Ausschuss unterstützt Theater-Kurs

Kulturdezernent Thomas Egger (SPD).

Kulturdezernent Thomas Egger (SPD).

TRIER. Geschlagene sechs Stunden tagte der Kulturausschuss unter Einbeziehung der finanzpolitischen Fraktionssprecher am heutigen Samstag im Nebenraum des Restaurants “Postillion”. In einer kurz nach Sitzungsende verschickten Pressemitteilung ließ Dezernent Thomas Egger (SPD) über das städtische Presseamt mitteilen, dass “der eingeschlagene Weg des Theaters von allen Teilnehmenden nachdrücklich unterstützt” worden sei. Zum Eklat um das geplante Theaterstück “Die Rote Wand” sagte Egger nach den Beratungen vom heutigen Samstag in einer ersten Reaktion gegenüber dem reporter: “Ich erwarte, dass dies demnächst personalrechtliche Konsequenzen haben wird.” Die wird dann Schauspieldirektor Ulf Frötzschner, der einen Fünf-Jahres-Vertrag besitzt, tragen müssen. Dass Frötzschner entlassen wird, wollte Egger allerdings nicht bestätigen. Theater-Intendant Karl Sibelius hatte seinem Schauspieldirektor für den Eklat um das inzwischen abgesagte Stück öffentlich die alleinige Verantwortung zugeschoben. “Die Rote Wand” sollte die gesellschaftlichen und medialen Auswirkungen um den Fall der vermissten Trierer Studentin Tanja Gräff aufgreifen, deren Mutter mit der Inszenierung jedoch nicht einverstanden gewesen sein soll.

Sitzungsteilnehmer sprachen am späten Nachmittag gegenüber dem reporter von einer angespannten Stimmung zu Beginn der Beratungen. In der Mitteilung des Rathauses ist jedoch von einer “konstruktiven Atmosphäre” die Rede. In dieser seien “auf Basis einer kritischen Analyse der Kulturverwaltung die Haushalte des Kulturbüros, des Stadtmuseums und des Theaters diskutiert” worden. Beraten worden sei ferner über die Auswirkungen der von Oberbürgermeister Wolfram Leibe vorgelegten Etateckwerte auf den Kulturhaushalt. Verständigt habe man sich darauf, heißt es in der Mitteilung weiter, “in den nächsten Wochen folgende Punkte der Stadtratsvorlage zum Eckwertebeschluss näher zu prüfen”:

♦ Optimierung von Strukturen
♦ Einnahmeverbesserungen
♦ Sondereffekte
♦ Gespräche mit der Kommunalaufsicht zum freiwilligen Leistungsbereich

Die von Intendant Sibelius, der an der Sitzung teilnahm, vorgelegten Vorschläge zur Weiterentwicklung des Theaters sollen nun zum Thema eines kommenden Workshops gemacht werden. Die Personalentscheidungen des Intendanten, über die der reporter berichtet hatte, wurden laut Egger vom Ausschuss gebilligt. Ferner bekräftige Egger seine Ankündigung, Sibelius nur noch in Ausnahmefälle Auftritte als Sänger und Schauspieler zu gestatten. Der Österreicher wollte in der kommenden Spielzeit unter anderem in der Operette “Zum weißen Rösl” auftreten. “Das sehe ich anders”, sagte Egger. Am kommenden Montag will der Kulturdezernent sich auf der nächsten Pressekonferenz des Stadtvorstandes den Fragen der Journalisten stellen.

AfD fordert Sibelius-Rücktritt

Die Trierer AfD hatte gestern den sofortigen Rücktritt des Theater-Intendanten gefordert. “Was hier an Verfehlungen des künstlerisch, kaufmännisch und personell gesamtverantwortlichen Theaterchefs zutage tritt, geht weit über das bisher schon Bekannte hinaus und macht ihn in dieser Funktion nicht länger tragbar. Erst vor wenigen Wochen haben wir in der Rathauszeitung darauf hingewiesen, dass die Zahl der Theaterbesucher seit Sibelius’ Amtsantritt um etwa 20 Prozent zurückgegangen ist und die Bauchlandung bei NeroHero nicht zuletzt auch dem dürftigen künstlerischen Konzept zu verdanken war. Aber gegenüber den jetzt erhobenen Vorwürfen sind das alles peanuts. Ein Theaterleiter, der sich innerhalb kurzer Zeit mit zahlreichen führenden Mitarbeitern anlegt, der sich nicht an fest vereinbarte Abmachungen hält und die Schuld für eigenes Versagen anderen in die Schuhe zu schieben versucht, beweist mangelnde Führungsqualitäten. Hinzu kommen weitere Fehlleistungen wie etwa die Probleme mit den Urheberrechten bei dem Stück ‘Rent’ oder der Eklat um die peinliche Absage der Tanja-Gräff-Inszenierung ‘Die rote Wand’. Wenn Sibelius mehr verdient als der Oberbürgermeister und dazu noch weitere Honorare für Auftritte kassiert, dann kann man von ihm mit Fug und Recht herausragende Arbeit erwarten. Genau das Gegenteil scheint jedoch der Fall zu sein”, hatte AfD-Chef Michael Frisch kritisiert.

Hinzu komme, so Frisch weiter, dass Sibelius dem Theater offenbar Millionendefizite beschere. Bereits an seiner früheren Wirkungsstätte Eggenfelden sei er für ein hohes Minus verantwortlich gewesen, weshalb es dort über seinen Weggang wohl keine allzu große Trauer gegeben habe. Wenn für das laufende Geschäftsjahr eine sechsstellige Finanzierungslücke drohe und damit vielleicht sogar die Teilnahme der Stadt am Kommunalen Entschuldungsfonds in Gefahr gerate, dann sei es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen. Damit komme auch Kulturdezernent Egger ins Spiel. Egger müsse sich ernsthaft fragen lassen, warum er die fatale Entwicklung des Theaters sehenden Auges hingenommen habe: “Die Antworten des Dezernenten auf die Anfragen des trier-reporters sind unbefriedigend. Es ist seine Aufgabe, das Theater zu kontrollieren und bei drohenden Fehlentwicklungen umgehend einzugreifen. Das ist offensichtlich nicht passiert. Stattdessen versucht er, Sibelius’ Versagen auch noch zu verteidigen, und wird dem Ernst der Lage damit in keiner Weise gerecht. Dabei trägt er die politische Verantwortung für alles, was im Theater passiert.“

Im Übrigen sei es ein Affront gegenüber der AfD und mindestens einer weiteren Fraktion des Rates, dass Egger die umfangreiche reporter-Anfrage zum Trierer Theater lediglich an fünf Stadtratsfraktionen verschickt habe. Auch zur Sondersitzung des Kulturausschusses am 21. Mai sei die AfD-Fraktion nicht eingeladen worden. “Dass wir in diesem Ausschuss normalerweise nicht vertreten sind, ist keine Entschuldigung dafür”, betont Frisch. “Angesichts der Dramatik der Ereignisse sollte der ganze Rat von der Verwaltung informiert werden, um sich ein Urteil bilden zu können. Dieses Verhalten von Herrn Egger steht in krassem Widerspruch zu der vom Oberbürgermeister geforderten Transparenz. Auf jeden Fall ist eine solche Taktik nicht geeignet, Vertrauen zu erzeugen.” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Die Reporter-Meldungen, Dossier Theater, Featured 1 Kommentar

Kommentar zu Ausschuss unterstützt Theater-Kurs

  1. Hans Bogenzisch

    Ich denke, dass dies ein schwerer Fehler des Kulturausschusses ist. Durch ihre Unterstützung von Sibelius setzen sie die Zukunft des gesamten Theaters auf’s spiel.
    Ich bin ein großer Gegner der AFD und ich finde es inakzeptabel und dumm Kultur gegen soziale Einrichtungen auszuspielen. Kultur ist kein Luxus sondern ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und brauch viel Freiheit.

    Doch einen Intendanten, der sich anscheinend bewusst nicht an Abmachungen hält und seine Mitarbeiter die deswegen mit ihm in Konflikt kommen einfach entlässt im Amt zu halten, ist grob fahrlässig. Wer weiß, was für Zahlungen die Stadt und das Theater noch zahlen muss, weil Herr Sibelius keine Kritik duldet oder es sich mit Mitarbeitern verscherzt.
    Das ist die große Verschwendung von Geld, das knapp ist und auf das das Theater nicht verzichten kann.

    Es stellt sich auch die Frage, warum ein Projekt, das als Nachwuchspreis/förderung angekündigt wurde, so teuer ist, dass man von dem gleichen Geld 5 Produktionen mit gestandenen Theatermachern produzieren könnte.

     

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