25 Trierer Bäume für ein römisches Handelsschiff

Mithilfe von hochmoderner Computer-Technologie und Datenbrillen sehen die Studierenden das Modell des Schiffes vor sich, obwohl das erst im Form von Daten existiert. Foto: Hochschule Trier

TRIER. Das gibt es auch nicht alle Tage: Am heutigen Donnerstag, 8. Juni, erfolgte auf dem Gelände der Universität Trier die Kiellegung eines seegängigen römischen Handelsschiffes. Das Projekt ist erneut eine Kooperation der beiden Trierer Hochschulen, an der aktuell rund 40 Studierende unter der Anleitung eines erfahrenen Bootsbaumeisters von der Insel Usedom beteiligt sind.

Von Rolf Lorig

Für Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier, ist der geplante Neubau eine gute Möglichkeit, Theorie und Praxis zusammenzuführen. Was dann auch für die Zusammenarbeit mit der Hochschule Trier gilt. Deren Präsident Norbert Kuhn freut sich wie sein Kollege von der anderen Moselseite über das gemeinsame Vorhaben. Vor allem aber auch darüber, dass die Hochschule so die Möglichkeit hat, an einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Vorhaben mitzuwirken: ‟Das ist für eine Hochschule nicht gerade alltäglich.”

3D-Seitenansicht des römischen Handelsschiff-Nachbaus. Foto: Hochschule Trier

Seit Anfang Mai 2017 entsteht auf dem Besucherparkplatz Ost der Universität Trier die Replik eines römischen Handelsschiffes vom Typ ‟Laurons 2“. Es handelt sich dabei um ein Segelschiff, das vermutlich gegen Ende des dritten nachchristlichen Jahrhunderts in einem kleinen Hafen an der südfranzösischen Küste nahe Marseille einem Sturm zum Opfer fiel und unterging. Überraschenderweise ist das Schiff so gut erhalten, dass es als Vorlage für den Nachbau eines neuen Schiffes geeignet ist.

Die 1:1 Rekonstruktion unter der Leitung von Professor Christoph Schäfer begann bereits im Frühjahr 2016 mit der Holzsichtung und den Fällarbeiten durch das Forstamt Quint sowie durch Mitarbeiter der Landesforsten Rheinland-Pfalz. 13 Kiefern für Plankenholz, 10 Eichen für das Spantgerippe sowie 2 Weißtannen für Mast und Rah wurden mit großzügiger Unterstützung durch den Oberbürgermeister der Stadt Trier Wolfram Leibe und dem Trierer Stadtrat zur Verfügung gestellt und im März 2016 von Auszubildenden der Landesforsten Rheinland-Pfalz Trier gefällt. Der Zuschnitt erfolgte durch ein mobiles Sägewerk direkt am Bauplatz. Nach einjähriger Trocknungszeit konnte nun der eigentliche Schiffsbau beginnen. Erste Konstruktionsarbeiten wie die Herstellung der Mallen, dabei handelt es sich um halbkreisförmige Quersegmente, die den Rumpfverlauf nachempfinden und zur formgerechten Beplankung dienen, sowie der Kielzuschnitt und erste Spantelemente wurden bislang vorbereitet.

Der Akademische Rat Michael Hoffmann von der Hochschule rier zeigt ein Modell des Schiffes, das am 3D-Drucker entstanden ist. Foto: Rolf Lorig

Globalisierung keine Erfindung der Neuzeit

Doch wozu dient dieses Projekt? Michael Jäckel scheint diese Frage erwartet zu haben. ‟Wer glaubt, dass die Globalisierung eine Erfindung der Neuzeit ist, sollte sich mal in der Antike informieren. Schon damals haben die Römer weltweit Handel betrieben.” Und Christoph Schäfer nutzt diese Aussage, um auf die damit zusammenhängenden spannenden Fragen überzuleiten, die Wissenschaftler bewegen: ‟Wie weit war damals die Schiffbautechnik entwickelt? Wie groß war der Leistungsumfang der Schiffe? Was wurde über welche Strecken transportiert? Wie stand es um die nautische Leistungsfähigkeit und damit verbunden die Frage, welche Seerouten hat man damals gewählt? Wie hoch war der Anteil des Seehandels, gemessen am gesamten Handelsvolumen und wie profitabel war er?”

Was auffällt, ist das außergewöhnlich gute Miteinander von Universität und Hochschule. Während in früherer Zeit von der Tarforster Höhe her mit einem gewissen nachsichtigen Lächeln in Richtung Schneidershof geblickt wurde, begegnet man sich jetzt endlich auf Augenhöhe. Was sowohl für die Präsidenten, wie aber auch für die Hochschullehrer gilt. Wenn Professor Schäfer nun von den ‟außergewöhnlichen Fähigkeiten der Maschinenbauer der Hochschule Trier‟ spricht, dann ist dieser Respekt unter anderem auch der Ausfluss einer erprobten Zusammenarbeit, die 2013 mit dem Bau des römischen Patrouillenschiffes ‟Lusoria Rhenania‟ ihren Anfang genommen hatte. Woran auch Michael Hoffmann, Akademischer Rat an der Hochschule Trier, gerne zurückdenkt und seinem Kollegen auf der Tarforster Höhe ein nicht nur menschliches sehr gutes Miteinander attestiert.

Etwa eineinhalb Jahre, so eine vorsichtige Schätzung von Professor Schäfer, sind bis zum Stapellauf veranschlagt. Alle Beteiligte wissen, dass konkrete Schätzungen hier nicht möglich sind, da sich der Nachbau des Schiffes ganz dicht am Original bewegen soll. Und das bezieht sich auch auf die Materialien. Zwar sollen viele Teile mit Holznägeln oder Verzapfungen miteinander verbunden werden. Doch werden auch Stahlnägel zum Einsatz kommen. Und die sollen möglichst die gleiche Legierung wie das Original haben.

Mit einem Hammerschlag besiegeln Norbert Kuhn, Michael Hoffmann, Christoph Schäfer und Michael Jäckel die Kiellegung des Römerschiffes. Foto: Rolf Lorig

Erste Fahrten finden auf der Mosel statt

Nach Fertigstellung soll das Schiff zunächst unterstützt vom Wasser-/Schifffahrtsamt Trier erste Testfahrten im Oberwasser der Schleuse Trier unternehmen. Dabei sollen erstmals die Segeldaten eines römischen Handelsseglers ermittelt und ein so genanntes Polardiagramm erstellt werden. Das stellt dar, welche Kurse und wie schnell ein Schiff bei einer bestimmten Windrichtung und -stärke segeln kann. Für Schäfer ist dabei besonders interessant, ‟inwieweit es schräg gegen die Windrichtung segeln und dabei Höhe gegen den Wind gewinnen kann.” Diese Messdaten werden es erlauben, so Schäfer, die bisher schon in Trier erforschten Methoden zur Berechnung der Kapazitäten von antiken Seerouten weiter zu präzisieren.

Michael Hoffmann hat bei diesem Projekt eines fest im Blick: ‟Uns interessieren hier besonders die Möglichkeiten und die Grenzen der virtuellen Realität.” Womit er das 3D-Verfahren meint, das sich nicht nur in der Wissenschaft sondern auch in der Industrie und ‟schon bald auch in heimischen Kinderzimmern‟ rasant verbreitet. Welche Hilfestellung diese Technik bei der Rekonstruktion leistet, formuliert Hoffmann so: ‟Wir können damit nicht nur optisch aufzeigen, wie das Schiff einmal aussehen wird. Wir liefern ganz exakte und detaillierte Baupläne. Damit können wir beispielsweise auch genau bestimmen, wie hoch das Gewicht wird und Strömungsberechnungen am Rumpf durchführen.”

Rund 400.000 Euro sind bislang für den Bau des Schiffes veranschlagt. Drei Viertel des Betrages übernimmt die DFG, für den Rest kommen Sponsoren auf. Wie hoch der Nutzen allein für die mitwirkenden Studierenden ist, verdeutlicht Christoph Schäfer: ‟‟Die Studierenden bekommen dabei einen Bezug zur handwerklichen Praxis sowie durch die so erworbenen Kenntnisse einen tieferen Einblick und entsprechenden Respekt vor den Leistungen der antiken wie der modernen Handwerker.” Eine Aussage, die dem ebenfalls anwesenden Präsidenten der Trierer Handwerkskammer, Rudi Müller, mit Sicherheit gefallen haben wird…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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