West-Trasse: Das sagen die Trierer Parteien

Collage_Parteien_neuTRIER. Wir haben  die im neuen Trierer Stadtrat vertretenen Parteien sowie die Freien Wähler um ihre Einschätzung der Situation in den westlichen Trierer Stadtteilen gebeten. Im Einzelnen wollten wir wissen

wie die Partei/Fraktion das Problem “Bahnlärm” beurteilt?

ob die Deutsche Bahn AG – auch im Hinblick auf die Reaktivierung der Westtrasse für den Personenverkehr – Lärmschutzmaßnahmen an der Strecke errichten soll?

ob die Partei/Fraktion für eine erneute beziehungsweise stärkere Bürgerbeteiligung zu diesem Projekt in den westlichen Stadtteilen plädiert?

Hier sind die Antworten (die Reihenfolge ergibt sich aus dem Abschneiden bei der letzten Kommunalwahl).

CDU: “Die westlichen Stadtteile sind aktuell einer außerordentlichen Lärmbelastung durch das hohe Aufkommen an Güterzügen ausgesetzt. Insbesondere die enge Taktung und die teilweise sehr hohe Geschwindigkeit der Züge machen den direkten Anwohnern sehr zu schaffen. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung, zumindest in den Nachtzeiten, würde die negativen Einflüsse merklich abmildern.”

“Alle Möglichkeiten des Lärmschutzes müssen auf ihre Praktikabilität vor Ort hin überprüft werden. In unserer Tallage müssen hierbei insbesondere passive Schallschutzmaßnahmen in den anliegenden Wohnungen, wie die Anbringung von Schallschutzfenstern oder Isolierungen, wie derzeit im Mittelrheintal getestet, angedacht werden.”

“Um eine Akzeptanz des Projekts bei den Bürgern vor Ort gewährleisten zu können, ist eine Beteiligung der anliegenden Bürger unerlässlich. Insbesondere bei der konkreten Planung der einzelnen Haltepunkte vor Ort müssen Anwohner und Ortsbeiräte zukünftig eingebunden und ihre Sorgen ernst genommen werden.”

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SPD: “Bekanntlich fahren jetzt, Baustellen bedingt, auch Güterzüge über die Weststrecke, die im Normalbetrieb auf der Oststrecke durch Trier fahren. Dass dies mit einer erhöhten Lärmbelästigung einhergeht und die Anwohner sich beschweren, ist verständlich. Die Anzahl der Güterzüge, die die Weststrecke befahren, liegt alleine in der Hoheit der Bahn. Deshalb haben wir als Lokalpolitiker keinerlei Einfluss auf die Frequenz der Züge. Nach Beendigung der Baumaßnahme in Ehrang werden sich die Züge wieder – wie früher – auf beide Moselseiten verteilen. Das Thema Tempolimit in besonders betroffenen Wohngebieten sollte nochmal geprüft werden, dies würde für alle diese Streckenabschnitte gelten, also in Trier auch für die Oststrecke.”

“Im Hinblick auf die Reaktivierung der Weststrecke ist mit keiner Zunahme des Lärms durch den Personennahverkehr zu rechnen, da die neuen Regionalzüge als sehr leise eingestuft werden. Im Gegenteil, je mehr Regionalzüge auf der Strecke fahren, desto geringer ist die Anzahl der Güterzüge, da der Personennahverkehr vorrangig vor dem Güterverkehr bedient werden muss. Wünschenswert wäre dann ein Lärmgutachten, um zu ermitteln, ob Lärmschutzmaßnahmen erforderlich sind.”

“Die Stadt hatte nur ein Vorschlagsrecht für die Standorte der fünf Haltepunkte, hier fanden entsprechende Beteiligungen statt. Die detaillierten Ausbauplanungen der einzelnen Haltepunkte erfolgt noch, wir gehen davon aus, dass diese in den jeweiligen Ortsbeiräten vorgestellt und diskutiert werden. Die SPD-Fraktion steht eindeutig hinter der Reaktivierung der Weststrecke durch den Personennahverkehr als Beitrag zur Stärkung des Regionalbahnangebotes im Raum Trier und der besseren Anbindung an Luxemburg. Das ist auch im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und wird auch die Lebensqualität in Trier-West in Bezug auf den Personenverkehr verbessern, der aktuell fast nur über die Straße stattfindet.”

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Grüne: “Der Bahnlärm stellt für die westlichen Stadtteile insofern ein Problem dar, als sie durch die Bundesstraße ohnehin schon stark durch Lärm beeinträchtigt sind.”

“Die modernen Züge, die im Personenverkehr der Bahn eingesetzt werden sollen, stellen nicht den Kritikpunkt der Bürger vor Ort dar. Sie kritisieren den Güterverkehr und die befürchtete Verlagerung des Güterverkehrs in die Nachtstunden. Zur Verringerung der Lärmbelastung durch den Güterverkehr fordern wir Grüne die DB AG auf, generell aktiv werden: Schienenstegdämpfer, niedrige Schallschutzwände, Flüsterbremsen, sowie das für 2020 vorgesehene Verbot von lauten Zügen auf unseren Bahntrassen.”

“Die Reaktivierung der Westtrasse für den Personenverkehr stellt einen wesentlichen Baustein des Umweltverbundes in Trier dar. Konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Lärmbelästigung durch die Bundesstraße und den Güterverkehr sind mit den Bürgern vor Ort zu diskutieren.”

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FWG: “Der Güterverkehr hat in den letzten Monaten enorm zugenommen. Es gibt reihenweise Beschwerden über den Lärm, der durch den Güterverkehr verursacht wird. Betroffene Anwohner, wie beispielsweise im Stadtteil Euren, denken ernsthaft über den Verkauf ihrer Anwesen nach oder haben sich bereits entschlossen, ihr Haus zu verkaufen. Wenn auch bekannt ist, dass der erhöhte Güterverkehr vorerst nur bis in den August hinein andauert, so wissen die Anwohner, dass die geplante Reaktivierung der Westtrasse für die Regionalbahn zur Verschiebung des Güterverkehres in die späten Abend- oder Nachtstunden führen wird. Die Menschen fühlen sich auch von der Stadt allein gelassen.”

“Die FWG ist der Ansicht, dass nicht zuletzt durch die geplante Reaktivierung der Westtrasse entsprechende Lärmschutzmaßnahmen unerlässlich sind. Im Stadtteil Euren hat bereits ein Bewohner des BW 51, das unmittelbar an die Bahnlinie angrenzt, eine Petition im Internet gestartet, die von der FWG ausdrücklich unterstützt wird. Hier wird vorrangig entsprechender Lärmschutz gefordert.”

“Das Thema Bürgerbeteiligung ist bei dem Vorhaben ‘Reaktivierung der Westtrasse’ erheblich zu kurz gekommen. Das hat die FWG im Übrigen sehr verwundert, weil insbesondere unser Oberbürgermeister bei solchen oder ähnlichen wichtigen Vorhaben immer von Transparenz und Bürgerbeteiligung spricht. Von daher muss das Thema jetzt öffentlich diskutiert werden.”

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Die Linke: “Die Linke hat sich für die Reaktivierung der Westtrasse unter Berücksichtigung des Lärmschutzes ausgesprochen. Für uns war es wichtig, dass erst die Anwohner befragt werden und ihre Bedürfnisse nach Lärmschutz Ernst genommen werden. Die Lärmbelästigung in den westlichen Stadtteilen kommt hauptsächlich durch die zusätzlichen Güterzüge zustande. Vor allem nachts ist dies eine Belastung für die Einwohner. Solange es keinen ausreichen Lärmschutz gibt, sollte nachts die Geschwindigkeit auf 30 km/h gedrosselt werden oder es eine Sperrzeit für den Güterverkehr geben.”

“Als allererstes braucht es eine Lärmkartierung, bevor man mit den Lärmschutzmaßnahmen beginnt: Wir vermuten, dass der Personenverkehr nicht das große Problem sein wird. Die Züge sind relativ kurz und die Taktung so gestrickt, dass es tagsüber zu keiner großen Lärmbelästigung kommen wird. Darüber kann aber nur eine Lärmkartierung Aufschluss geben. Die Stadt soll sich gegenüber Land und Bahn stark machen, dass eine Lärmkartierung vorgenommen wird und entsprechende Lärmschutzmaßnahmen wie Lärmschutzwände gebaut und Lärmsanierungsprogramme initiiert werden.”

“Die Linke fordert generell eine stärkere Bürgerbeteiligung. Wir haben uns stets für eine Beteiligung der Anwohner als Grundlage für Infrastrukturprojekte ausgesprochen. Solche Projekte wie die Reaktivierung der Westtrasse brauchen die Rückmeldung durch die Bevölkerung. Um die Probleme mit dem jetzigen Bahnlärm zu lösen, muss dringend ein Gespräch zwischen Verwaltung und Betroffenen organisiert werden, damit die Lärmbelästigung direkt angegangen werden kann.”

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AfD: “Neben dem zu befürchtenden Bahnlärm muss berücksichtigt werden, dass sich die Bahnschranken in den westlichen Stadtteilen etwa alle 15 Minuten schließen werden. Infolgedessen ist nicht nur der Bahnlärm ein Problem, sondern auch der Verkehrslärm, der ohne Frage zunehmen wird. Die zusätzlich fahrenden Güterzüge sind hier noch nicht eingerechnet und sorgen für weitere Belastungen.”

“Lärmschutzwälle der DB wären sicher eine geeignete Maßnahme, um den entstehenden Lärm zumindest etwas abzuschwächen. Am Verkehrslärm, der zunehmenden Luftverschmutzung und abnehmender Lebensqualität in den betroffenen Stadtteilen können aber auch sie nichts ändern.”

“Die AfD in Trier hat den Trierer Bürgern eine ‘lebendige Demokratie’ versprochen. Hierzu gehört für uns natürlich eine starke und direkte Bürgerbeteiligung. Die betroffenen Anwohner dürfen nicht länger übergangen, sondern müssen bei Projekten wie der Westtrasse von Anfang an mit eingebunden werden.”

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FDP: “Für die Anwohner an der Weststrecke ist die Entwicklung sicherlich misslich. Auch wenn man die Bahnstrecke direkt vor der Tür hat, war über einen langen Zeitraum nicht wirklich mit einer Belebung der Strecke zu rechnen. Eine Lösung kann daher nur in der Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten gefunden werden.”

“Die FDP hat von Anfang an kritisiert, dass die Reaktivierung der Westtrasse ohne Wirtschaftlichkeitsrechnung erfolgen soll. In eine solche Berechnung hätte aus unserer Sicht auch die Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen mit einfließen müssen. Soll die Reaktivierung für den Personenverkehr umgesetzt werden, muss auch ein vernünftiges Lärmschutzkonzept her. Die Kosten hierfür müssen dann in dies Gesamtkostenrechnung einfließen.”

“Da es sich um eine Maßnahme handelt, die letztlich die Verkehrssituation in der gesamten Stadt verändern soll, müsste eine eventuelle Bürgerbeteiligung ebenfalls auf die gesamte Stadt gerichtet sein. Eine kostengünstige Möglichkeit hierfür wäre zum Beispiel eine Einbindung der Thematik in den anstehenden Bürgerhaushalt.”

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Piraten: “Wir begrüßen die Reaktivierung der Westtrasse, um den ÖPNV zu stärken. Lärm entsteht weniger durch Personenzüge, sondern viel mehr durch Güterzüge. Daher muss die Politik die Zunahme von Güterverkehr mit gesundheitsschädlichem Lärm verhindern.”

“Lärmschutzmaßnahmen sind bei Zunahme des Güterverkehrs unbedingt erforderlich. Alternative zu baulichen Maßnahmen sind ‘Flüsterzüge’, die bereits auf der Rheinstrecke im Test und in der Schweiz flächendeckend im Einsatz sind. Dies erspart Menschen überall Lärm. Falls der Güterverkehr zunimmt, so muss die Region Teil des Pilot- und Innovationsprogramm ‘Leiser Güterverkehr’ werden.”

“Für uns ist Bürgerbeteiligung zentral. Wichtig dabei: alle Fakten sowie Vor- und Nachteile auf den Tisch. Bürger, Stadt und Bahn müssen reden, damit Informationen zum Beispiel über Ausbau von Güterverkehr ausgetauscht, Ängste ausgeräumt und Maßnahmen vereinbart werden können. Die Westtrasse muss einen besseren ÖPNV erzielen, ohne Anwohner durch mehr Güterverkehr zu belasten.” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Gesellschaft, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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