Weitere Stolpersteine für Trier

Im April vergangenen Jahres verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig unter anderem in der Neustraße Stolpersteine.

Im April vergangenen Jahres verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig unter anderem in der Neustraße Stolpersteine.

TRIER. Am kommenden Donnerstag, 8. September, wird der Künstler Gunter Demnig auf Einladung des Kulturvereins Kürenz weitere Stolpersteine zum Gedenken an Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Trier verlegen. Neue Forschungsergebnisse ermöglichen es dem Kulturverein, an drei Verlegeorten insgesamt 18 neuer Opferschicksale zu gedenken. Im April vergangenen Jahres hatte Demnig unter anderem in der Neustraße Stolpersteine verlegt.

Auf dem Bischof-Stein-Platz vor dem Eingang des heutigen Diözesanmuseums, dem ehemaligen Zuchthaus in der Windstraße, wird ein weiterer Stein für einen sogenannten Nacht-und-Nebel-Häftling“, Maurice Gould, eingelassen. Das Zuchthaus war von Beginn des Westfeldzuges gegen Frankreich 1941 an eine der ersten Haftanstalten für die in Frankreich auf Grundlage des sogenannten Nacht-und-Nebel-Erlasses festgenommen politischen Gefangenen. Über 1000 NS-Häftlinge gelangten von hier aus in weitere Haftanstalten oder Konzentrationslager. Bei Identifizierung weiterer Opfer könnten zukünftig noch mehr Gedenksteine diesen Verfolgungsort des Terrorregimes kenntlich machen.

An den beiden nächsten Verlegeorten werden insgesamt 17 weitere Stolpersteine zum Gedenken an Opferschicksale der Eugenik in die Bürgersteige der beiden Krankenhäuser – Barmherzige Brüder und ehemaliges Elisabethkrankenhaus – eingelassen.

In der Peter-Friedhofenstraße, dem Hintereingang des Brüderkrankenhauses, wird sechs weiteren Patienten der ehemaligen Psychiatrieabteilung gedacht. Die aus Forschungssicht neuen Erkenntnisse betreffen die ersten drei namhaftgemachten Überlebenden der organisierten Euthanasie, Matthias Dietz, Eduard Meyer und Theodor de Lasalle von Louisenthal. Der letztgenannte prominente Baron war der letzte Nachfahre seines europaweit bekannten Adelsgeschlechts auf Schloss Dagstuhl. Durch Studien des Kulturvereins konnte sein Zwangssterilisationsschicksal, das den Genealogen seiner Familie unbekannt gewesen ist und von seiner Familie verschwiegen wurde, aufgeklärt werden. In seinen Patientenakten fanden sich sehr bewegende Briefwechsel mit seiner Mutter aus der Zeit seiner Anstaltsverwahrung.

Zudem können an diesem Verlegeort mit Josef Schmitz und Leo Wachsmann erstmals zwei jüdische Patienten der damals mit 541 Kranken belegten und komplett geräumten ehemaligen Psychiatrieabteilung des Brüderkrankenhauses benannt und gewürdigt werden.

Auch an der dritten Station der diesjährigen Verlegung wird dieser Verfolgungsgruppe gedacht. Vor dem ehemaligen Elisabethkrankenhaus werden elf weitere Zwangssterilisationsopfer benannt werden. Drei Mädchen aus dem ehemaligen St. Josefheim in Föhren: Cäcilia Burggraf, Elisabeth Fassbender, Hildegard Hütten. Der Kulturverein hofft darauf, dass durch die Verlegungen die Diskussionen in Föhren um eine eigene Gedenkstelle vor dem historischen Klostergebäude neu belebt werden.

Die Stolpersteine erzählen vom Leid der Opfer der NS-Herrschaft.

Die Stolpersteine erzählen vom Leid der Opfer der NS-Herrschaft.

Die übrigen acht Stolpersteine sind den Zwangssterilisationsopfern der Provinzial-Taubstummen-Lehranstalt (heute Wilhelm-Hubert-Cüppers-Schule Trier) gewidmet. Von den acht Benannten wurde Gertrud Lambert als erstes Opfer dieser Schule zwangssterilisiert. Sie verstarb laut Erinnerung eines Mitschülers aufgrund beständiger Krankheit schon drei Jahre nach der Operation.
Diese 16. Verlegung in elf Jahren wird auch für den Kulturverein Kürenz zu einem ganz besonderen Ereignis. Denn unter den zahlreichen Gästen wird ein Überlebender der Zwangssterilisationen (Jahrgang 1920) der Provinzial-Taubstummen-Anstalt erwartet sowie zwei Kinder der damals am Elisabethkrankenhaus praktizierenden Ärzte, darunter der Sohn eines Operateurs.

Der Kulturverein dankt den Gehörlosenverbänden in Trier für deren Unterstützung, insbesondere für die Begleitung eines Gebärdendolmetschers.

Der Kulturverein Kürenz arbeitet ehrenamtlich und allgemeinnützig. Fast alle Stolpersteine werden durch Patenschaften finanziert. Für die Anfertigung, Anfahrt und Verlegung eines Steines berechnet Gunter Demnig 125 Euro. Der Verein ist berechtigt Spendenquittungen auszustellen. Noch sind aber nicht alle Stolpersteine finanziert. Alle Bürger/innen, die sich durch Übernahme einer Patenschaft in dem Stolpersteinprojekt von Gunter Demnig mit engagieren möchten, bittet der Verein, 125 Euro mit dem Stichwort “Patenschaft” auf das Konto des Kulturvereins Kürenz überweisen: Sparkasse Trier, IBAN: DE 69 5855 0130 0001 8073 12, BIC: TRISDE55.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Trier und Umgebung sind eingeladen, an den Verlegungen teilzunehmen. Die einzelnen Termine finden sich hier.

Stolpersteine

Die Stolpersteine sind quaderförmige Betonsteine, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Etwa 52.000 Stück hat der Kölner Künstler Gunter Demnig inzwischen in rund 750 deutschen und europäischen Städten und Gemeinden verlegt. 1995 verlegte Demnig probeweise die ersten Steine in Köln. Die Art der Erinnerung stößt nicht überall auf ungeteilte Zustimmung. So kritisierte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, es sei “unerträglich, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und worauf mit Füßen herumgetreten wird”. Dagegen verteidigt der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, die Aktion Demnigs. 2012 wurde das Projekt mit dem Marion Dönhoff-Förderpreis für internationale Verständigung und Versöhnung ausgezeichnet und mit 20.000 Euro gefördert. Demnig erhielt 2012 den Erich-Kästner-Preis. Die Patenschaft für einen Stolperstein kostet 120 Euro.


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft, inside54.de Hinterlasse einen Kommentar

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