Als Künstlerinnen noch als “Malwerkweiber“ verspottet wurden

Hinter dieser Tür findet sich "Die bessere Hälfte". Alle Fotos: Rolf Lorig

Hinter dieser Tür findet sich “Die bessere Hälfte”. Alle Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Rechtzeitig zum “Weltfrauentag“ am 8. März stellt das Stadtmuseum Simeonstift mit der Sonderausstellung “Die bessere Hälfte“ aktuell Frauenbilder und Künstlerinnen aus. Anhand von 79 Exponaten wird aufgezeigt, dass die Kunstgeschichte über Jahrhunderte hinweg vorwiegend von Männern geschrieben wurde und dass ihr Blick alleine die Wahrnehmung der Frau bestimmte. Das zeigen Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Plastiken und Installationen aus der Zeit des 17. Jahrhunderts bis zum heutigen Tag. Die meisten der Exponate stammen aus dem Besitz des Museums, einige wenige Leihgaben runden das Bild ab.

Von Rolf Lorig

Kaum ein anderes Medium offenbart die Rolle der Frau in der Gesellschaft derart präzise und analytisch wie die Bildende Kunst. Seit jeher sind Frauen für Künstler eines der beliebtesten Bildmotive. Sie werden dargestellt als Heilige, Hure, Mutter, Göttin, Amazone oder Muse. Welcher Eindruck von der jeweiligen Frau auch vermittelt werden sollte, stets waren es Männer, die die jeweilige Rolle vorgaben. Sowohl als Auftraggeber wie auch als Künstler.

Das "Kleid aus Latex" ist eine Leihgabe der Mode-Designerin Josiane Biwer. Daneben Historikerin Christiane Häslein.

Das “Kleid aus Latex” ist eine Leihgabe der Mode-Designerin Josiane Biwer. Daneben Historikerin Christiane Häslein.

Frauen selbst war der Zugang zur Kunst bis ins 20. Jahrhundert verwehrt. “In Deutschland wurde dem weiblichen Geschlecht der Zugang zu Kunstakademien erst um 1900 erlaubt”, weiß die promovierte Kunsthistorikerin Christiane Häslein. Einige Frauen gingen daraufhin nach Paris, wo ihnen die Möglichkeit einer Kunstausbildung offen stand. “Diese Künstlerinnen wurden dann hier als ‘Malwerkweiber’ verspottet.”

Um den Besuchern die unterschiedlichen Aspekte deutlich zu machen, wurde die Gemälde- und Skulpturenausstellung auf der unteren Etage in fünf Aspekte unterteilt: Bauch, Beine, Po − die Körpermerkmale; Mythos Frau; Mutter ist die Beste; Muse und Modell sowie der Bereich Frauenpower, der sich der Bildung der Frauen widmet. “Bildung erhielten die Trierer Frauen vorwiegend von Geschlechtsgenossinnen, die in Ordensgemeinschaften wie den der Welschnonnen oder Ursulinen lebten”, sagt Christiane Häslein. Der Zugang zu deutschen Universitäten sei den Frauen erst um 1900 möglich gewesen, in der Schweiz schon um 1840, weiß die Historikerin. In Deutschland hätten sich die Universitäten Frauen gegenüber nur sehr zögerlich geöffnet: “Medizin und Geisteswissenschaften hatten weniger Vorbehalte als die Rechtswissenschaften.” Selbst der Physiker Max Planck habe sich deutlich gegen Frauen als Studentinnen ausgesprochen.

Dass die Frauen trotzdem schon immer versuchten, den ihnen von den Männern zugewiesenen Platz mit mehr Wissen und Kompetenzen auszufüllen, zeige das Beispiel von Maria Kunigunde, der Schwester von Clemens Wenzeslaus von Sachsen, dem letzten Trierer Kurfürsten. Man habe sie damals die heimliche Kurfürstin genannt, schmunzelt Häslein und verweist auf ein großformatiges Ölgemälde, das Maria Kunigunde als herrschaftliche Dame zeigt. Ein anderes Beispiel ist für die Historikerin die Frau von Karl Marx, Jenny von Westphalen. “Es ist wahrscheinlich, dass sie mehr getan hat als nur die Werke ihres Mannes zu redigieren und zu schreiben.”

Drei Frauenportraits des Trierer Malers Peter Krisam

Drei Frauenportraits des Trierer Malers Peter Krisam.

Die Exponate aus der oberen Etage spiegeln das Bild der Frau aus der neuern Zeit. Hier reihen sich moderne Malereien an Fotografien und Installationen. Wobei diese Etage fast ausschließlich den Künstlerinnen vorbehalten ist. Bis auf eine Ausnahme: eine Videoinstallation des in Zwickau geborenen und in Trier lebenden Künstlers Bodo Korsig.

Und noch etwas zeichnet diesen Raum aus: An den Wänden erinnern rote Headlines an für Frauen besondere Zeitpunkte. Dass bis 1958 die Frau keine Rechte hatte und der Mann alleine über die gesamte Familie entscheiden durfte. Oder wer erinnert sich noch daran, dass Frauen erst 1962 erlaubt wurde, ohne Zustimmung des Mannes ein eigenes Konto zu eröffnen? Und dass bis 1977 ein Mann seiner Frau verbieten durfte, einer bezahlten Arbeit nachzugehen?

Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von zehn bis 17 Uhr. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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