Wo Autoren sich rundum wohlfühlen

Überzeugt in Bitburg mit seiner Multivisionsshow: Sebastian Fitzek. Alle Fotos: Rolf Lorig

Überzeugt in Bitburg mit seiner Multivisionsshow: Sebastian Fitzek. Alle Fotos: Rolf Lorig

BITBURG. Mit einer Multimediashow endete am Samstag das Eifel Literaturfestival in der Bitburger Stadthalle. Vor über 800 Besuchern las Krimiautor Sebastian Fitzek aus seinem vor wenigen Tagen neu erschienenen Roman ‟Das Paket‟. Begleitet wurde er von der Band ‟Buffer Underrun‟, die die einzelnen Leseabschnitte zu einem perfekten Hörbuch generierten.

Von Rolf Lorig

Josef Zierden hätte allen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Was der promovierte Philologe, Germanist und Gymnasiallehrer vermutlich aber weder jetzt noch in Zukunft tun wird. Obwohl ihn sein Einsatz in der Vergangenheit immer wieder mal an seine physischen Grenzen geführt hat. Aber wer die Literatur so liebt wie Zierden, wird seine eigene Situation immer wieder hintenanstellen. Organisationsmäßig musste er in diesem Jahr einige Lesungen gesundheitsbedingt in die Hände von Buchhändlerin Sabine Rehm legen, die ihn immer würdig vertrat. Viele Besucher vermissten aber Zierden, dessen geschliffene Sprache und Wortwitz stets ein mehr als interessantes Gegengewicht zu den Lesungen der jeweiligen Autoren bildet.

Mehr als 12.000 Besucher beim Eifel Literaturfestival

Auf das richtige Licht und die richtige Stimmung kommt es an

Auf das richtige Licht und die richtige Stimmung kommt es an

Bei der Schlussveranstaltung am Samstag aber war er wieder mit an Bord. Da er kein Aufheben um seine Person machen wollte, überließ Zierden auch an diesem Abend Sabine Rehm das Wort. Sie nutzte die Begrüßung zu einer Bilanz des diesjährigen Festivals. Mehr als 12.000 Besucher kamen ihren Worten zufolge zu den einzelnen Lesungen, kamen von Nord und Süd aus Niedersachsen bis Bayern. Mehr als die Hälfte der Lesungen seien ausverkauft gewesen, auch die literarischen Kammerspiele als Gegenpart zu den Großveranstaltungen wären von den Besuchern bestens angenommen worden. Zufrieden zeigte sich Rehm zudem mit dem Ergebnis der Lesungen für Kinder und Jugendliche, die man in diesem Jahr wieder aufgenommen habe. Der Dank der Rednerin galt insbesondere dem Publikum, dessen Interesse an der Literatur einmal mehr für den Erfolg des Festivals gesorgt habe. Dazu zähle auch, dass die Autoren unisono gerne in die Eifel kommen würden, da sie sich beim Eifel Literaturfestival bestens aufgehoben fühlten.

Das bestätigte dann auch gleich Sebastian Fitzek, der sich mit seinen ersten Worten gleich an Festivalleiter Josef Zierden wandte. Mit seinem neuen Roman toure er derzeit durch 22 Städte. Doch nirgendwo sei die Lesung so schnell ausverkauft gewesen wie beim Eifel Literaturfestival. Für Fitzek steht fest, dass dies vor allem das Verdienst von Josef Zierden und seinem Team gewesen ist.

Musik und Spannung

Da muss selbst der Autor lachen: Spannung und romantische Musik vertragen sich gar nicht....

Da muss selbst der Autor lachen: Spannung und romantische Musik vertragen sich gar nicht….

Und dann konnte die Show beginnen. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war die Bühne noch von einem großen schwarzen Vorhang verhüllt gewesen, den es nach einem ‟missglückten‟ Versuch durch den Regisseur zuerst unter der Mitwirkung des Publikums zu öffnen galt. Hinter dem Vorhang befand sich am Ende der Bühne eine große Leinwand, auf die  stimmungsträchtige Bilder projiziert wurden. Davor die wandlungsfähige dreiköpfige Band ‟Buffer Underrun‟, die Fitzek in der Folge musikalisch begleitete. Von der Instrumentierung (zwei Keyboards, Percussions, Trompete und Gitarre) her boten die Musiker alle Möglichkeiten auf, die eine  spannungsreiche Untermalung erfordert. Welch starke Wirkung Musik auf die Spannung hat, verdeutlichte Fitzek mit einer Passage, die er einmal mit der passenden musikalischen, sprich spannungsgeladenen Untermalung vortrug und danach mit romantisch angehauchter Musik. Eine Demonstration, bei der der Autor die Lacher spontan auf seiner Seite hatte.

Glück für Viktoria aus Trier: Sebastian Fitzek hat ihr "Das Paket" mitgebracht.

Glück für Viktoria aus Trier: Sebastian Fitzek hat ihr “Das Paket” mitgebracht.

Überhaupt: Sebastian Fitzek ist weit mehr als ein erfolgreicher Autor. 19 Bestseller in zehn Jahren sind definitiv eine Erfolgsbilanz. Doch hätte er mal eine Schreibblockade, könnte Fitzek ohne Probleme auch als Entertainer oder Showmaster sein Geld verdienen. Der gebürtige Berliner und studierte Jurist verfügt über alle Attribute, die hierfür erforderlich sind: ein sympathisches Äußeres, Eloquenz, die Fähigkeit zur Selbstironie, empfindliche Antennen zur Wahrnehmung der Stimmung im Publikum und vor allem eine angenehme Stimme, auf die man sich gerne einlässt.

Fitzek ist ein Familienmensch. Erinnerungen an seine Eltern teilt er mit seinem Publikum genauso humorvoll wie Erlebnisse mit seiner Frau oder seinen Kindern. Und er verrät, dass er nie lange nach neuen Ideen suchen muss: ‟Die besten Vorlagen liefert mir der Alltag.” Lang anhaltender Applaus am Ende des Abends und lange wartende Menschen, die noch ein Original-Autogramm im neuen Roman mit nach Hause nehmen wollten, bildeten den gelungenen Schlusspunkt eines abermals ebenso Erlebnis- wie erfolgreichen Festivals. Jetzt müssen die Literaturfreunde wieder zwei Jahre warten, bis sich der Vorhang zum nächsten Eifel Literaturfestival erneut öffnet.

Extra

Das Paket

Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet. Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen. Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt… (Quelle: Droemer Verlag)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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