100 Jahre Martinskirche – Streiter gegen Unrecht

Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Pfarrer Joachim Waldorf, Pia Bösen und Weihbischof Peters (v.l.n.r.) bei der Feierstunde in der Martinskirche.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Pfarrer Joachim Waldorf, Pia Bösen und Weihbischof Peters (v.l.n.r.) bei der Feierstunde in der Martinskirche.

TRIER. Er kommt an das Stadttor, sieht einen Bettler und teilt seinen Mantel. Diese Szene des Heiligen Martins von Tour ist vielen vertraut. Er sei einer “der bedeutendsten Heiligen Europas”, sagt Weihbischof Jörg Michael Peters über ihn. Dem Heiligen Martin ist die Kirche im Trierer Maarviertel gewidmet. In diesem Jahr wird das Bauwerk 100 Jahre alt. Am 8. November feierte die Pfarrei mit einer Pontifikalvesper, der Weihbischof Peters vorstand, und anschließender Feierstunde mit Oberbürgermeister Wolfram Leibe das Patronatsfest um St. Martin, den 100. Geburtstag der Kirche und des Kirchenchors. Und sie läuteten damit das Martinsjahr ein, bei dem 2016 dem 1.700. Geburtstag des Heiligen gedacht wird.

Tapferkeit, Güte und Mitleid zeichneten den ungarischen Heiligen vor allem aus, erklärte der Weihbischof. Er sei ein Vorbild. Und dies besonders auch in dieser Zeit, in der zahlreiche traumatisierte Menschen Schutz suchten. Martin sei ein “Streiter gegen Unrecht”, sagte auch Oberbürgermeister Leibe. Menschen, wie Martin einer war, brauche es auch heute, etwa beim Thema Flüchtlinge.

Die Kirche St. Martin könne stolz sein auf ihren Patron, sagte Weihbischof Peters. Und ebenfalls die Stadt. Der Heilige aus dem vierten Jahrhundert sei mindestens drei Mal in der Stadt gewesen, belegt in den Jahren 374, 384 und 385.

Viele Gläubige feierten den Geburtstag der Kirche mit.

Viele Gläubige feierten den Geburtstag der Kirche mit.

Ein positives Zeichen und “wunderschönes Ereignis” für die Stadt, erklärte Leibe, sei auch der Bau der Kirche gewesen. Mitten im Ersten Weltkrieg, 1915, wurde die neuromanische Kirche fertig gestellt. Der damalige Bischof Michael Felix Korum weihte die Kirche. Errichtet wurde sie vom Trierer Architekten Peter Marx. Finanziert werden konnte der Bau durch die private Stiftung des Pfarrers Friedrich von Kloschinsky. In der heutigen Pfarrei St. Martin, die zur Pfarreiengemeinschaft St. Paulin gehört, leben rund 3500 Gemeindemitglieder.

“Viele Menschen haben in den letzen 100 Jahren hier gebetet”, erklärt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Pia Bösen. Sie alle hätten viel erlebt und könnten viel berichten. Zahlreiche Lebensereignisse hätten sich hier abgespielt – von der Taufe, über die Hochzeit bis zur Beerdigung. Und es hätten viele Begegnungen stattgefunden. “Und Begegnungen machen Kirche aus”, sagte Bösen. Eine “lebendige Gemeinde” sei St. Martin, erklärte auch der Oberbürgermeister. Denn noch wichtiger als das Gebäude seien die Menschen, die das Gebäude füllen. (tr)


Drucken
Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.