Zehn Jahre arbeitet sie an einem einzigen Buch

Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch ist am 20. April im Haus Beda in Bitburg. Foto: Margarita Kabakova

BITBURG. Der wichtigste Literaturpreis weltweit ist der Nobelpreis für Literatur. Seit 1901 wird er vergeben für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Literatur. Günter Grass, Imre Kertesz und Herta Müller: drei Nobelpreisträger für Literatur waren schon zu Gast beim Eifel-Literatur-Festival. Und in wenigen Wochen, am Freitag, 20. April, kommt Swetlana Alexijewitsch in die Eifel – die Nobelpreisträgerin für Literatur des Jahres 2015. Aus Minsk reist sie an, aus der Hauptstadt Weißrusslands. Zusammen mit der Original-Übersetzerin ihrer deutschsprachigen Buchausgaben, Ganna-Maria Braungardt. Deutscher Sprachgebrauch am Festivalabend ist also problemlos garantiert, bei beiden Gästen.

Im Mittelpunkt des Abends im Festsaal von Haus Beda steht ihr jüngstes Buch: “Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus.“ Rund 10 Jahre arbeitet Alexijewitsch an einem einzigen Buch. Sammelt auf langen Reisen durch das frühere Sowjetimperium zahllose Stimmen und Gespräche und montiert sie kunstvoll-poetisch zu unvergesslich einprägsamen Dokumentarromanen. Eine ganz eigene Gattung hat sie damit begründet, in Deutschland schon früh preisgekrönt: 2013 etwa mit dem renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, alljährlich verliehen zur Frankfurter Buchmesse in Frankfurt.

Mit ihrem jüngsten Buch “Secondhand Zeit” schließt die Autorin den großen Zyklus über die Sowjetzeit und den sowjetischen Menschen ab. In zahllosen Interviews mit Menschen aus allen Generationen und aus allen sozialen Schichten erfasst sie die Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989. Sie veranschaulicht, wie die unterschiedlichsten Menschen diesen tiefen Bruch in ihrer Biografie erlebt haben. In vier Generationen kommen die Sowjetmenschen hier zu Wort: die Stalin-Generation, die Chruschtschow-Generation, die Breschnew-Generation und die Gorbatschow-Generation. Da war das große Blutvergießen von Oktoberrevolution, Bürgerkriegen und Weltkrieg schon vergessen.

Die hier schreibt, versteht sich als “Menschenforscherin“, nicht als Historikerin. Einfühlsam zeichnet sie ein Bild von Menschen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Die an Stalin und dem Sozialismus hängen. Oder die der Freiheit und dem neuen Kapitalismus zugewandt sind. “Historiker interessieren sich nur für Fakten, die Gefühle bleiben draußen. Sie werden von der Geschichtsschreibung nicht erfasst. Ich aber sehe die Welt mit den Augen der Menschenforscherin, (…) ich bestaune den Menschen“. So schreibt die Nobelpreisträgerin im Vorwort des Buches.

Am Freitag, 20. April, ist die “Grande Dame“ der Weltliteratur erstmals in Rheinland-Pfalz. Um 20.00 Uhr (Einlass 19.00 Uhr) stellt sie im Festsaal von Haus Beda in Bitburg ihr Buch vor. Aber Achtung: “Mehr als rund 300 Besuchern fasst der Festsaal nicht”, sagt Festivalleiter Josef Zierden. Und weist darauf hin, dass 70 Prozent der verfügbaren Tickets bereits verkauft sind… (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Eifel Literatur Festival, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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