Anreize und Bewusstsein schaffen

Professorin Antje Bruns (rechts) moderiert die Redebeiträge von Andreas Ludwig, Achim Hill, Judith Utz und Günther Heinemann (von links). Fotos: Rolf Lorig

TRIER. “Ist das Klima noch zu retten?” fragte sich die Lokale Agenda 21 und rief zu einer Zukunftskonferenz  mit dem Titel “Weltklimakonferenz und Klimaschutz in Trier” auf. Dabei wollte man über aktuelle Entwicklungen informieren, neue Denkanstöße bieten und interessante Informationen zu diesem Themenkomplex liefern. Rund 100 Interessenten, in der Hauptsache Studierende, folgten im Laufe des Abends dieser Einladung und kamen am Freitag in den Großen Rathaussaal.

Um ein gut dreistündiges Programm füllen zu können, hatte Geschäftsführerin Sophie Lungershausen gemeinsam mit dem Lenkungsausschuss gleich zwei Professoren von der Universität Trier sowie eine wissenschaftliche Mitarbeiterin vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin gewinnen können. Den lokalen Part übernahmen Bau- und Umweltdezernent Andreas Ludwig sowie Achim Hill, Geschäftsführer der Energieagentur Region Trier.

Das Spannungsfeld, in dem sich das Thema bewegt, veranschaulichte Oberbürgermeister Wolfram Leibe in seinem Grußwort. Man wisse im Rathaus genau um die Bedeutung, müsse sich aber auch die Frage stellen: ‟Was ist machbar?” Um zu einem maximalen Ergebnis zu kommen, bedürfe es des Engagements und des Wissens aller. Hier komme die alte Sportweisheit zum Tragen, wonach jeder Marathon mit kleinen Schritten beginne. Und an die Teilnehmer gerichtet: ‟Wir haben eine Strategie und gehen diese Schritte konsequent.”

“Die Gestaltung der Zukunft ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die alle betrifft.”

Eine Aussage, die Antje Bruns, Professorin für nachhaltige räumliche Entwicklung und Governance an der Universität Trier und Mitglied des Lenkungsausschusses der Lokalen Agenda 21 Trier, positiv aufnahm. Für sie ist die Gestaltung der Zukunft eine Gemeinschaftsaufgabe, die alle betrifft. Das sah auch Günther Heinemann so. Als Professor verantwortet er das Fach Umwelt-Meteorologie an der Uni Trier. Seiner Meinung nach wird sich die Klima-Erwärmung auch nach 2100 fortsetzen. Die Weigerung der AfD, wonach nicht wissenschaftlich nachgewiesen sei, dass der Mensch die Erwärmung verursacht habe, betrachtete Heinemann als eine Beleidigung der Wissenschaft. Für ihn steht fest, dass sich das ganze Klimasystem ändern wird. Die im Klimagipfel vereinbarte Zwei-Grad-Grenze könne nur eingehalten werden, wenn die CO2-Emissionen drastisch reduziert würden. Seinen Vortrag schloss er mit einem Wort des früheren Präsidenten Barack Obama. Der hatte gesagt, dass diese Generation die letzte sei, die etwas gegen den Klimawandel tun könne.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe freut sich über das große Inrteresse an der Zukunftskonferenz.

Da Klimaschutz auch immer mit Geld verbunden ist, war das der ideale Übergang für Judith Utz vom Deutschen Institut für Urbanistik. Sie verwies  auf die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums, die Kommunen in ihrem Bemühen zur Einhaltung der Klimaschutzziele fördert. Eine Unterstützung, die dem Bau- und Umweltdezernenten nicht unbekannt ist. In seinem Überblick machte er deutlich, dass parallel zu den großen internationalen Umweltgipfeln auch in Trier sich permanent Initiativen gebildet und an den Zielen mitgearbeitet haben. Als Beispiel benannte er unter anderem den 1994 gegründeten Solarverein, der rasch ein Netzwerk mit 500 Mitgliedern hatte, und die in den Jahren 2006 bis 2009 ins Leben gerufene Energieagentur Region Trier.

Für Ludwig liegt in der Öffentlichkeitsarbeit ein ganz wichtiger Schlüssel: ‟Wir müssen beispielsweise für die Senkung des Individualverkehrs Anreize und Bewusstsein schaffen‟, sagte er, was ihm aber prompt eine Wortmeldung aus dem Publikum bescherte. Das sei vom Gedankengang völlig richtig, doch könne man eine Senkung beim Verkehr nur durch einen attraktiven, sprich kostenlosen ÖPNV erreichen. Dem hielt der Dezernent entgegen, dass dies wegen des hohen Verschuldungsgrades der Stadt nicht möglich sei. Allerdings räumte er ein, dass man über attraktive Angebote für Dauernutzer des ÖPNV nachdenken müsse.

Ein Grundproblem ist für Ludwig, dass es so viele Initiativen gibt, die alle das gleiche wollen, “doch keiner weiß genau vom anderen, was da wirklich geschieht”. Für ihn würde die Einberufung eines Runden Tisches sinnvoll sein. Und da wollte der Dezernent denn auch gleich Fakten schaffen: “Am 17. Januar 2018 um 17 Uhr hätte ich Zeit.”

Als letzter Redner untermauerte Geschäftsführer Achim Hill von der Energieagentur Region Trier die Ausführungen des Dezernenten mit konkreten Beispielen; er verschwieg dabei aber auch nicht, dass es zuweilen auch Bedenken in der Bevölkerung gegen einzelne Maßnahmen wie Bau und Betrieb von Windrädern gebe. Zudem räumte er auf Nachfrage ein, dass die Beratungsnachfrage zurückgegangen sei. Eine mögliche Ursache könne in den schon hohen Vorgaben und den damit verbundenen Kosten liegen. Hier waren sich alle Teilnehmer einig, dass besonders in der Kostenfrage eine noch intensivere Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden sollte. Den Nutzen brachte Judith Utz auf den Punkt: ‟Schon kleine Maßnahmen können eine hohe Rentabilität haben.” (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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