Ziemlich beste Poller-Freunde

Ziemlich beste Poller-Freunde: Rainer Lehnart von der SPD (links) und Thomas Albrecht von der CDU informierten sich in Koblenz. Foto: Facebook/Rainer Lehnart

TRIER. Sie könnten zumindest etwas Abhilfe beim täglichen Trierer Park-Chaos schaffen, doch noch lassen sie auf sich warten – die von Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) bereits 2015 angekündigten Poller. Sie sollen die Zufahrten zum Domfreihof, zum Kornmarkt, zum Stockplatz und eventuell auch am Viehmarkt abriegeln. Am Montag auf der Pressekonferenz des Stadtvorstandes wand der Christdemokrat sich trotz mehrmaliger Nachfragen um die klare Antwort herum, wann die Poller denn nun installiert werden. Das hat seinen Grund: Ludwig liegt nach reporter-Informationen mit seinem Amtsleiter Wolfgang van Bellen vom Tiefbauamt über Kreuz. Der Dezernent ist für die Poller, van Bellen kategorisch dagegen. Ludwig dementierte den amtsinternen Streit nicht, ließ diesbezügliche Fragen aber ebenfalls unbeantwortet. Für Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) ist klar: “Die Poller kommen – und zwar so rasch wie möglich.” Zur Ratssitzung am 28. September wird die SPD-Fraktion nach Auskunft ihres verkehrspolitischen Sprechers Rainer Lehnart eine Anfrage zur zeitlichen Umsetzung einbringen.

Thomas Albrecht von der CDU und Rainer Lehnart von der SPD sind nicht immer ziemlich beste Freunde. Ende September, wenn die Debatte um die Aral-Tankstelle im der Ostallee (ausführlicher Bericht demnächst beim reporter) in die Verlängerung geht, stehen sie in verschiedenen Lagern. Lehnart ist gegen den Weiterbetrieb der Tankstelle, begrüßt aber den Bürgerentscheid; Albrecht ist einer der Wortführer in der CDU-Fraktion, die darauf drängen, auch ohne Bürgerentscheid Verhandlungen mit der BP Deutschland aufzunehmen, um so den am 31. Dezember auslaufenden Pachtvertrag der Aral-Tankstelle zu verlängern.

In der Poller-Frage hingegen passt kein Blatt Papier zwischen Christ- und Sozialdemokrat. Beide fordern die versenkbaren Zufahrtssperren bereits seit Jahren. In der Liebfrauenstraße, in der Konstantinstraße, am Stockplatz und eventuell auch am Viehmarkt sollen die Poller das ausufernde Wildparken in den Fußgängerzonen und angrenzenden Straßen eindämmen. Dezernent Thomas Schmitt (CDU), zuständig für das Ordnungsamt und damit für die Überwachung des ruhenden Verkehrs, spricht sich ebenfalls für die Poller aus. “Das würde unseren Kontrolleuren die Arbeit erleichtern”, sagte Schmitt am Montag, “weil wir uns dann stärker auf andere Bereiche der Innenstadt konzentrieren können.” Aktuell muss der Verkehrsüberwachungsdienst (VÜD) täglich auf dem Domfreihof, auf dem Stockplatz und Kornmarkt und in angrenzenden Gassen wie der Gangolfstraße kontrollieren. Sind die Zufahrten abgeriegelt, entfielen zumindest die täglichen Kontrollen. Der VÜD hätten dann bei der Kontrollplanung mehr Spielraum.

Unverständnis bei Albrecht und Lehnart

Liegt mit seinem Amtsleiter Wolfgang van Bellen in der Poller-Frage über Kreuz: Baudezernent Andreas Ludwig von der CDU. Foto: Rolf Lorig

“Ich bin mit Thomas Schmitt darin einig, dass zuerst der Domfreihof abgesperrt werden sollte”, sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Und der Stadtchef ließ auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass die finanziellen Mittel im Ludwig-Dezernat bereitstehen. Mit seiner klaren Ansage entkräftete Leibe den Hinweis seinen Baudezernenten. Ludwig hatte zuvor betont, man dürfe nicht vergessen, “dass das einen Haufen Geld kostet”. Auch Sicherheitsaspekte seien zu berücksichtigen. Dabei hatte der Christdemokrat bereits im Dezember 2015 erklärt, die Poller zum Domfreihof hin würden im kommenden Jahr – also 2016 – installiert werden. Passiert ist seither nichts, weil Ludwig offenbar amtsintern bei seinem Tiefbau-Chef Wolfgang van Bellen auf massiven Widerstand stößt. “Es gibt erhebliche Bedenken im Amt”, räumte Ludwig am Montag ein. Zum Kompetenzstreit zwischen ihm und van Bellen wollte der Christdemokrat sich hingegen trotz mehrmaliger Nachfragen nicht äußern.

Bei Albrecht und Lehnart stößt das auf Unverständnis. “Sollte es diesen Kompetenzstreit geben”, sagen Christ- und Sozialdemokrat unisono, “muss der Dezernent sich gegen seinen Amtsleiter durchsetzen.” Schließlich seien die Poller-Barrieren vom Stadtrat beschlossen worden. Auch Leibe reagierte am Montag ungewöhnlich scharf auf die Ausflüchte seine Baudezernenten. “Wie haben einen klaren Konsens im Stadtvorstand: Die Poller sind beschlossen, und sie kommen auch”, betonte der Stadtchef.

Am 2. Juni hatten Ludwig, Albrecht und Lehnart sich gemeinsam mit Mitarbeitern der Verwaltung in Koblenz über die technischen und finanziellen Details informiert. “Natürlich muss jetzt noch geklärt werden”, sagt Lehnart, “wie massiv die Poller gebaut werden sollen.” Etwa dahingehend, ob die Barrieren auch einen terroristischen Anschlag wie auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, als ein Lkw in die Besucher raste, abhalten sollen. Aktuell stellt das Rathaus bei Großveranstaltungen in der Innenstadt wie dem Altstadtfest oder auch dem Weihnachtsmarkt Räumfahrzeuge als Sperren in den Zufahrtsstraßen auf. “Das ist dann sicher auch eine Frage der finanziellen Größenordnung”, so Lehnart.

2007 waren die Kosten für die Poller-Anlage am Domfreihof vom Baudezernat mit 43.000 Euro beziffert worden − einschließlich der jährlichen Wartung und Unterhaltung. Im Doppelhaushalt 2015/2016 waren für die Maßnahmen am Domfreihof und in der Konstantinstraße jeweils 60.000 Euro eingestellt worden. Da die Poller bisher nicht installiert wurden, steht das Geld nach wie vor zur Verfügung.

Alle anderen Details, so auch jene nach der Regelung der Zufahrtsberechtigung, seien jedoch rasch und einfach zu klären und auch zu lösen. Auch darin sind Albrecht und Lehnart sich einig. “Wann die Poller kommen, kann ich allerdings nicht sagen”, so Albrecht, “dazu muss Andreas Ludwig sich äußern.” Das wird der Baudezernent spätestens am 28. September öffentlich tun müssen, wenn die Anfrage der SPD-Fraktion auf seinem Tisch liegt. (et)

Die Artikel-Serie zur Trierer Verkehrssituation wird fortgesetzt.


Drucken
Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik 11 Kommentare

11 Kommentare zu Ziemlich beste Poller-Freunde

  1. Sascha

    Wenn der VÜD wirklich täglich auf den benannten Plätzen in der Fußgängerzone kontrolliert, ist dies in Anbetracht der großen Anzahl dort parkender Autos ein Armutszeugnis und ein Geständnis, nichts zu tun.

     
  2. Hans Maier

    Ein Poller am Domfreihof für so viel Geld? Ich meine einen herabsenkbaren. Die restlichen Meter werden ja anders reglementiert, vermute ich. Das ist interessant. Dafür könnte man eine Halbtagskraft zwei Jahre hin und her ind der Fußgängerzone kontrollieren lassen.
    Wieviele Zufahrten gibt es und wie viele Poller werden es? Wer macht nachts den Notdienst bei Störungen? Die STadtwerke, die Feuerwehr oder eine Firma?
    Ich bin nicht dagegen, weil es die in vielen Städten schon gibt.
    Aber teuer ist es schon, oder?

     
    • Stephan Jäger

      Richtig, Herr Maier, ZWEI Jahre! …und so ein Ding hält Jahrzehnte. Ich meine, die sind schon ziemlich robust. Also ist das doch in jedem Fall die richtige Entscheidung.

      https://www.youtube.com/watch?v=1JoS_RG-87Y

       
      • Hans Maier

        Wir reden hier von einem versenkbaren Poller. Vermutlich kommen noch 10 oder mehr dazu. Sonst ist diese Maßnahme ja wohl wirkungslos. Also vervielfachen sich die Kosten. Meine Intension ist, wenn eine Kraft täglich über einen gewissen Zeitraum da auf Streife ist und täglich gebührenpflichtige Verwarnungen erteilt, dann sollte sich auch bis zum letzten Ignoranten herum gesprochen haben, dass es sich um zu teures Parken handelt, Herr Jäger.

         
        • Sascha

          Dass das keinerlei Wirkung hat, sieht man doch täglich in Trier.
          Die Tickets für Falschparken sind erstens viel zu billig, zweitens schöpfen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht das mögliche Strafmaß aus (Auto in Fußgängerzone = abschleppen) und drittens ist, wie in einem anderen Artikel von einem Ordnungsamtsmitarbeiter zugegeben worden, dass diese zurückgepfiffen werden, wenn sie ihre Arbeit machen.
          Solange sich in der Führungsebene (Stadtrat, Leitung des Ordnungsamtes, Dezernat) nichts ändert, bleibt nur die Verpollerung der Stadt.

           
        • Stephan Jäger

          Och, so das, was Herr Sibelius mitgenommen hat, sollte der Stadt endlich Ruhe und gefahrlose Bewegungsfreiheit in der Fußgängerzone aber schon wert sein. Jedenfalls besser als für fünfstellige Eurobeträge „Lösungen“ zu basteln, die lediglich zu weiterem Stress führen und ansonsten absolut KEINE Wirkung zeigen, wie damals, als „kostengünstige“ Alternative, in der Konstantinstraße passiert. Sachen, an denen man vorbeifahren kann, bewirken in Trier NICHTS!

          …und das ist eben auch der Unterschied zu den „verstärkten Kontrollen“ bzw. dem aufgestockten Personal: Da, wo gerade nicht kontrolliert wird, geht es munter weiter. Wenn die entsprechenden Stellen aber einmal unüberwindlich zu sind, ist das Problem tatsächlich gelöst. Und das auf Dauer. Die üblichen Für-mich-gilt’s-nichts haben dann jedenfalls eher schlechte Karten.

          https://www.youtube.com/watch?v=BWnfeDtnuds

           
  3. Hans -Willi Triesch

    Es gab schon mal schwarz-rote Freunde im
    Stadtrat. Mein Sportkamerad Bernd Michels
    und ich wurden als Kunstrasenfraktion benannt.
    Wir sind nicht mehr im Rat aber noch gemeinsam
    im Stadtsportverband aktiv. Immer noch gute Freunde…also arbeitet dran.
    Auf dem Pollerbild koennte man sich symbolisch doch gegenseitig die Schuhe zubinden? hihi

     
  4. V. Clemens

    Bereits im Juni 2010 ist dieser Vorschlag im Rahmen des Bürgerhaushaushalt gemacht. Mit großer Zustimmung der Bürger.
    Im Sommer 2016 hat das Rathaus mitgeteilt, das für den Domfreihof der Poller auf 2016 vorgezogen werde.
    Die ADD setzt das System bereits seit fast 10 Jahren am roten Turm an.
    Und man fragt sich wer da das sagen hat.

     
  5. Rainer Landele

    was soll, bitte sehr, in dieser sache ein kompetenzstreit sein? es kann doch tatsächlich nur ein streit pro und contra der poller sein, denn die kompetenzen sind doch klar geregelt.

     
    • Kruemel

      Vielleicht ist das Herrn Ludwig nicht bekannt, wer die Kompetenz im Hause hat.

       
  6. V. Clemens

    Die SPD hat ja für die heutige Ratssitzung eine förmliche Anfrage gestellt(Vorlage 417/2017):

    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Leibe,

    die SPD‑Stadtratsfraktion bittet um Beantwortung der folgenden Frage in der öffentlichen Sitzung des Stadtrates am 28. September 2017:

    Was ist mit den Pollern?

    Mit freundlichen Grüßen

    gez.gez.
    Sven Teuber, MdLRainer Lehnart
    FraktionsvorsitzenderSprecher für Mobilität

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.