Antworten zu Karl Marx gesucht

Der Container und seine geistigen Väter und Mütter: Katharina Bihler, Stefan Scheib, Reiner Auts, Rudolf Hahn, Angelika Birk und Rudolf Fries (von links). Foto: Rolf Lorig

TRIER. Premiere im Palais Walderdorff: Der erste von vier Karl-Marx-Containern wurde rechtzeitig zum 199. Geburtstag des Trierer Philosophen und Journalisten fertig. In den kommenden drei bis vier Wochen ist er im Foyer der städtischen Bücherei im Probeeinsatz. Läuft alles wie gewünscht, werden ab dem kommenden Juni drei weitere Container in Betrieb genommen. Und zwar in den Städten der Quattropole (Luxemburg, Metz, Saarbrücken und Trier), teilte Rudolf Hahn von der ‟Karl Marx 2018 – Ausstellungsgesellschaft mbH“ (KAMAG) mit.

Die Idee zu diesem Projekt hatte Rudolf Hahn, den im Radio eine ähnliche Aktion des saarländischen Performance-Ensembles Liquid Penguin begeistert hatte. Zusammen mit seinem Kollegen Rainer Auts stellte Hahn den Marx-Container am Freitag im Foyer der städtischen Bücherei in Anwesenheit von Bürgermeisterin Angelika Birk und Rudolf Fries, dem Leiter des Bildungs- und Medienzentrums, vor. Wobei der Begriff Container vielleicht ein wenig hoch gegriffen ist. Vielmehr handelt es sich um eine begehbare Box, einer Telefonzelle oder aber auch einem Beichtstuhl, wie einer der Honoratioren lächelnd anmerkte, nicht unähnlich.

Im Grunde ist es ein Tonstudio im Kleinformat. Wer es betritt, findet einen Zettel mit drei Fragen zu Karl Marx vor: ‟Was schätzen Sie an unserer Gesellschaft? Was fehlt Ihnen? Warum?“, ‟Was bedeutet Bezahlung für Sie? “ und ‟Was verbinden Sie mit dem Namen Karl Marx?“ Drei Fragen, die im Laufe der Einsatzdauer durch andere ausgetauscht werden sollen. Die Antworten und Gedanken der Trierer Bürger werden auf Band aufgenommen. Selbstverständlich sei Anonymität möglich, betonte Rudolf Hahn. Wer aber gerne seinen Namen mit den Äußerungen verbinden wolle, könne dies gerne tun. Verpflichtend sei das aber nicht. Zudem werde auch nur der Ton aufgenommen, ‟in der Kabine befindet sich keine Videokamera.”

Im nächsten Schritt betritt dann das Saarbrücker Performance-Ensemble Liquid Penguin das Parkett. Stefan Scheib und Katharina Bihler fertigen aus den Antworten verschiedene Hörerlebnisse, die ab Mai 2018 als Hörstücke und Miniaturhörspiele präsentiert werden. Der Saarländische Rundfunk habe bereits Interesse an der Ausstrahlung bekundet, berichtete Katharina Bihler und verwies darauf, dass es auch Gespräche mit dem SWR gebe. Doch wollen sich die beiden Macher nicht nur auf den Rundfunk fokussieren. Demzufolge werden die Clips auch über das Internet und transportable Hörstationen vor Ort erlebbar sein.

Rainer Auts ist bereits heute auf die Aussagen der Bürger gespannt. ‟Natürlich müssen wir wegen der jüngeren deutschen Geschichte aus Luxemburg und Frankreich mit ganz anderen Aussagen rechnen‟, betonte er. Übersetzungen sollen diese für alle frei von sprachlichen Hürden verständlich machen und transportieren. Und noch etwas liegt Auts am Herzen: Man freue sich, wenn es Schulen oder Jugendzentren gäbe, die an dem Projekt mitwirken wollen. Gerne werde man den Container dann vor Ort aufbauen. Zwei Voraussetzungen müssen in dem Zusammenhang aber beachtet werden: ‟Die Box muss wettergeschützt stehen können und ein Stromanschluss muss sich in der Nähe befinden.” Entsprechende Anmeldungen nimmt die KAMAG ab sofort entgegen.

Ab Juni ist der Container im Stadtmuseum Simeonstift im Einsatz, weitere Stationen folgen. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Die Reporter-Meldungen, Featured Hinterlasse einen Kommentar

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