Auf den Spuren der Architektur des 20. Jahrhunderts

Die Gästeführerinnen Anke Reichelt, Justine Duda, Bettina Hein und Jeannette Scholzen zeigen am Weltgästeführertag, welchen Einfluss der Bauhausstil auf die Architektur in Trier im 20. Jahrhundert hatte. Foto: VGT/Alexander Schumitz

TRIER/SAARBURG. Die Trierer Stadtführer laden zu kostenlosen Schnuppertouren am Weltgästeführertag (23./24.Februar) ein. Thema in diesem Jahr ist der Einfluss des Bauhaus-Stils auf die Baukultur in Deutschlands ältester Stadt.

Zum Weltgästeführertag 2019 am Samstag, 23. Februar, besuchen acht Gästeführer aus Trier acht Orte, um beispielhaft Architekturideen aus dem 20. Jahrhundert in Deutschlands ältester Stadt vorzustellen. Das vom Bundesverband der Gästeführer in Deutschland (BVGD) vorgegebene Thema lautet “BAUeinHAUS”. Es erinnert an die Gründung der Staatlichen Kunstschule Bauhaus in Dessau vor 100 Jahren, die bis heute mit ihren Ideen die Architektur weltweit beeinflusst.

Jeannette Scholzen zeigt am Beispiel des Moselstadions und sozialer Wohnungsbauprojekte in dessen unmittelbarer Nähe aus den 1930er Jahren, welchen Einfluss die Idee des Neuen Bauens auf die Architektur in Trier hatte. Die Architekten setzten dabei auf geometrische Formen und verfolgten dabei das Ziel, dass die Menschen in einem gesunden Umfeld lebten.

Justine Duda und Kathrin Baumeister gehen in ihren Touren zur Steipe am Hauptmarkt beziehungsweise im Bereich rund um die Basilika der Frage nach, welche Kriterien bei der Neugestaltung dieser Plätze nach dem Zweiten Weltkrieg eine Rolle spielten. Anhand der Pfarrkirche Sankt Gangolf stellt Alexander Schumitz den Glaskünstler Charles Crodel und dessen Bildsprache vor. Sein Stil war stark durch den Bauhausstil geprägt. Er entwarf Mitte der 1960er Jahre fünf Kirchenfenster für die Kirche.

Alfons Leitl war in den 1950er Jahren Baurat in Trier. Neben der neuen Synagoge an der Südallee plante er auch die Stadtbibliothek in der Weberbach. Dort widmet Anke Reichelt sich einem der wichtigsten deutschen Protagonisten des Neuen Bauens. Nur wenige Meter weiter steht das Stadtbad direkt an den römischen Kaiserthermen. Es ist ein klassisches Bauhaus-Gebäude in Trier aus den 1920er Jahren. Für diesen Bau griffen die Trierer Architekten Brand und Mertes die Ideen von Hygiene und Wellness der Antike auf. Ihr Bad folgt dem Grundsatz “form follows function” (aus dem Englischen übersetzt etwa: Die Form eines Gebäudes folgt aus seiner Verwendung). Dieses Konzept beschreibt Walter Schneider in seiner Führung am Stadtbad.

Hans-Dieter Biesdorf führt durch den Stadtteil Heiligkreuz und erklärt, wie dieser sich in den vergangenen mehr als 100 Jahren verändert hat. Mal war er Ausweichquartier für die Fischer des Viertels Sankt Barbara, mal neue Heimat für die aus Schlesien und Ostpreußen Vertriebenen, mal angesagtes Wohnquartier. Der Weltgästeführertag in Trier endet mit einer Schnuppertour von Carmen Müller durch die Kirche Sankt Michael im Stadtteil Mariahof. Entworfen wurde der pyramidenförmige Sakralbau von dem Dillinger Architekten Konny Schmitz Ende der 1960er Jahre. Seine Fenster wurden von dem bekannten Trierer Glaskünstler Jakob Schwarzkopf angefertigt.

Zwei weitere Touren anlässlich des Weltgästeführertags bieten Alexander Schumitz und Christiane Beyer am Sonntag, 24. Februar, in Saarburg an (siehe Extra).

Organisiert wird der Weltgästeführertag in der Region jedes Jahr vom Verein der Trierer Gästeführer (VGT) seit 2006. Jeannette Scholzen, die für den VGT die Touren in diesem Jahr koordiniert, sagt: “Mit den Kurzführungen wollen wir der Öffentlichkeit zeigen, dass professionelle Gästeführer sich immer wieder auf neue Themen einlassen. Zugleich werben wir mit diesem Gratisangebot für unsere Leistungen.”

Die Führungen am Weltgästeführertag sind kostenlos. Um Spenden wird gebeten. Der Verein stellt sie regelmäßig Institutionen aus der Region für den Erhalt des kulturellen Erbes zur Verfügung. Der Erlös aus 2018 wurde für die Sanierung des Kreuzgangs im Kloster Sankt Matthias verwendet.

Extra

Touren am Samstag, 23. Februar, in Trier: “Das Runde, das Flache und das Eckige − Das Moselstadion und die Häuser in der Kloschinskystraße”, 10 Uhr, am Eingang zum Moselstadion (Jeannette Scholzen); “Historische Stadtlandschaft oder Kulissenarchitektur? Postmoderner Historismus am Beispiel der Steipe”, 11 Uhr, am Marktkreuz auf dem Hauptmarkt (Justine Duda); “Das Bauhaus bringt Licht ins Haus Gottes − Die Fenster von Charles Crodel in Sankt Gangolf”, 11.30 Uhr, am Portal zu Sankt Gangolf am Hauptmarkt (Alexander Schumitz); “Aus den Trümmern … und wohin? Der Wiederaufbau im Areal Basilika/Kurfürstliches Palais”, 12 Uhr, am Brunnen vor der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion am Willy-Brandt-Platz (Kathrin Baumeister); “Die Stadtbibliothek Weberbach und der Architekt Alfons Leitl”, 14 Uhr, am Eingang zu Stadtbibliothek in der Weberbach (Anke Reichelt); “Das Trierer Stadtbad – was ist daran Bauhaus?”, 14.30 Uhr, am Eingang zum Bad in der Südallee (Walter Schneider); “Heiligkreuz: Vom dörflichen Vorort zur neuen Heimat”, 15.30 Uhr, am Brunnen neben der Kapelle Heiligkreuz (Hans-Dieter Biesdorf); “Bau ein Haus – die Kirche Sankt Michael im Stadtteil Mariahof”, 16.30 Uhr, auf dem Vorplatz von Sankt Michael in Mariahof (Carmen Müller).

Touren am Sonntag, 24. Februar, in Saarburg: “Ein neues Rathaus für die Stadt Saarburg”, 11 Uhr, am Fruchtmarkt in Saarburg (Alexander Schumitz); “Ein Haus für Adlige, Landräte und Bürgermeister – das Haus Warsberg”, 12 Uhr, am Haupteingang des Verwaltungsgebäudes in der Schlossbergstraße (Christiane Beyer).

Ansprechpartnerin für den Weltgästeführertag beim Verein der Gästeführer in Trier und der Region: Jeannette Scholzen, E-Mail: jeannette.scholzen@yahoo.com, Telefon: 0172/5958252.

Webseite des Vereins vgt-trier.de. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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