100 Jahre jung – die Macherin Liesel Hünichen

Thomas Schmitt und Theodor Wolber gratulieren Liesel Hünichen zu ihrem 100. Geburtstag. Die Jubilarin hat zahlreiche Bücher verfasst. Foto: Presseamt

TRIER. Beigeordneter Thomas Schmitt und der Ortsvorsteher von Heiligkreuz, Theodor Wolber, gratulierten Liesel Hünichen Anfang der Woche zu ihrem 100. Geburtstag. Einer Frau, die sich Zeit ihres Lebens für andere einsetzte und aufschrieb, was sie erlebte.

Geboren am 9. Juni 1919 in Münster, verbrachte sie ihre Kindheit in Dülmen im Münsterland, wo sie schließlich auch ihr Abitur machte. An der Düsseldorfer Frauenakademie machte sie ihren Abschluss als Jugend-Wohlfahrtspflegerin. Während der NS-Zeit arbeitete sie in einem Heim für Kinder, sie organisierte Notunterkünfte und Landverschickungen für Mutter und Kind. 1948 kam sie nach Hildesheim. Als Fürsorgerin wurde sie im Katholischen Fürsorgeverein für Frauen, Mädchen und Mütter eingestellt, dem Vorgängerverein des Sozialdienstes katholischer Frauen. Hier begegneten ihr viele Schicksale und vieles von dem, was sie erlebte, schrieb Liesel Hünichen auf. In “Die schwarze Kladde. Sozialarbeit im Trümmerland 1948 bis 1951” etwa zeichnet sie anhand ihrer Notizen ein Bild des frühen Nachkriegsdeutschlands mit Müttern und Kindern, die nicht einmal das Notwendigste besaßen.

Nach der Heirat und der Geburt ihrer beiden Kinder zog Liesel Hünichen nach Schleswig-Holstein. Auch im hohen Norden blieb ihr Engagement bestehen. 1972 gründete sie in Norderstedt den Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes, den Verband Alleinstehender Mütter und die Frauenvereinigung der CDU. 1974 wurde sie als erste Frau der CDU in den Segeberger Kreistag gewählt, gehörte mehr als 20 Jahre lang verschiedenen Ausschüssen und Kuratorien an und war sozialpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Ferner war sie mehrere Jahre Mitglied des Sozialausschusses der Stadt Norderstedt und Schöffin der Jugendstrafkammer in Kiel. Auch über ihr kommunalpolitisches Engagement schrieb Hünichen ein Buch: In “…weil es notwendig war. Erlebte Geschichten aus dem sozialen Engagement im Kreis Segeberg und in der Stadt Norderstedt” aus dem Jahr 2014 beschreibt sie Facetten des deutschen Sozialstaats und stellt das ehrenamtliche Engagement als wichtiges Element einer Demokratie heraus.

2003 wurde Liesel Hünichens Engagement im Sozialwesen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande gewürdigt. Seit drei Jahren lebt die 100-Jährige bei ihrer Tochter in Heiligkreuz. Mit ihr gefeiert haben neben ihren beiden Kindern auch vier Enkel und fünf Urenkel. (tr)


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