Ab Mittwoch fährt der erste E-Bus in Trier Linie

Teuer, aber auch elegant: der Sileo E-Bus vor der Porta Nigra. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Was lange währt, wird endlich gut: Der E-Bus-Hersteller Sileo, eine türkisch-deutsche Kooperation, hat mit einer mehrmonatigen Verspätung den ersten Elektrobus bei den SWT abgeliefert. Damit neben den Medien sich auch ganz normale Bürger einen Eindruck vom Fahrverhalten des Busses machen konnten, hatte die Stadtverwaltung Trier nach dem Zufallsprinzip mehrere Trierer zu einer Probefahrt eingeladen.

Bei der ersten Fahrt mit dem E-Bus durch Trier war Rolf Lorig für den reporter dabei

Punkt 12.30 Uhr, so die Ansage, sollte die Fahrt des E-Busses in der Ostallee vor dem SWT-Gebäude beginnen. Und, Überraschung: Da standen doch glatt zwei E-Busse bereit. Oberbürgermeister Wolfram Leibe strahlte über das ganze Gesicht: “Das haben die doch toll gemacht, oder?”

Die – damit waren Michael Schröder, bei den SWT verantwortlich für den Bereich Mobilität, und Vorstand Arnd Müller gemeint. Wobei Letzterer schelmisch lächelnd zu den Bussen blickte: “Ist doch wie Weihnachten, oder?” Womit er nicht ganz unrecht hatte, denn in Trierer warten viele auf die erste Fahrt mit den Elektrobussen.

Stichwort Weihnachten: Für Arnd Müller hatte es schon kurz zuvor eine schöne Bescherung gegeben. Denn der Verwaltungsrat hatte seinen Vertrag als Technischer Vorstand um weitere sechs Jahre verlängert. “Und damit bleibt uns Herr Müller erhalten”, kommentierte ein sichtlich zufriedener Oberbürgermeister.

Nur das E auf dem Nummernschild verrät die Antriebsart. Links steht der Sileo, rechts der spanische Irizar.

Ein Testwagen aus Spanien

Doch zurück zum E-Bus. Drei Fahrzeuge dieser Baureihe haben die SWT bei Sileo bestellt, die beiden noch ausstehenden Fahrzeuge sollen im ersten Quartal des kommenden Jahres ausgeliefert werden. Doch woher kommt nun das zweite Fahrzeug? “Den hat man uns ausgeliehen”, klärte Müller auf. Und das war denn wohl dem Engagement von Bereichsleiter Michael Schröder zu verdanken. Der war über die Sileo-Lieferprobleme auch nicht glücklich gewesen, hatte den Markt sondiert. Und war dabei auf den spanischen Hersteller Irizar gestoßen, der sich bei den Nachbarn in Luxemburg bereits einer großen Beliebtheit erfreut.

Sechs Monate lang können die SWT nun dieses Fahrzeug ausgiebig testen. Wobei der Spanier zumindest auf dem Papier in einem Punkt bereits die Nase vorne hat: Gut 300 Kilometer Reichweite seien mit einer Batterieladung realistisch, hat Schröder von den luxemburgischen Kollegen erfahren. Der Sileo spricht hier von bis zu 280 Kilometern. Für Schröder sind das aber Angaben von eher nachgeordnetem Interesse: “Der wahre Wert wird sich im Alltagsbetrieb herausstellen.”

Aber auch beim Platzangebot scheint der “Irizar ie Bus”, so die korrekte Bezeichnung, die Nase einen Tick vorne zu haben. Denn er hat Platz für zwei Rollstuhlfahrer, der Sileo für einen. Beim Rest tun sich die beiden Busse nicht viel: 29 Sitzplätze und 43 Stehplätze haben beide.

Wer jetzt einen völlig lautlosen Bus erwartete, sah sich getäuscht. “Das Fahrgeräusch ähnelt dem einer Straßenbahn”, stellte Müller fest. Und in der Tat gab es da deutliche Parallelen. Noch bemerkenswerter aber viel auf, dass die Geräusche der Lüftung bei weitem lauter waren als die Fahrgeräusche selbst. Lüftung, Heizung und Klimaanlage werden bei den Bussen übrigens ebenfalls elektrisch gespeist. Mit ein Grund, weshalb Bereichsleiter Schröder hier erst Erfahrungen über den Stromverbrauch abwarten und sich erst dann zur Reichweite äußern möchte…

Übersichtliche Informationen: Links der Tacho, in der Mitte alle Infos zum Ladezustand und der Reichweite und rechts die Anzeige, die den Leistungsabruf aufzeigt.

Der E-Bus rollt auf der Linie 5

Doch halten die Batterien ohne Zwischenladung durch? Betriebsleiter Marco Müller, der an diesem Mittag den Sileo steuerte, hatte da keine Bedenken. Der Bus soll in der Hauptsache auf der Linie 5 von Castelforte nach Feyen/Grafschaft eingesetzt werden, da kommt am Tag eine Strecke von zirka 160 Kilometern zusammen. Der Ladevorgang soll dann erst abends, nach dem Ende der Tour, auf dem Betriebshof erfolgen.

Nicht ohne Stolz verwies Verwaltungsratsvorsitzender Wolfram Leibe auch auf die gute Ökobilanz: “Auf dem Dach des Busdepots befinden sich Solarzellen, mit denen erzeugen wir jährlich 500.000 Kilowattstunden grünen Strom.” Für das kommende Jahr sei eine weitere Anlage in der Gottbillstraße geplant. Rein rechnerisch, so der OB, könnten die SWT bereits heute zwölf E-Busse mit sauberer elektrischer Energie “betanken”.

Die Öko-Bilanz ist also gut, aber wie ist es mit der Wirtschaftlichkeit? Ein normaler Dieselbus dieser Größe kostet laut Arndt Müller etwa 250.000 Euro. Für den Sileo aber muss mit 560.000 Euro gut das Doppelte bezahlt werden. Zum Glück aber gibt es Fördertöpfe. Einer davon kommt aus dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und trägt den sperrigen Namen  “Elektromobiler ÖPNV im ländlichen Raum bei topographisch anspruchsvollen Linienverläufen”. Und eben aus diesem Topf haben die SWT 407.000 Euro Fördermittel für die Anschaffung der drei Busse bekommen. “Insgesamt investieren die SWT 1,7 Mio. Euro in dieses Projekt”, sagte Vorstand Müller. Wobei in dem Betrag auch die Anschaffung von zwei E-Pkw enthalten sei, die als Zubringerfahrzeuge für die Busfahrer genutzt werden sollen.

Und wieder nutzte Oberbürgermeister Leibe dankbar das Stichwort E-Pkw: Es sei eine beschlossene Sache, dass die Stadt überall dort, wo es möglich sei, nur noch E-Fahrzeuge kaufen und zum Einsatz bringen werde. Separate Fördermittel dafür gebe es wegen der guten Trierer Luftqualität zwar nicht. Doch darüber wolle niemand wirklich klagen, vielmehr unternehme die Verwaltung alles, um diese gute Qualität auch zu erhalten.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe gibt Informationen über den E-Bus an die Medien und Gäste weiter.

Gelenkbusse noch nicht rein elektrisch

Dass ein Elektrobus auch vor einem starken Anstieg nicht kapitulieren muss, verdeutlichte die Probefahrt, bei der es die Sickingerstraße hochging. Eigentlich müsste an dieser Stelle doch die Anzeige zum Akku-Ladezustand gewaltig in die Knie gehen, wurde vermutet. Doch Betriebsleiter Marco Müller schüttelte den Kopf. Alles sei im grünen Bereich gelegen, der Motor habe den Boost-Bereich noch lange nicht abrufen müssen.

Am Ende der etwa einstündigen Rundfahrt gab es denn folglich auch nur zufriedene Gesichter. Jetzt können die restlichen Busse folgen. Müller ließ denn auch keinen Zweifel daran, dass man Zug um Zug − wo immer möglich − die Flotte der mehr als 80 Busse auf Elektrobetrieb umstellen werde. Auch bei den Gelenkbussen, die derzeit einen Anteil von 45 Prozent aufweisen, sei das vorstellbar. Aber das wird wohl noch ein wenig dauern.

Pierrot Klein, der designierte Trierer Karnevalsprinz, ist von Beruf Busfahrer und kennt sich bestens aus in der Szene. Er weiß, dass es bislang noch keine reine Elektro-Gelenkbusse gibt, dass die bisher erhältlichen Modelle alle noch über einen Hybrid-Antrieb verfügen. Doch Vorstand Arndt Müller ist sich sicher, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch dieser Bus-Typ als reiner E-Bus angeboten wird…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 1 Kommentar

Kommentar zu Ab Mittwoch fährt der erste E-Bus in Trier Linie

  1. Tii

    Wow, innovativ sollte man meinen, nur leider ist er wieder r o t.
    Ist es doch ein Feuerwehrbus ?
    Ich weiß nicht wer den Stadtwerken diese Farbe aufgedrückt hat, zumal der rote Lack teurer ist als der weiße; der weiße Irizar mutet sichtlich ästhetischer an … selbst mit solch drittklassig designter Werbung.

    …. und im Winter ist er nicht zu gebrauchen wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hat.

    Sorry, unsere Stadt ist leider bei allem was sie tut mit angezogener Handbremse unterwegs; egal ob öffentlich oder privat initiiert….
    Traurig.

     

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