“Wir werden sehen, wie die Wähler mit uns umgehen”

Zusammen mit Kreisverbandchef Max Monzel präsentieren sich die ersten 30 Kandidaten der CDU-Wahlliste den Fotografen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Das Kommunalwahlprogramm und die Bewerberliste für die Stadtratswahl am 26. Mai 2019 standen im Mittelpunkt des CDU-Kreisparteitages am Samstag. Knapp 100 Delegierte waren aufgefordert, ein zukunftsfähiges Programm zu erarbeiten und eine deutlich verjüngte Kandidatenliste zu wählen. Ist das gelungen?

Für den reporter war Rolf Lorig beim Kreisparteitag des CDU Kreisverbands Trier-Stadt

Kreisvorsitzender Maximilian Monzel hat eine klare Vorstellung zur Stärke der CDU-Fraktion im kommenden Stadtrat: “20 plus X.” 20, das ist die Zahl der der Sitze, die die CDU im aktuellen Stadtrat innehat. Eine Zahl, die nach Monzels Meinung durchaus noch steigerungsfähig ist, für die also das X steht. Und damit am Ende auch genügend Kandidaten zur Verfügung stehen, will die CDU mit 58 Bewerbern antreten. Zwei mehr, als der Stadtrat Sitze hat.

Doch Monzel weiß auch, dass das Rennen mit der Quantität alleine nicht zu gewinnen ist. Um vor allem die Jungwähler gewinnen zu können, bedarf es auch junger Kandidaten. Und deshalb führte er in den letzten Wochen viele Einzelgespräche mit altgedienten Kämpen. Manch einer habe sich dabei über seinen Listenplatz gewundert, berichtete er dem Gremium. Doch wer die Zukunft gestalten wolle, komme an jungen Leuten nicht vorbei. Bei der Gestaltung der Liste habe die Parteiführung zudem auf die Frauenquote geachtet und diese gegenüber der Bundes-Empfehlung mit einem Anteil von 40 Prozent sogar übererfüllt.

Nicht alle teilen den Optimismus von Max Monzel

Auch habe man sich die Aufstellung nicht einfach gemacht. Und über die Reihenfolge der Namen könne noch diskutiert werden, so der Vorsitzende: “Die Liste ist ein Vorschlag, kein Dogma.” Eine Diskussion über die Reihenfolge, um diesen Punkt vorwegzunehmen, gab es aber nicht. Lediglich zwei Delegierte, die selbst nicht zur Wahl standen, meldeten sich zu Wort. Bernd Michels, Ortsvorsteher von Kürenz, wunderte sich darüber, dass die Stadtbezirksvorsitzenden bei der Aufstellung nicht berücksichtigt wurden. Verärgert war Michels auch über den Listenplatz 30 für den (noch) parteilosen Kürenzer Kandidaten.

In die gleiche Kerbe hieb der Olewiger Peter Terges. Er konnte nicht verstehen, dass die Olewiger Ortsvorsteherin Petra Block sich erst auf Listenplatz 23 wiederfindet. Schließlich sei sie vom Olewiger Ortsbezirk einstimmig für die Liste zum Trierer Stadtrat nominiert wurden. Ganz offenbar teilen der Kürenzer und der Olewiger den Optimismus von Max Monzel für die kommende Wahl nicht..

An die Adresse von Terges antwortete Monzel, dass Olewig gar nicht so schlecht dastehe. Schließlich würden sich gleich drei Kandidaten aus diesem Stadtteil unter den ersten 30 wiederfinden. Und an Bernd Michels gewandt betonte der Kreisverbandchef, dass er mehrfach erfolglos versucht habe, den Kürenzer Kandidaten, einen Taxiunternehmer, zu erreichen. Und sicher sei es auch von Vorteil, wenn der Kandidat sich am besten gleich, gerne auch formlos, um eine Mitgliedschaft in der CDU bewerbe.

Das war es dann aber auch schon mit dem Protest, weitere Wortmeldungen folgten nicht. Denn keiner der Nominierten wollte sich zu diesem Zeitpunkt hier eine Blöße geben. Zeigt doch die Erfahrung, dass der Wähler beim Panschieren durchaus gerne und mit Genuss sorgfältig aufgebaute Listen mit der Zahl seiner Stimmen durcheinanderzuwirbeln in der Lage ist.

Eine gute Kombination von Nachwuchs und Erfahrung; Jörg Reifenberg, Elisabeth Tressel und Thorsten Wollscheid (von links)

Keine Überraschungen, dafür Flagge zeigen

Doch bevor es um die Kandidatenliste ging, beschäftigte sich der Parteitag erst einmal mit dem Wahlprogramm. Hier ging es um die Themenbereiche Bildung; Digitalisierung; Gesundheit; Innenstadtentwicklung; Kultur; Öffentliche Sicherheit; Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen, Umwelt; Sport; Städtischer Haushalt; Stadtteile und Ortsbeiräte; Stadt der Generationen; Trier in der Region, Großregion und Europa; Verkehr und Wirtschaft.

Die Punkte, die hier zur Sprache kamen, brachten keine Überraschungen. Aber man bezog klar Stellung. Auch bei den Positionen, die in der Öffentlichkeit strittig kommuniziert werden. Wie beispielsweise der Moselaufstieg. Dafür gab es ein klares Bekenntnis, dafür werde man eintreten. Oder aber das Thema Globus: Solange da eine Gefahr für den Einzelhandel in der Innenstadt wahrgenommen werde, gebe es keine Unterstützung seitens der CDU. Und mit Blick auf unternehmerische Aktivitäten steht auch der Ausbau von möglichen Gewerbeflächen auf der Agenda

Auf breiten Zuspruch in der Öffentlichkeit dürfte dagegen das Bekenntnis zum Erhalt aller Ortsteile stoßen. Schwieriger wird es da wohl vor allem bei der jüngeren Klientel, wenn das wichtige Thema Mobilität (“Konsequente Umsetzung des Zehn-Jahres-Konzepts für die größten städtischen Baumaßnahmen im Verkehrsbereich”) zum Aufruf kommt. Doch auch hier zeigt die CDU Flagge: Quartiersgaragen fordert Verkehrsexperte Thomas Albrecht, denn “die Leute sollen ihre Autos behalten, sie sollen sie innerstädtisch nur so wenig wie möglich nutzen.” Dazu auch die Einführung weiterer Sonderverkehrszonen. Und damit die Luft in Trier auch möglichst sauber bleibt, werden mehr Radwege und der Ausbau der E-Mobilität sowie des ÖPNV gefordert – “auch wenn man dafür Geld in die Hand nehmen muss”, so Albrecht.

Nur einige Beispiele von vielen Ideen, die an diesem Morgen vorgetragen wurden. Einen Widerspruch gab es zu keinem Punkt. Mit großer Einmütigkeit wurden alle verabschiedet, was Maximilian Monzel mit sichtlichem Stolz erfüllte.

Hat allen Grund, sich über sein gutes Ergebnis zu freuen: Udo Köhler

Klares Votum für Udo Köhler

Und dann ging es an die Wahlliste. Die führt der 55-jährige Architekt Udo Köhler an. Was keine Überraschung darstellt. Wohl aber sein Wahlergebnis: Mit 88 Ja-, sechs Nein-Stimmen und drei Enthaltungen stellte sich die Partei deutlich hinter den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat. Eine Deutlichkeit, die in dieser Klarheit in der Vergangenheit nicht immer gegeben war.

Als Nummer zwei startet Markus Leineweber. Der 50-Jährige, von Beruf Hausoberer des Trierer Brüderkrankenhauses, ist als Newcomer ein Durchstarter. Mit 82 Ja- und zehn Nein-Stimmen erhielt er ein durchaus zufriedenstellendes erstes Wahlergebnis.

Die erste Frau auf der Liste findet sich auf Platz drei: Birgit Falk. Die 62-jährige Regierungsdirektorin bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat vereinte 88 Ja- und sieben Nein-Stimmen auf sich, bei einer Enthaltung.

Auf Platz vier kommt schließlich die Jugend zum Zug. Mit 87 Ja- und sieben Neinstimmen bei zwei Enthaltungen votierten die Delegierten für den 31-jährigen Thorsten Wollscheid.

Gelungener Mix von neuen und erfahrenen Kräften

Stichwort Jugend. Der Name Philipp Bett findet sich auf der aktuellen Liste nicht. Gegenüber dem reporter sagte der in Trier-Nord beheimatete CDU-Politiker auf Nachfrage, dass er aus privaten Gründen für eine Legislaturperiode aussetzen werde. Bett, der sich als Sprecher für Jugendpolitik in der CDU-Stadtratsfraktion sowie als stellvertretender Vorsitzender des Stadtbezirksverbands Trier-Nord unter anderem sehr um den Erhalt des Exhauses verdient gemacht hat, schloss dabei eine mögliche Rückkehr zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus.

Neu auf der Liste der ersten 30 finden sich Christoph Angele, Sarah Rau, Charlotte Thul und Emilie Poß. Zudem starten Peter Wollscheid und Sebastian Orth auf den Listenplätzen 35 und 42.

Christoph Angele ist 29 Jahre alt und von Beruf selbstständiger Apotheker. Er findet sich auf Listenplatz 8, für ihn votierten 84 Delegierte mit Ja und elf mit Nein. Sarah Rau steht auf Listenplatz 12. Die 32-jährige Lehrerin arbeitet im benachbarten Luxemburg. Sie erhielt 78 Ja- und 14 Nein-Stimmen. Die Angestellte im Öffentlichen Dienst Charlotte Thul ist 28 Jahre alt, ihr Listenplatz ist die Nummer 25. Sie erhielt 60 ja- und 21 Nein-Stimmen.

Alles in allem präsentiert sich die Liste der ersten 30 als ein recht ausgewogener Mix aus jungen und erfahrenen Bewerbern. Alleine zwölf davon sind Frauen, neun der Kandidaten sind zwischen 20 und 37 Jahre jung. Die von einigen älteren Stadträten befürchtete Verdrängung hat nicht oder kaum stattgefunden, erfahrene Politiker wie Elisabeth Tressel (Platz 5), Thomas Albrecht (Platz 7), Heike Franzen (Platz 9), Jürgen Backes (Platz 11), Matthias Melchisedech (Platz 13), Karl Biegel (Platz 14) und Jutta Albrecht (Platz 15) finden sich auf relativ sicheren Positionen wieder.

Wenn es die Wähler nicht anders sehen, werden jedoch Michael Witzel (Platz 34), Horst Freischmidt (Platz 40) und Lydia Hepke (Platz 41) dem kommenden Stadtrat wohl nicht mehr angehören.

Fazit: Die Verjüngung scheint gelungen, wenn auch in einem eher bescheidenen Umfang. Dass sich mehr Frauen in der politischen Arbeit engagieren wollen, das ist positiv zu bewerten. Urgestein Ulrich Dempfle ist sich deshalb sicher, dass die CDU nicht zuletzt auch wegen der Dezernenten Andreas Ludwig und Thomas Schmitt “eine super Basis für den Wahlkampf” hat. Maximilian Monzel blickt nun gespannt in die Zukunft: “Wir werden sehen, wie die Wähler mit uns umgehen werden.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 1 Kommentar

Kommentar zu “Wir werden sehen, wie die Wähler mit uns umgehen”

  1. Teuber

    19 von 56 KandidatInnen sind weiblich und damit stimmt schon gleich die erste Aussage im Artikel nicht, dass die 40% Frauenquote übertroffen wurde. 19 von 56 = 34%. Ob der Rest der Aussagen dann auch so einzuschätzen ist? Allen Gewählten auf jeden Fall viel Erfolg. Aber Gleichstellung sieht anders aus.

     

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