Angewiesen auf bürgerschaftliche Unterstützung

Architekt Karl Feils erklärt OB Wolfram Leibe, Abt Ignatius und Alt_OB Helmut Schröer (v. l.) die Rekonstruktion eines Kreuzgangbogens. Foto: Presseamt Trier

Architekt Karl Feils erklärt OB Wolfram Leibe, Abt Ignatius und Alt-OB Helmut Schröer (v. l.) die Rekonstruktion eines Kreuzgangbogens. Foto: Presseamt Trier

TRIER. Das Kloster von St. Matthias hat über die Jahrhunderte gute, aber auch schlimme Zeiten erlebt. Die Wunden der Zerstörungen, vor allem des Kreuzgangs, sind bis heute nicht geheilt. Nach dreijährigen Vorplanungen wurde 2012 damit begonnen, dieses “edelste Zeugnis der Frühgotik”, von dem Abt Ignatius ehrfürchtig spricht, wiederherzustellen. Oberbürgermeister Wolfram Leibe informierte sich vor Ort über den Stand der schwierigen Arbeiten. Bei seinem Besuch in der Benediktiner-Abtei befand Leibe: “Es ist eine große und höchst anerkennenswerte Aufgabe bürgerschaftlichen Engagements, dieses Kleinod der abendländischen Kultur für unsere Stadt zu erhalten.”

In St. Matthias wird die Christianisierung Triers greifbar. Die Vorgeschichte des heutigen Klosters geht bis ins 5. Jahrhundert zurück. Die ersten Benediktiner kamen im 9. Jahrhundert hierher. Immer wieder wurden die Mönche aus dem Süden Triers vertrieben. Doch sie kehrten auch immer wieder zurück, zuletzt nach der Auflösung des Klosters durch die Nationalsozialisten. Doch den baulich größten Schaden fügte Napoleon 1802 der Abtei zu, als er den Nordflügel des Kreuzgangs abreißen ließ, um Kirche und Kloster, das 120 Jahre verwaist blieb, voneinander zu trennen. Während dieser Zeit diente St. Matthias nur mehr als Pfarrkirche. Die Reste des Kreuzgangs wurden als Stallungen und die Überbleibsel des Klosters als landwirtschaftliches Anwesen genutzt.

Nach 1945 bauten die zurückgekehrten Benediktiner ihr monastisches Leben in St. Matthias wieder auf. Die Wiederherstellung des arg in Mitleidenschaft gezogenen Kreuzgangs blieb jedoch eine ungelöste Frage. Daran änderte auch eine provisorische Dachkonstruktion für die Nordwand sowie eine Teilrenovierung mit der partiellen zeitgemäßen Ausgestaltung der Kapitelle durch den Trierer Bildhauer Willi Hahn in den 1950er Jahren nichts. Als die Risse in den Mauern größer und die Verschiebung der Deckengewölbe immer offensichtlicher wurden, musste gehandelt werden.

Blick über den Kreuzgarten auf die provisorische Ersatzkonstruktion für die abgerissene Nordwand des Kreuzgangs. Foto: Presseamt Trier

Blick über den Kreuzgarten auf die provisorische Ersatzkonstruktion für die abgerissene Nordwand des Kreuzgangs. Foto: Presseamt Trier

Seither hat sich die St. Matthias-Stiftung, der Abt Ignatius vorsteht, die Restaurierung des Kreuzgangs zum Ziel gesetzt. Mit dem früheren Oberbürgermeister Helmut Schröer als Vorsitzender des Kuratoriums hat die Stiftung einen engagierten Mitstreiter, um die erforderlichen finanziellen Mittel einzutreiben. Schröer spricht von einer “hochrangigen Aufgabe zur Rettung eines Herzstücks der Trierer Geschichte”.

Architekt Karl Feils rechnet mit einer Bauzeit von rund zehn Jahren. Trockenlegungsarbeiten und die aufwendige Wiederherstellung der Statik sind fast abgeschlossen. “Die Restaurierung könnte ab kommendem Jahr laufen.”

Vier bis fünf Millionen Euro werden insgesamt benötigt. Trierer Institutionen, allen voran die Sparkasse, aber auch die Trier-Gesellschaft oder die Stadtwerke helfen mit. Der Bund, das Land und das Bistum sind dabei, um das Denkmal von nationaler Bedeutung wieder auferstehen zu lassen. Letztlich aber, da sind sich Leibe und sein Vorvorgänger Schröer einig, bleibt das Gelingen der großen Aufgabe auf die bürgerschaftliche Unterstützung angewiesen.

Ansprechpartner für weitere Informationen und Spenden: St. Matthias-Stiftung, Matthiasstraße 85, 54290 Trier, Telefon: 0651/1709-0, Internet st-matthias-stiftung.de. (tr/la)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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