Ab in die Tüte

Besser als ihr Ruf und Aussehen? Die Biotüte. Foto: ART

REGION. Bereits seit Januar 2018 gibt es in weiten Teilen des Verbandsgebiets des ART die Biotüte für Nahrungs- und Küchenabfälle. Die steigende Zahl der Containerstandorte in den Gemeinden hat nach Angaben des ART seither entscheidend dazu beigetragen, das System nutzerfreundlicher zu gestalten und die Sammelmengen zu steigern. Um die Qualität des Systems zu beurteilen, wird es seit seiner Einführung durch das unabhängige Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH wissenschaftlich begleitet.

“Die Qualität der Bioabfälle ist ebenso gut, in Teilbereichen sogar besser als die Erfassungsqualität über konventionelle Biotonnen im Holsystem”, versichert Michael Kern, Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts.

In den vergangenen Wochen hat das Institut Stichproben aus den Sammelcontainern analysiert, um die Qualität der darin befindlichen Bioabfälle zu bewerten. Das Ergebnis fällt äußerst positiv aus. Der Fremdstoffanteil – also Material, welches nicht in die Sammelcontainer gehört – lag bei nur 1,8 Prozent. Der größte Anteil an Fremdstoffen entfällt hierbei auf verpackte Lebensmittel, gefolgt von Plastiktüten, Glas und Metallen. Schadstoffhaltige Abfälle wie beispielsweise Batterien oder Elektroaltgeräte wurden in keiner der Proben festgestellt.

“Wir freuen uns sehr über dieses Ergebnis. Die Zahlen bestätigen unsere Annahme, dass das System von den Bürgern gerne in Anspruch genommen und im Sinne der Trennung von Abfällen verantwortungsvoll genutzt wird”, betont ART-Pressesprecherin Kirsten Kielholtz.

Keine Plastiktüten zum Bioabfall

“Im Hinblick auf die aktuelle Diskussion rund um die Belastung unserer Umwelt mit Mikroplastik durch Gewässer und landwirtschaftliche Flächen sowie wegen der scharfen Vorgaben der Düngemittelverordnung hinsichtlich der Fremdstoffanteile in Komposten haben wir uns für die zweifelsfrei unbedenkliche Papiertüte entschieden. Papiertüten reagieren zwar deutlich schneller auf Feuchtigkeit als Maismehltüten, zersetzen sich deshalb aber auch viel schnellee”, sagt Tobias Elsen, Projektleiter für das System der Biotüte.

Die sogenannten Maismehltüten sind zwar resistenter gegen Feuchtigkeit, ihr vollständiger Abbau in der Umwelt dauert aber in der Regel bedeutend länger. Hinzu kommt, dass Tüten aus Bioplastik nur sehr schwer von herkömmlichen Plastiktüten zu unterscheiden sind. Da die Gärreste aus der Bioanlage als Dünger in der Landwirtschaft ausgebracht werden, spielt die Abbaubarkeit eine zentrale Rolle. “Um eine Verunreinigung unserer Bioabfälle zu vermeiden, haben wir uns gegen den weiteren Einsatz der Maismehltüten entschieden”, begründet Elsen die Entscheidung.

Damit folgt der ART einem bundesweiten Trend. Vielerorts werden Biotonnen überhaupt nicht geleert, wenn sich darin Plastiktüten befinden – auch dann nicht, sofern diese als biologisch abbaubar oder kompostierbar gekennzeichnet sind.

Schlüssel liegt in der Belüftung

Um die Feuchtigkeit im Sammelbehälter für Bioabfälle zu verringern, prüft der ART derzeit andere Lösungsansätze. In einer Testphase habe sich gezeigt, dass die Kombination der Papiertüte mit einem perforierten Sammelgefäß gute Ergebnisse erziele. Durch die Belüftungslöchter ist das Entweichen von Feuchtigkeit jederzeit möglich, und es sammelt sich kein Wasser am Boden des Gefäßes. So kann das Durchnässen und Reißen der Papiertüten vermieden werden.

Sollten weitere Tests in den kommenden Wochen positiv verlaufen, könnte der neue perforierte Eimer schon bald für alle Kundinnen und Kunden zur Verfügung stehen. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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