-Verein von wohlhabenden Trierer Bürgern gegründet. 1881 wurde die Villa nach Verbesserung der Zuwege, Instandsetzungen des Gebäudes und der Anlage einer Gartenterrasse verpachtet und der Restaurantbetrieb eröffnet.

Der betont schlicht gehaltene, zweigeschossige Bau, circa zwölf Meter lang und sieben Meter tief, weist lediglich zur Stadtseite hin eine differenziertere, durch Schmuckformen betonte Fassadengestaltung auf. Dem französisch geprägten Erscheinungsbild des Monaiser Schlosses und der Villa Nell setzt die Villa Weißhaus einen deutlich von preußisch-klassizistischer Bauweise beeinflussten Stil entgegen, der sich auch am dazugehörigen Ökonomiegebäude Drachenhaus findet. (Quelle: Datenbank Kulturgüter Region Trier)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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