Werkform – alles, nur kein Mainstream

In der Ausstellung finden sich auch dekorative Steinskulpturen, die zum Verweilen einladen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Im historischen Ambiente der Thermen am Viehmarkt zeigen noch bis zum 15. Oktober zwölf Werkform-Handwerker und 17 Gäste – auch aus dem Saar-Lor-Lux Raum – ihre kunstvollen Produkte. Die fünfte Auflage der Verkaufsausstellung steht in diesem Jahr unter dem Motto: ‟Licht an‟. Mit einer Vernissage wurde diese nicht alltägliche Veranstaltung am Freitag in Anwesenheit von Bundesfamilienministerin Katarina Barley eröffnet.

Es ist eine bunte Welt, die den Besucher verteilt über die gesamte Thermenanlage empfängt. Hier findet sich alles aus dem Bereich des Kunsthandwerks – außer Mainstream. Kein Wunder, dass Handwerkskammerpräsident Rudi Müller sich hier unter seinesgleichen sieht: ‟Hier stellen Profis ihre Arbeiten aus‟. Eine zutreffende Aussage, wie der Blick in die Teilnehmerliste zeigt: Schreiner, Designer, Kunstschmiede, Glasmaler, Buchbinder, Weber, Bildhauer, Keramiker, Goldschmiede – die Liste der Berufe ließe sich beliebig weiterführen. Nicht Hobbykünstler sind hier am Werk sondern Menschen, die mit ihrem Beruf auch ihren Lebensunterhalt bestreiten. Folgerichtig appelliert Schirmherrin Katarina Barley denn auch an die Besucher, tatkräftig einzukaufen, wozu sie selbst auch ihren Beitrag leisten wolle.

Ist begeistert von dem großen künstlerischen Spektrum der Ausstellung: Bundesfamilienministerin Katarina Barley

Symbiose von Historie und Neuzeit

Mit den schönen Künsten ist Markus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums, alleine schon von Berufs wegen, auf vertrautem Fuß. An diesem Abend vertritt er Thomas Metz, den Leiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz. Er weiß, dass ‟Werkform‟ seit 2013 in dieser Anlage zu Gast ist. Für ihn, wie auch für Rudi Müller, ist diese Nutzung kein Widerspruch: ‟Einen besseren Ort kann es für diese Schau mit zeitgenössischen Kunstwerken nicht geben.” Der Besucher erlebe hier eine perfekte Symbiose von historischer Architektur mit neuzeitlichem Kunsthandwerk.

Diesen Eindruck teilt auch die Trierer Künstlerin Waltraud Jammers, die sich bei der Vernissage unauffällig unter die zahlreichen Gäste gemischt hat. Ihr gefällt der Kontrast von Alt und Neu, aber auch die entzerrte Form der Präsentation. Jeder der Künstler habe hier ausreichend Platz und Gelegenheit seine Produkte auszustellen und dabei in Ruhe in Kontakt mit den Besuchern treten zu können, findet sie.

Eine beeindruckende Dreidimensionalität kennzeichnen die Marketerie-Arbeiten von Matthias Remmy.

Dass die Kunst sich auch in flüchtigen Tönen erschließt, veranschaulichen drei junge Musiker, die die Vernissage musikalisch umrahmen. Alleine schon die Auswahl ihrer Instrumente zeigt, dass sie wie die ausstellenden Handwerkskünstler, mit Mainstream nichts am Hut haben: Theo van der Poel am Akkordeon, sein Bruder Elmo bedient Bass und Percussions und Vincent Pinn erweist sich als ein Meister am Flügelhorn und an der Trompete. Gemeinsam intonieren sie argentinischen Tango und fulminanten Jazz, der Herz und Seele erreicht.

Ein aussterbendes Handwerk

Was auch die ausstellenden Handwerker mit ihren Produkten schaffen. Ein nahezu ausgestorbenes Handwerk zeigt der 84-jährige gelernte Schreiner Matthias Remmy aus Bruch. Seine stark dreidimensional gearbeiteten Holz-Tablets sind so genannte Marketerie-Arbeiten. Landläufig werden sie auch als Intarsien bezeichnet. Doch der Unterschied liegt darin, dass Intarsien ins Holz eingelegt werden. Bei der Marketerie dagegen werden hauchdünne mit einem Messer ausgeschnittene Furnierhölzer zu einem aufwendigen Bild oder Muster auf einer Holzoberfläche zusammengeführt. Eine Feinarbeit, für die eine schier unendliche Geduld und sehr viel Zeit von Nöten sind.

Die Bären von Gabriele Drangmeister (2. von links) gehörten bei der Vernissage zu den Publikumslieblingen.

Für Remmys Schreinerkollegin Gabriele Drangmeister spielt die Geduld ebenfalls eine große Rolle. Die Arbeit mit dem Werkstoff Holz ist ihr nicht zuletzt aus dem Schreinerbetrieb in Wiltingen, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Hagen betreibt, wohlvertraut. Das Ehepaar hat ausgefallene und beileibe nicht alltägliche Möbelstücke und Holzbildhauerei mitgebracht. Letztere sind die Arbeit von Gabriele Drangmeister, die neben dem Schreinerberuf auch noch eine Weiterbildung in der Holzbildhauerei aufzuweisen hat. Ihre Bären, die sie in vielen unterschiedlichen Varianten ausstellt, stehen beim Publikum permanent im Mittelpunkt des Interesses. ‟Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Bären gemeinhin Sympathieträger sind‟, versucht sie eine Erklärung. Auch Hagen Drangmeister kann sich nicht über mangelndes Interesse an seinen Exponaten beklagen. Bei ihm findet man unter anderem außergewöhnlich gearbeitete kleine Vitrinen, die aus der Kombination von Kassetten und alten Fassdauben bestehen.

Jennifer Sauer präsentiert ihren Edelsteinschmuck mit mythischen Anleihen.

Eintauchen in andere Welten

Mit der teilweise surrealen Präsentation ihres Edelsteinschmucks lässt die Edelstein- und Schmuckdesignerin Jennifer Sauer aus Stipshausen in andere Welten eintauchen. Ein klares Kalkül, hat sie ihrem Unternehmen doch auch den Namen ‟Anderswelten‟ gegeben. Dass diese Rechnung aufgeht, verdeutlichen dichte Menschentrauben an ihrem Stand, die neben dem Betrachten der Exponate auch das Gespräch mit der Designerin suchen.

Drei Beispiele aus einem sehr großen Angebot, die die völlig unterschiedliche Herangehensweise der verschiedenen Aussteller veranschaulichen sollen. Zu sehen sind in der Werkschau nicht nur Stücke aus Stein, Holz, Ton, sondern auch zu Kunstwerken weiterbearbeitete Materialien wie Glas, Edelsteine, Papier, Stoff, Kupfer, Eisen, Leder und Wolle.

Die Öffnungszeiten sind täglich außer Montag von neun bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis in die Viehmarktthermen beträgt vier Euro. Dieser Betrag wird beim Erwerb eines Exponats ab 50 Euro verrechnet. Bevor die Veranstaltung am Sonntag, 15. Oktober, mit einer Finissage beendet wird, gibt es Samstag zuvor unter der Mitwirkung des Jazz Clubs Trier von 18 – 23 Uhr eine ‟Lange Nacht‟, zu der der Eintritt wieder frei ist. (rl)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.