Barock rockt Arena – Gebrauchter Abend für Trier

Auch tiefer hängende Körbe hätten der TBB gegen Ludwigsburg an diesem gebrauchten Abend wohl nicht geholfen.

Auch tiefer hängende Körbe hätten der TBB gegen Ludwigsburg an diesem gebrauchten Abend wohl nicht geholfen. Alle Fotos: Thewalt

TRIER. Basketball-Bundesligist TBB Trier hat am Samstagabend sein Heimspiel gegen die MHP Riesen Ludwigsburg deutlich mit 60:75 (28:36) Punkten verloren. Damit riss die Heimserie der Trierer, die zuvor vier Spiele in der Arena gewinnen konnten. 4.873 Zuschauer sahen eine einseitige Begegnung, der vor allem Top-Scorer David John Kennedy seinen Stempel aufdrückte. Ihn bekam die TBB nie in den Griff. Den Barockstädtern gelang durch diesen Erfolg der Anschluss an die Play-Off-Plätze. Trier schwebt nach diesem gebrauchten Abend mit zwölf Punkten auf Platz 15 weiter in akuter Abstiegsgefahr.

Ein ungleiches Duell mit interessanten Vorzeichen stand der Arena Trier bevor: Ludwigsburg lockte mit großen Namen und Nachverpflichtungen, hat derzeit in David John Kennedy und Kerron Johnson die beiden Topscorer der Liga und in Jon Brockman seinen Top-Rebounder an Bord. Trier hatte vor der Partie eine Serie aus vier Heimsiegen vorzuweisen, die hauptsächlich im Kollektiv errungen wurden. Am Ende siegten die großen Namen: Vor allem Kennedy überzeugte mit 22 Punkten, sieben Rebounds und sechs Assists auf ganzer Linie.

Ziemlich ratlos: Trier fand am Samstagabend kein Mittel gegen starke Schwabe.

Ziemlich ratlos: Trier fand am Samstagabend kein Mittel gegen starke Schwaben.

Dabei hatte das grüne Kollektiv den besseren Start – auch dank eines Einzelnen: Adin Vrabac markierte die ersten drei Punkte für Trier, spielte in den ersten Minuten fast alleine gegen sein Gegenüber Kennedy. Der wiederum fand für Ludwigsburg als Erster in die Spur und hielt die Schwaben auf Tuchfühlung. Am Ende des ersten Viertels, beim Stand von 13:11, dann der erste Bruch im Trierer Spiel: Nach einer Ludwigsburger Auszeit treffen die Gäste drei Dreier in Folge, einmal durch Kerron Johnson, zweimal durch Shawn Huff, der beim zweiten Mal auch noch gefoult wird. Binnen Sekunden steht es 13:21. Ludwigsburg hatte mit einem 0:10-Lauf zur ersten Viertelpause die Trierer Zone ausgehebelt.

Im zweiten Viertel ergibt sich eine ähnliche Dynamik: Trier startet gut mit Punkten von Ricky Harris und Marko Lukovic, das reicht bis zum 17:21 – dann schlägt Ludwigsburg wieder per Dreier zu: John Little trifft zwei hintereinander zum 17:27. Dabei suchen die Gäste zwischendurch immer wieder ihre Linie, leisten sich unnötige Ballverluste. Center Jon Brockman ist früh foulbelastet. Trier zeigt zwar schöne Aktionen, wie den Alley Oop von Adin Vrabac nach Assist von Jermaine Anderson zum 23:32, nimmt insgesamt die Einladungen aber nicht konsequent genug an. Der ansonsten stark aufspielende Vrabac lässt vier Punkte in Folge an der Freiwurflinie liegen. Mathis Mönninghoff drückt kurz vor der Pause den Trierer Rückstand per Dreier nochmals auf 28:36. Es war der erste erfolgreiche Dreipunktwurf für Trier – die Schwaben hatten bis zur Halbzeit sieben von 14 getroffen und Trier zudem die zweiten Chancen durch gutes Ausboxen weggenommen.

Freude und Jubel währten nur kurz bei Henrik Rödl.

Freude und Jubel währten nur kurz bei Henrik Rödl.

Noch war also alles drin, aber wieder kann Trier der Partie nicht die entscheidende Wendung verpassen – auch nicht durch den Dreier mit Ablauf der 24 Sekunden von Jermaine Bucknor (33:37). Die Antworten der Barockstädter kamen wieder aus der Distanz, und wieder ist es Shawn Huff, der die Ludwigsburger Führung beim 35:47 zweistellig macht. Ein Dreipunktspiel von Johnson bedeutet sogar eine zwischenzeitliche 35:53-Führung für die Gäste. Trier kann seinerseits mit zwei Dreiern nochmals verkürzen (41:56), letztlich bleibt es vor dem letzten Abschnitt aber bei einem 44:60.

Im Schlussviertel kam noch einmal Hoffnung unter den 4.873 Zuschauern auf: Tony Canty trifft den Buzzer zum 51:66. Anschließend foult Adam Waleskowski Jermaine Bucknor hart, bekommt dafür ein Unsportliches Foul und will auf dem Weg zur Bank die Entscheidung nicht wahrhaben. Das Technische Foul kommt gleich hinterher, doch Trier lässt wieder Freiwürfe liegen. Mathis Mönninghoff kann den Rückstand noch ein letztes Mal unter die Zehn-Punkte-Grenze-bringen (58:67), in den letzten dreieinhalb Minuten wäre das Spiel noch zu kippen gewesen. Doch Ludwigsburg bleibt so stabil wie in den dreißig Minuten davor und fährt die Partie souverän nach Hause. Am Ende steht ein verdienter 60:75-Auswärtssieg für die Schwaben. (tr/et)

STIMMEN

Henrik Rödl (Trier): “Glückwunsch an John und sein Team. Das war eine sehr gute Vorstellung von Ludwigsburg. Wir waren nur am Anfang kurz in der Lage, ein ebenbürtiger Gegner zu sein. Unserer Mannschaft hat heute komplett die Energie gefehlt, die wir in den letzten Spielen gehabt haben. Natürlich haben die letzten Wochen viel Kraft gekostet, natürlich sind einige Spieler angeschlagen. Aber in solch einer Situation muss man sich durchkämpfen, und das ist uns heute nicht gelungen. Dann wurden wir nervös, haben die Würfe nicht getroffen. Selbst als wir näher herankamen, hat Ludwigsburg wirklich gut darauf reagiert. Mit DJ Kennedy hat John einen der spannendsten Spieler der Liga zu sich geholt, einen, der den Unterschied machen kann. Wir haben versucht, ihn zu stören, aber er ist einer der heißesten Eins-gegen-Eins-Spieler der Liga derzeit. Das ist uns also nicht gelungen, wie vieles andere auch nicht.”

John Patrick (Ludwigsburg): “Ich bin sehr stolz und froh, dass wir hier gegen eine heimstarke Trierer Mannschaft gewinnen konnten. Es war nicht einfach, unser Start war nicht gut – kein Punkt in drei Minuten. Dann waren wir ein bisschen zu ungeduldig in der ersten Halbzeit, mit neun Ballverlusten. In der zweiten Hälfte hatten wir nur drei Ballverluste. Wir wussten, dass Jermaine Anderson und Jermaine Bucknor von draußen sehr gefährlich sind, also haben wir sie relativ gut verteidigt. Aber es war insgesamt ein schwieriges Spiel gegen eine Mannschaft, die gegen Hagen, Oldenburg, Bayern und Bayreuth gewonnen hat. Daher bin ich sehr froh, dass wir hier heute gewinnen konnten.”

STATISTIK

TBB Trier: Harris (8), Canty (7), Dahlem (n.e.), Lukovic (4), Schmidt (0), Mönninghoff (8), Chikoko (11), Vrabac (15), Leonhardt (n.e.), Bucknor (4), Kramer (0), Anderson (3).

MHP Riesen Ludwigsburg: Karron Johnson (8), Shawn Huff (15), John Little (12), Adam Waskowski (5), Patrick Flomo (3), David John Kennedy (22), Michael Stockton (6), Jon Brockman (4)

Zuschauer: 4.873


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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