Autos sind schon lange keine Transportmittel mehr

Jessica Becker informiert sich über den E-Truck der Firma Orten.

Jessica Becker informiert sich über den E-Truck der Firma Orten. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. ‟Elektromobilität – Sauberer Antrieb für nachhaltige Mobilität‟, unter dieses Motto hatte die IHK Trier gemeinsam mit der HWK Trier, der Energieagentur Rheinland-Pfalz, der Stadt Trier und den Stadtwerken Trier erneut zu einem Workshop in das IHK-Tagungszentrum eingeladen. Ein Thema, das ankommt: Mehr als 80 Interessenten hatten ihre Teilnahme zugesagt.

Das Ziel der Bundesregierung ist ehrgeizig: Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Dass diese Zahl noch erreicht werden kann, daran glaubt kaum noch jemand. Allein, Bundeskanzlerin Angela Merkel hält am ambitionierten Ziel fest. Doch mit Glauben alleine ist es nicht getan. Deshalb fördert die Bundesregierung mit knapp zwei Milliarden Euro die Forschung, wie Deutschland trotz knapper fossiler Brennstoffe mobil bleiben kann. Zudem gibt es seit dem 2. Juli eine Kaufprämie für E-Autos und Hybrid-Fahrzeuge. Dafür wurde ein Förderprogramm mit 1,2 Mrd. Euro aufgelegt, die Kosten teilen sich zu 50 Prozent Bundesregierung und Hersteller. Bezuschusst werden Elektroautos (4000 Euro) und Hybrid-Fahrzeuge (3000 Euro). Wobei es eine Liste der geförderten Fahrzeuge gibt und diese in der Basisversion nicht mehr als 60.000 Euro kosten dürfen. Die Prämie kann offiziell beantragt werden beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), hier liegen bislang knapp 1000 Förderanträge vor. Zudem plant die Bundesregierung die Einführung der blauen Plakette. Das heißt konkret: Dieselfahrzeugen, die nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen, droht bei Einführung dieser Plakette ein Fahrverbot in den Innenstädten.

Jessica Becker hatte für OB Wolfram Leibe ein Starterset mitgebracht. Auch Jan Glockauer und Axel Bettendorf treten für alternative Anrtriebe ein. Foto: Rolf Lorig

Jessica Becker hatte für OB Wolfram Leibe ein Starterset mitgebracht. Auch Jan Glockauer und Axel Bettendorf treten für alternative Anrtriebe ein. Foto: Rolf Lorig

Jessica Becker von der Nationalen Organisation für Wasserstoff- und Brennstofftechnologie (NOB) sieht in den Bemühungen der Bundesregierung eine große Chance für die Kommunen. Weniger Lärm und weniger Abgase führen ihren Worten zufolge dank alternativen Antriebstechnologien zur Verbesserung des Klimas in den Städten. Deshalb komme den Kommunen auch eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Infrastruktur zu. Was alles dazu gehört, das beinhaltet ein Starterset, das die NOB-Mitarbeiterin für Oberbürgermeister Wolfram Leibe mitgebracht hatte.

Der machte gute Miene zur schlechten Vorbereitung: ‟Für Trier braucht man eigentlich kein Starter- sondern ein Profi-Set – wir sind da schon ziemlich weit‟, sagte er und fügte mit einem Augenzwinkern an, dass man sich aber nicht gegen weitere Förderbescheide wehren würde. Wobei der OB damit auf eine Förderzusage in Höhe von 400.000 Euro aus Berlin anspielte, mit der die Anschaffung von drei Elektrobussen im Gesamtwert von 1,7 Mio. Euro bezuschusst werden soll.

Konzentriert verfolgen die Zuhörer die Ausführungen der Referenten

Konzentriert verfolgen die Zuhörer die Ausführungen der Referenten

Überlegungen ganz anderer Art stellte Professor Hartmut Zoppke von der Hochschule Trier an. Schon seit Jahren beschäftigt man sich auf dem Schneidershof in der Fachrichtung Maschinenbau mit alternativen Fahrzeug- und Antriebskonzepten. Er warf die Frage auf, ob künftige Fahrzeuge noch das gleiche Maß an Luxus und Technik haben müssen. Bei kritischer Betrachtungsweise stelle sich doch heraus, dass mehr Energie für den Transport der Fahrzeuge eingesetzt werden müsse als für den Transport der Passagiere alleine erforderlich wäre. Eine auf den Punkt gebrachte Fragestellung, die in der Folge auch zu nachdenklichen Gesichtern führte. Das Auto habe schon lange aufgehört Transportmittel zu sein, vielmehr ginge es den Menschen heute darum, mit möglichst geringem Aufwand die Straße zu beherrschen. Zoppke ließ keinen Zweifel daran, dass die Mobilität ein Umdenken erfordert. Künftige Automobile müssten wieder leichter werden. Wie das funktionieren könnte, verdeutlichte er am Beispiel des ‟proTRon Revolution‟, der schon in wenigen Wochen zu seinen ersten Testfahrten starten soll. Das Fahrzeug soll eine Reichweite von 100 Kilometern haben, in der Spitze 100 km/h schnell sein und dank einer konsequenten Leichtbauweise lediglich ein Gesamtgewicht von 550 kg besitzen. Ziel sei, das Fahrzeug zur Serienreife zu führen, wobei der Kaufpreis 15.000 Euro nicht übersteigen sollte.

Fahrzeuge einer ganz anderen Größenordnung stelle im Anschluss der Bernkasteler Unternehmer Robert Orten vor. Seit 2012 ist Orten im Bereich Elektromobilität für den innerstädtischen Transport tätig. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Umrüstung von neuen und gebrauchten Diesel-Nutzfahrzeugen auf Elektroantrieb inklusive individueller Aufbaulösung. Dabei reicht die Spanne vom drei- bis zum 18-Tonner. Dass dieses Prinzip im Nahverkehr funktioniert, dafür führte Orten die amerikanische Firma ups an, die seit fünf Jahren knapp 100 elektrisch betriebene Lastkraftwagen im täglichen Einsatz hat. Orten ist überzeugt, dass diese Technik Zukunft hat. Er konnte auf einen Beschluss verweisen, wonach Dieselfahrzeuge die französische Hauptstadt Paris ab 2025 nicht mehr befahren dürfen. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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