Westfassade der Porta Nigra wird saniert

Die rechte Seite des Turmes, der an das Stadtmuseum Simeonstift angrenzt, wird für eineinhalb Jahre ein Gerüst “zieren”. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Die Nordwestfassade des Westturms der Porta Nigra wird von Frühjahr 2017 bis Herbst 2018 saniert. Ziel ist, die Verkehrssicherheit vor allem in dem viel frequentierten Bereich des Haupteingangs unter dem Westturm weiterhin sicher zu stellen. Eingerüstet wird lediglich die Nordwestflanke der Porta zum Simeonstift hin, ohne die stadtauswärts gerichtete Rundung. Das Gerüst wird nach den Osterferien ab 24. April aufgestellt, die Restaurierungsarbeiten beginnen Mitte Mai. Das Land investiert rund 250.000 Euro.

Im Vorgriff auf die geplante Gesamtsanierung des zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden römischen Stadttors werden die Arbeiten an der Westfassade vorgezogen, nachdem sich im Herbst 2016 der Handlungsbedarf für diesen Bereich bestätigt hat. Das teilen der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (Landesbetrieb LBB) und die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) mit. Bereits bei der jährlichen Gesamtinspektion per Hubarbeitsbühne im Frühjahr 2016 wurden an der Westfassade zahlreiche lose Zementmörtelstücke entfernt. Die aktualisierte Schadenskartierung ergab dann, dass die Schäden dort besonders ausgeprägt sind.

Erosion an der Sandsteinoberfläche

Ursprünglich war das Stadttor des römischen Trier aus dem 2. Jahrhundert ohne Verfugungen errichtet worden, die Sandsteinquader waren in den Horizontalschichten mit Eisenklammern aneinander befestigt. Die sich jetzt lösenden Verfugungen stammen aus Renovierungen vergangener Jahrzehnte. Darüber hinaus wurde gegenüber der vier Jahre zuvor durchgeführten Untersuchung eine fortschreitende Erosion an der Sandsteinoberfläche festgestellt.

Bei der Restaurierung werden unter anderem schadhafte Zementfugen ausgebaut und, wo erforderlich, mit Kalkmörtel neu verfugt. Die Steinoberfläche wird mit verschiedenen Methoden gereinigt, unter anderem mit Heißdampf-, Partikelstrahl- und Laserverfahren. Hauptsächlich sollen die schwarzen Krusten auf der Sandsteinoberfläche reduziert werden, jedoch so, dass der optische Eindruck erhalten bleibt, dem die Porta Nigra (Schwarzes Tor) ihren Namen verdankt. Die schwarze Kruste ist übrigens schon im Mittelalter nachgewiesen und nicht nur Folge der neuzeitlichen Luftverschmutzung. Die dadurch entstandene Oberflächenverdichtung ist Ursache für viele Schadenprozesse am Sandstein: Abbrüche, Abplatzungen, Ausbrüche. An diesen Fehl-stellen schreitet die Verwitterung besonders stark fort.

Des Weiteren wird der Bewuchs aus Moosen und Flechten entfernt. Auch werden Natursteinarbeiten durchgeführt. Dabei werden lockere Teile befestigt und schadhafte Steine teilweise gegen passgenau bearbeitete Ersatzsteine, sogenannte Vierungen, ausgetauscht. Ein detaillierter Restaurierungsplan, der mit den Denkmalschutzfachbehörden abgesprochen wurde, liegt vor.

30 Meter hohes Gerüst zwischen Simeonstift und Porta Nigra

Das 30 Meter hohe Gerüst muss auf dem nur vier Meter breiten Streifen zwischen Simeonstift und Porta Nigra aufgebaut werden. Zudem darf es aus Denkmalschutzgründen weder an der Porta- oder Stift-Fassade noch an der zwischen Porta und Simeonstift erhalten gebliebenen historischen Stadtmauer angedübelt werden. Stattdessen sind Verankerungen mit Gegengewichten durch die Fensteröffnungen der Porta geplant. Die Restauratoren gelangen vom städtischen Grünstreifen an der Nordallee auf das Gerüst sowie mittels einer Gerüsttreppe über die Stadtmauer.

Der Durchgang zwischen Simeonstift und Porta-Westturm zum Haupteingang der Porta ist während der Auf- und Abbauphase des Gerüsts nicht möglich; erst wenn die Passage mit einem Schutzdach überbaut ist, kann der gewohnte Weg wieder geöffnet werden.

Zwischenzeitlich wird auf der innerstädtischen Seite vor dem Ostturm mit Apsis ein provisorisches Kassenhäuschen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) aufgestellt und die Besucher werden über den Eingang im Ostturm geführt. ‟Die Porta Nigra ist zu jeder Zeit sicher zugänglich – das ist uns wichtig“, sagt Dr. Christoph Thein, Leiter der Trierer Niederlassung des Landesbetriebs LBB, der im Auftrag des Landes die Sanierung steuert. ‟Die Besucher müssen lediglich für die nächsten eineinhalb Jahre eine optische Einschränkung durch das an der Westseite aufgestellte Gerüst hinnehmen – da kommen wir leider nicht drum herum.“

Die Gesamtsanierung der Porta Nigra ist Bestandteil des ‟Managementplan Bauen“ für die römischen UNESCO-Welterbestätten in Trier. Bis Ende 2017 soll die Bedarfsplanung erfolgen und eine Bauunterlage über die erforderlichen Maßnahmen erstellt werden, die dann von 2020 an in mehreren Phasen umgesetzt werden könnten. Grundlage hierfür bildet eine Bestands- und Schadensaufnahme für 1,2 Millionen Euro, die ab 2012 bis Ende 2015 erarbeitet wurde. (tr)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.