Als Frau im Männerberuf: “Gar nicht schlecht!”

Heribert Wilhelmi, Chef der Trierer Agentur für Arbeit, überreicht das Zertifikat an Ausbildungsleiterin Martina Kapps und Prokurist Frank Scheer. Fotos: Rolf Lorig

TRIER/WITTLICH. Alle zwei Jahre zeichnet die Agentur für Arbeit Trier Betriebe aus, die sich um die Ausbildung junger Menschen besonders verdient gemacht haben. In diesem Jahr erhielt das Wittlicher Unternehmen Benninghoven diese Auszeichnung. Begründung: Das Unternehmen lasse sich einiges einfallen, um neue Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu halten. Was Heribert Wilhelmi und Stefanie Adam, die beiden Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Trier. besonders beeindruckte: “Die Firma Benninghoven schafft es immer wieder junge Mädchen für technische Berufe zu begeistern und räumt somit mit traditionellen Rollenklischees in der Berufswelt auf.“

Dass der Begriff MINT nichts mit Pfefferminz zu tun hat, weiß inzwischen jeder. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Abkürzung? Heribert Wilhelmi klärt auf: “Das ist eine Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.” Allesamt Fächer, die in den vergangenen Jahrzehnten vor allem Domänen von Jungen waren. Doch hat sich hier längst ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen. Mehr und mehr bemühen sich Unternehmen um weibliche Bewerber für klassische Männerberufe. Was auch für den Baustoffhersteller Benninghoven gilt. In Wittlich werden die nach eigenen Angaben weltweit führenden Asphaltmischanlagen gebaut, die zum Bau von Straßen, Autobahnen, Rennstrecken oder Flugplätzen benötigt werden. An seinem neuen Standort in Wittlich – das Werk wurde 2018 in Betrieb genommen – beschäftigt das Unternehmen 768 Mitarbeiter, davon 55 Auszubildende. Dennoch ist auch für Benninghoven die Rekrutierung neuer Auszubildender kein Selbstläufer, berichtet Frank Scheer, kaufmännischer Prokurist des Unternehmens. Das Unternehmen lasse sich einiges einfallen und setze ein ganzes Bündel an Aktivitäten ein, um neue Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu halten.

Azubis bauten eine komplette Zuwegung

Und was das genau ist, das erklärt Ausbildungsleiterin Martina Kappes: “Wir nehmen an verschiedenen Ausbildungsmessen teil, kooperieren mit Schulen, veranstalten eine Betriebsrallye und einen Azubi-Day,“ sagt die Ausbilderin. Dem Unternehmen sei es aber auch besonders wichtig, dass die jungen Menschen während der Ausbildung gefördert werden und zusammenwachsen. So gebe es Team-Building-Workshops und gemeinsame Ausflüge oder Besuche bei anderen Werken, Kunden und Lieferanten – “alles wie in einer großen Familie.“ Ein absolutes Highlight seien in jedem Jahr die Azubi-Technology-Days der WIRTGEN Group, der Benninghoven angehört. Dabei trafen sich 2017 die insgesamt 63 Auszubildenden des zweiten Lehrjahres der WIRTGEN Group in Wittlich-Wengerohr und bauten eine 250 Meter lange und vier Meter breite Zuwegung auf dem neuen Werksgelände. “Eine Mammut-Aufgabe bei der die Auszubildenden der verschiedenen Berufe näher zusammenrückten und lernten wie wichtig die verzahnte Zusammenarbeit ist.“ Martina Kappes weiter: “Benninghoven nimmt selbstverständlich auch an der Veranstaltungsreihe ‘Mädchen mit MINTeresse’ teil, bei der weibliche Ausbildungsinteressierte in technisch-naturwissenschaftliche Ausbildungsberufe hineinschnuppern. Und auch beim firmeneigenen Azubi-Day finden spezielle Live-Aktionen statt, die die Begeisterung von Mädchen an MINT-Berufen wecken. Das Engagement zahlt sich aus. Derzeit bildet Benninghoven Mädchen als Elektronikerinnen für Betriebstechnik, Konstruktionsmechanikerinnen und in dem dualen Studiengang Maschinenbau aus. Insgesamt bietet das Unternehmen elf verschiedene Ausbildungsberufe und zwei duale Studiengänge an.”

Stephanie Adam, Geschäftsführerin der Trierer Agentur für Arbeit im Gespräch mit Bianca Kreber und Martina Kappes (von links).

Bianca Kreber: Technische Produktdesignerin im zweiten Ausbildungsjahr

Bianca Kreber ist eine der jungen Frauen, die sich trotz Abitur gegen ein Studium und für eine Ausbildung in einem technischen Beruf entschieden haben. Die 21-Jährige ist Technische Produktdesignerin im zweiten Ausbildungsjahr. Ihre Entscheidung hat sie bislang nicht bereut, eher im Gegenteil: “Wir haben eine tolle Atmosphäre hier, meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß”, sagt sie.

Und wie sieht diese Arbeit aus? Mit computerunterstützten Programmen entwickelt die junge Frau am Bildschirm Maschinenteile, die für den Straßenbau benötigt werden. Eine Arbeit, bei der es auf Genauigkeit und Präzision ankommt. Sie arbeitet in einer Gruppe, die aus acht bis zehn Leuten besteht. Bei knapp 140 Mitarbeitern in der Konstruktion hat jede einzelne Gruppe bestimmte Aufgaben, die gelöst werden wollen. Was der Auszubildenden automatisch auch eine abwechslungsreiche Arbeit beschert. Über ihren weiteren Werdegang hat sie noch nicht entschieden. Im Beruf bleiben will sie schon, theoretisch könnte sie noch den Techniker machen oder aber auch ihre Kenntnisse an der Universität oder Fachhochschule vertiefen.

Würde sie ihren Beruf auch anderen jungen Frauen empfehlen? Bianca Kreber nickt entschieden. “Auf jeden Fall! Man muss sich nur trauen, diesen Schritt zu unternehmen, um die Chancen zu nutzen, die sich in solchen Berufen bieten. Meine Erfahrung ist, dass es gar nicht schlecht ist, nur mit Männern zusammenzuarbeiten.” (-flo-)

 

Woche der Ausbildung

Zusammen mit der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer veranstaltet die Agentur für Arbeit Trier vom 11. bis zum 15. März die Woche der Ausbildung. Diese findet in diesem Jahr unter dem Motto #AUSBILDUNGKLARMACHEN statt und richtet sich mit einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm an jugendliche und erwachsene Ausbildungsinteressierte sowie Eltern. Das gesamte Veranstaltungsprogramm gibt es unter diesem Link. (tr)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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