Bauen, modernisieren, erneuern – die ÖKO 2019 hilft

Kammerpräsident Rudi Müller freut sich über das große Interesse an der ÖKO 2019. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Seit Freitag, 14 Uhr, hat die “ÖKO 2019” ihre Tore geöffnet. Die größte Trierer Verbrauchermesse, ausgerichtet von der Handwerkskammer (HwK) Trier, erfreut sich einer ständig wachsenden Beliebtheit bei den Menschen in der Großregion. “Wir hatten bereits in den ersten Stunden des Nachmittags schon so viele Besucher wie nie zuvor”, sagte ein Aussteller begeistert dem reporter. Die ÖKO 2019 informiert noch bis einschließlich Sonntag die Besucher über die modernsten technischen Möglichkeiten rund um das energiesparende Bauen und Modernisieren.

Von Rolf Lorig

Manchmal kommt es anders, als man denkt. Im vorliegenden Fall ereilte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfgen das Schicksal. Die grüne Ministerin wollte nicht mit dem Auto zur Sitzung des Bundesrates nach Berlin fahren, hatte sich stattdessen für die umweltfreundliche Bahn entschieden. Und genau die spielte der Ministerin einen Streich. Statt ihren Passagier pünktlich von Berlin aus zurück nach Trier zu bringen, strandete die Umweltministerin in Essen. Da halfen am Ende nur noch zwei Telefonate. Eines ging an die Trierer Handwerkskammer, mit dem sie ihr Kommen absagen musste. Und das zweite ging an die Adresse von Dirk Gust, dem stellvertretenden Leiter der Energieabteilung im Umweltministerium, der daraufhin seine Chefin kurzfristig bei der Eröffnung der ÖKO vertreten durfte.

Bei den Gästen der Eröffnung gab es Kopfschütteln und Schulterzucken. “Wir alle waren schon mal mit der Bahn unterwegs”, sagte ein hoher Funktionsträger verständnisvoll und anklagend zugleich…

Kammerpräsident Rudi Müller war dennoch bestens gelaunt. Auch ihm war das große Besucherinteresse gleich aufgefallen. Und auch, dass viele Gäste aus der Großregion in die Moselauen gekommen waren. Beigetragen zum Erfolg hat sicher auch die Tatsache, dass die Handwerkskammer Trier mit den ihr angeschlossenen Betrieben Teil des Interregionalen Rats der Handwerkskammern Saar-Lor-Lux ist, der 176.000 Handwerksbetriebe unter seinem Dach zusammenführt.

Eine kleine Stärkung vor dem Start: Handwerkskammerpräsident Rudi Müller (links) und Geschäftsführer Matthias Schwalbach lassen sich die Stärkung der Kleinen Köche schmecken.

Handwerk hat goldenen Boden

Wie kann man die Leistungsfähigkeit einer Branche am besten veranschaulichen? Mit einer Demonstration des Könnens. Die Meisterstücke von mehr als 20 Schreinergesellen hatte HwK-Geschäftsführer und ÖKO-Organisator Matthias Schwalbach via Powerpoint-Show gleich an den Anfang des Festaktes gestellt. “Bei diesen Meisterstücken steckt viel Herzblut drin”, attestierte Kammerpräsident Rudi Müller, selbst Schreinermeister, anerkennend. Und nutzte die Gelegenheit zu einem Werbeblock. Das Handwerk brauche dringend frisches Personal, vom Lehrling bis hin zum Meister. Wer heute noch glaube, dass eine goldene Zukunft nur über ein Universitätsstudium möglich sei, solle sich mal im Handwerk umschauen. Der alte Spruch, wonach das Handwerk goldenen Boden habe, sei zu kaum einer anderen Zeit aktueller gewesen als jetzt. “Wer sich jetzt für das Handwerk entscheidet, wird sich um sein weiteres berufliches Leben keine Sorgen mehr machen müssen.”

Wie man Nachwuchs für das Handwerk gewinnen kann, zeigt das Beispiel der Europa Mini Köche Eifel. Gut zwei Dutzend Jungen und Mädchen sind das, die aus der Idee eines Ferienprogramms geboren wurden. “Wir wollen Kindern im Alter von zehn und elf Jahren das Kulturgut Essen nahebringen. Dazu gehört neben dem Kochen von frischen Gerichten auch das Vermitteln von Tischkultur, aber auch das Lernen, wie man alkoholfreie Cocktails mixt”, schmunzelte Thomas Herrig, Inhaber des gleichnamigen Restaurants in Meckel, nahe Bitburg. Die Mädchen und Jungen hatte Thomas Herrig gleich mitgebracht, und sie verteilten galant leckere Kostproben an die Festgäste.

Engagiert hatte die muntere Truppe der Regionalversorger Innogy: Thomas Herrig hatte anlässlich einer Fahrt mit den Kindern nach Berlin zu einem Branchentreffen der Mini-Köche ein finanzielles Sponsoring erhalten. Als Gegenleistung traten die Mini-Köche nun am Innogy-Stand auf und warben durch ihren Einsatz für das Berufsbild Gastronomie.

Nach diesem kurzen Intermezzo wandte sich der Kammerpräsident wieder der ÖKO zu. Wie schon im Jahr zuvor sei das Wachstum nicht zum Stillstand gekommen. In diesem Jahr gebe es 140 Aussteller, die verteilt auf drei Zelte auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern über alle Neuerungen und Möglichkeiten zur Energieeinsparung informieren würden. Dabei umfasse das Angebot nicht nur das Thema Heizen. Auch die Schimmelpilzsanierung oder der Einbruchschutz seien wesentliche Schwerpunkte der aktuellen Ausstellung. Hier könnten die Besucher erleben, dass beim Handwerk Energieeinsparung und Klimaschutz Hand in Hand einhergehen würden.

Firmenchefin Jeanette Spanier empfielt den Einsatz von moderner Digitaltechnik

Neue Wege mit Digitaltechnik

Wie innovativ das Handwerk ist, veranschaulichte Jeanette Spanier in einem Kurzvortrag. Die junge Chefin einer großen Gerüstbaufirma ist selbst Meisterin im Gerüstbau und übernahm schon in sehr jungen Jahren die Verantwortung in der Geschäftsleitung der Luxemburger Filiale des elterlichen Betriebs. Mit innovativen Ideen wie dem Einsatz von Digitaltechnologie beschritt Jeanette Spanier erfolgreich neue Wege und revolutionierte damit den Gerüstbau. Ihr Fazit ließ an Eindeutigkeit keine Wünsche offen: “Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten der Optimierung. Als Unternehmer muss man diese Möglichkeit der Veränderung annehmen.” Matthias Schwalbach applaudierte: “Sie sind ein tolles Aushängeschild dafür, wie frisch und attraktiv Handwerk sein kann.”

Auch das Trierer Stadtoberhaupt ist dem Handwerk eng verbunden. Das Beispiel der Mini Köche gefiel ihm offenbar, auch er sprach sich dafür aus, die Jugend schon früh anzusprechen, um ihre Begeisterung für einen Beruf zu wecken. Allerdings warnte er auch davor, hier allzu forsch vorzugehen.

Das Handwerk sei der Stadt Sponsor und Partner zugleich, betonte Wolfram Leibe. Sponsor über die Gewerbesteuer, Partner bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben. Als ein Beispiel benannte der OB die Elektromobilität. Hier helfe das Handwerk, dieses Thema nach vorne zu bringen. Dabei entstünden neue Berufszweige, die wiederum neue Kompetenzen und Qualifikationen erforderten. Diese wiederum könnten im Bildungszentrum der Handwerkskammer erworben werden, womit sich ein Kreis schließe.

Lobende Worte für dieses Bildungs- und Technologiezentrum, das die Handwerkskammer Trier unter anderem auch als Demonstrationsobjekt und Vorbild für ein ganzheitliches Energiekonzept erstellt, hatte als Vertreter der Ministerin, Dirk Gust. Der stellvertretende Leiter der Energieabteilung im Umweltministerium lobte das Engagement der Handwerkskammer. Wie wichtig dieses Zentrum für die Ausbildung der jungen Handwerker ist, machte Gust am Thema Klimaveränderung fest. Der vergangene Sommer, der eigentlich als durchschnittlicher Sommer geführt werde, habe deutlich gemacht, wie wichtig es sei, der Erderwärmung gegenüberzutreten.

Um das Klimaschutzziel noch erreichen zu können, müssten unter anderem noch viele bauliche Veränderungen durchgeführt werden. So gebe es beispielsweise etwa 167.000 Wohngebäude, die vor 1977 gebaut wurden und die keine nennenswerten Wärmeschutzstandards hätten. Doch sei das nur ein Teilaspekt im Kampf gegen die weitere Erderwärmung. Um hier wirksam gegensteuern zu können, gelte es an vielen Stellrädern zu drehen.

Am Samstag und Sonntag hat die ÖKO jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Neben den Gesprächen am Stand bietet die Messe auch zahlreiche Vortragsveranstaltungen. Der Eintritt zur ÖKO ist frei.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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