“Augen zu und durch” – Aufbruchstimmung in Ehrang

Die neue Trasse der B 422 verläuft durch das ehemalige Mühlengelände mit den zwei alten Seifer-Mühlen. Foto: Gabi Böhm

Die neue Trasse der B 422 verläuft durch das ehemalige Mühlengelände mit den zwei alten Seifer-Mühlen. Foto: Gabi Böhm

TRIER. Der Stadtteil Ehrang-Quint erlebt nach jahrelangem Stillstand jetzt einen unvergleichlichen Bauboom. Dazu zählen die neue Umgehungsstraße B 422 von Kordel nach Ehrang, das Brand- und Katastrophenschutzzentrum sowie Straßen- und Brückensanierungen. Sie alle sind zwar mit Baustellen, Umwegen und gesperrten Straßen verbunden. Dennoch geht ein Ruck durch Ehrang. “Augen zu und durch!”, lautet die Devise des Ortsvorstehers. “Es muss ja gemacht werden!”

Von Gabi Böhm

Thiébaut Puel (SPD) hat Glück. Nicht nur, weil der 69-Jährige seit einem Jahr Ortsvorsteher von Ehrang-Quint und froh ist, sich für “seinen” Stadtteil zu engagieren. Der Nachfolger des langjährigen Ortsvorstehers Günther Merzkirch (CDU) erlebt als Kommunalpolitiker, wie derzeit eine Baumaßnahme nach der anderem in Ehrang in Gang kommt. Und das, nachdem die politischen Vorbereiter manchmal schon vor Jahrzehnten die ersten Weichen stellten. “Ich bin vor 22 Jahren nach Ehrang gezogen”, sagt der gebürtige Franzose. Bereits damals sei die Umgehungsstraße schon ein Thema gewesen. Die neue B 422 soll den Ortskern vom Berufsverkehr entlasten und – so ist jedenfalls die Planung – im Oktober 2016 fertig sein. Jahrzehntelang zogen sich die Verhandlungen mit Grundstückseigentümern hin. Kaum eine Ortsbeiratssitzung kam ohne den Tagesordnungspunkt “B 422 neu” aus. Auch politische Schwergewichte wie der ehemalige Ministerpräsident Kurt Beck besichtigten die geplante Baumaßnahme. Danach vergingen allerdings mehr als zehn Jahre, bis tatsächlich erste Vorbereitungen für die Ortsumfahrung erfolgten.

Die Friedhofstraße ist derzeit halbseitig gesperrt. Foto: Gabi Böhm

Die Friedhofstraße ist derzeit halbseitig gesperrt. Foto: Gabi Böhm

Die derzeitige Aufbruchstimmung mit Abrissarbeiten, die Verlegung des alten Mühlengrabens und der Trassenneubau geben Ehrang schon jetzt ein völlig neues Bild. Wo früher auf dem ehemaligen Mühlengelände an der Kyll das Land brach lag, soll neben der neuen Straße ein modernes Einkaufszentrum entstehen. Vermutlich eine Wasgau-Filiale wird ganz in der Nähe der Kyll “Magnet” in Ehrang werden. Mit dem Bau des Vollsortimenters will man im Juli beginnen, um zeitgleich mit der geplanten Fertigstellung der neuen B 422 das Geschäft in 2016 zu eröffnen, sagt Puel. “Das wird die Attraktivität und die Lebensqualität in Ehrang-Quint erheblich verbessern!”, hofft er auf Synergieeffekte mit den vorhandenen Einzelhändlern. Eine Lärmschutzwand zwischen Kyllbrücke und in Richtung Kordel soll mit Glaselementen gestaltet werden. Auf ihnen sollen historische Ansichten des alten Ehrang abgebildet sein. Bis das alles Realität wird, müssen Verkehrsteilnehmer allerhand Unbequemlichkeiten hinnehmen. Für den Bau der B 422 muss ab Ende April für mindestens drei Monate die Friedhofstraße voll gesperrt werden. Bewohner der Heide werden über einen Forstweg nach Quint umgeleitet.

Behelfsbrücke und Deichsanierung

Wenn die B 422 und der Supermarkt tatsächlich im Herbst 2016 fertig gebaut sein sollten, hätten die Ehranger gleich noch einen weiteren Grund zur Freude. Denn etwa zu diesem Zeitpunkt sollte noch eine weitere Großbaustelle geschlossen sein: Die Brücke über die Kyll ist marode und muss durch eine neue Brücke ersetzt werden. Baubeginn: September 2015. Bauzeit: ein Jahr. Eine einspurige Behelfsbrücke soll den Verkehr stadteinwärts in Richtung Ehranger Straße und Biewer ermöglichen. Verkehrsteilnehmer, die aus Trier nach Ehrang kommen, werden über Quint umgeleitet. Ein weiteres Ungemach beginnt noch in 2015 und wird voraussichtlich bis ins Frühjahr 2016 dauern: Die Vollsperrung der Servaisstraße. Hier soll ein Deich saniert und die Straße erweitert werden, um für das neue Brand- und Katastrophenschutzzentrum die Zufahrt zu ermöglichen. Das 12,5-Millionen-Euro-Projekt soll ebenfalls in 2016 fertig sein.

Vor allem auf dem alten Mühlengelände wird aktuell schwer gearbeitet. Foto: Gabi Böhm

Vor allem auf dem alten Mühlengelände wird aktuell schwer gearbeitet. Foto: Gabi Böhm

Gerade offiziell übergeben und schon bezogen ist die neue Kita St. Peter für 110 Kinder. Sie gehört mit dem Quartiersmanagement gleich daneben, dem Bürgerhaus, dem Jugendtreff und der gerade sanierten ehemaligen Bürgermeisterei (jetzt Tagespflege für Senioren unter der Trägerschaft des Club Aktiv) zur sogenannten “Neuen Mitte” von Ehrang. Am 9. Mai, dem bundesweiten ersten Tag zur Städtebauförderung, wird die neue Mitte unter anderem mit Führungen und einer Kinder-Fotoausstellung vorgestellt. Allerdings steht die verbindende Straße Zur Stadtmauer auch auf dem aktuellen städtischen Sanierungsplan: Vollsperrung ab Mitte 2015. Gleichzeitig werden die Nebengassen der Niederstraße in Teilabschnitten saniert. “Von 2015 bis 2020 fließt mehr Geld nach Ehrang als in den letzten 20 Jahren”, freut sich Puel. Denn noch weitere Durchgangsstraßen wie die Gartenstraße, Oberstraße oder Quinter Straße stehen auf dem städtischen Sanierungsplan.

“Mehr Wohnraum für Familien”

Nicht nur den Verkehrsteilnehmern, auch den Geschäftsleuten in Ehrang wird einiges an Geduld in den nächsten Jahren abverlangt. Man müsse daher das Gewerbe unterstützen in Ehrang, sagt Puel, und Ehranger sollten ihre Einkäufe im Ort tätigen. Dennoch führt der Bauboom schon jetzt zu Investitionen: Die örtliche Tankstelle etwa baut um und hat eine neue Waschstraße in Betrieb genommen. Der ehemalige Offizier Puel ist sich sicher, dass der Doppelstadtteil Ehrang-Quint seinen Bürgern nach den vielen Baumaßnahmen viel mehr Wohn- und Lebensqualität verspricht. Ob die geplanten Arbeiten tatsächlich nach dem jetzigen Planungsstand angefangen oder ob sie vielleicht wie das Langzeitprojekt B 422 neu immer wieder verschoben werden? “Ich gehe davon aus, dass es funktioniert”, sagt er optimistisch.

Ortsvorsteher Thiébaut Puel (SPD) wünscht sich noch mehr Wohnraum für Familien im Stadtteil. Foto: Gabi Böhm

Ortsvorsteher Thiébaut Puel (SPD) wünscht sich noch mehr Wohnraum für Familien im Stadtteil. Foto: Gabi Böhm

Überhaupt sieht er Ehrang-Quint auf einem guten Weg. Die Polizeiinspektion Schweich habe ihm bestätigt, dass es sehr ruhig im Stadtteil geworden sei. Vor Jahren hatte es gelegentlich Ärger mit Pöbeleien oder Vandalismus gegeben. Auch die Schließungspläne für die Quinter und Ehranger Grundschulen seien offenbar vom Tisch. In der Tat entstehen in Quint gerade etliche Neubauten, die für mehr Neubürger und Familien mit Kindern im Stadtteil sorgen werden. Folgerichtig feiert die Schule im Juni ein großes Jubiläumsfest zum 50. Geburtstag. In Ehrang müsse noch mehr Wohnraum für Familien geschaffen werden. Daher hat der Ortsbeirat beantragt, die ehemalige Schule in der Ehranger Straße für Generationen unterschiedlichen Alters herzurichten.

“Augen zu und durch!”, wiederholt Puel seine Durchhaltedevise mit Blick auf die vielen Baustellen. “Es muss ja gemacht werden!” Der Bauboom bedeutet langfristig Glück und Zukunftsperspektive für Ehrang und Quint. Nicht nur für den Mann aus Epinal in den Vogesen. (gb)


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Erstellt am Autor Gabi Böhm in Featured, Politik 1 Kommentar

Kommentar zu “Augen zu und durch” – Aufbruchstimmung in Ehrang

  1. Ehrang

    Gab es nochmal Neuigkeiten über den geplanten Supermarkt?

     

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