Blick verschärft in Richtung Immobilien

Norbert Friedrich stellt die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres vor. Alle Fotos: Clemens Sarholz

TRIER. Das Kreditvolumen wächst, die Bilanzsumme steigt, Einlagen sowie der Gewinn und das Eigenkapital steigen ebenfalls. Die Volksbank Trier verfügt möglicherweise demnächst über eigene Miet- und Pachteinnahmen aus Immobilien. Der ökonomische Kompass zeigt gen Wachstum. Außerdem gab es personelle Veränderungen im Aufsichtsrat, und das Dividendensystem wird neu ausgearbeitet. Am Montagabend kam die Vertreterversammlung in der Europahalle zusammen.

Von Clemens Sarholz

Das hörte sich alles super an, was Vorstand und Aufsichtsrat bei der Vertreterversammlung verkündeten. Die Bilanzsumme befinde sich auf einem Höchstwert (1,556 Milliarden Euro), die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank habe man durch die Steigerung des Kreditvolumens (um 100 Millionen Euro) kompensieren können, die Einlagen seien um 7,4 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gewachsen, der Gewinn liege knapp oberhalb vom Vorjahrsniveau, und dabei habe die Bank Rücklagen von 4,6 Millionen Euro bilden können, während sich das Eigenkapital noch aufgestockt wurde.

Die Volksbank habe gut gewirtschaftet. Das ist, auf einen einfachen Nenner gebracht, die Quintessenz des vergangenen Geschäftsjahres und der gestrigen Vertreterversammlung. Dafür wurden Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig entlastet.

An jedem Arbeitstag vergangenen Jahres sei eine Immobilie vermittelt worden, erklärte Norbert Friedrich, Vorstandsmitglied der Volksbank Trier. Und auch Alfons Jochem ging auf den Immobilienmarkt ein. “In unserer Region sehen wir nach wie vor eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien, trotz des in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preisniveaus.”

Franz Hermann Deres, Norbert Friedrich, Robert Reis, Norbert Feder, Alfons Jochem und Wolfgang Schäfer vor der Vertreterversammlung.

Die Bank möchte nun auch selbst ins Immobiliengeschäft einsteigen und schlägt eine Anpassung der Satzung vor − für eine “Erweiterung des Handlungsspielraums der Bank”. Sie möchte derart eine Tochtergesellschaft gründen für Verwaltung, Erwerb und den Verkauf eigener Immobilien und für die Beteiligung an anderen Gesellschaften. Ziel sei es, ein weiteres eigenes Standbein aufzubauen, um nicht gänzlich abhängig von der Zinspolitik zu sein. Mit 178 Ja-Stimmen bei sieben Gegenstimmen und acht Enthaltungen wurde der Vorschlag angenommen.

Treue wird belohnt

Denn eine Bank ist ja zur Wertschöpfung, respektive Geldvermehrung da. Die Dividende betrug dieses Jahr wieder vier Prozent. Insgesamt wurden so 913.711 Euro an 37.682 Mitglieder ausgeschüttet. Im Durchschnitt 24 Euro pro Mitglied, kaum genug fürs Sparbuch. Doch bei der Dividendenzahlung soll es Neuerungen geben. Der Vorstand schlug ein Modell vor, den VR-Mitglieder-Bonus, bei dem diejenigen, die neben ihrer Mitgliedereinlage etwa auch Bankkonten, Sparbücher und Geldanlagen von der Volksbank Trier verwalten lassen, mit Bonuszahlungen, die über die vier Prozent hinausgehen, belohnt werden, während jene, die lediglich für die jährliche Dividendenzahlung eine Einlage geleistet haben, insgesamt weniger Geld bekommen. Belohnt werden also jene, die der Volksbank ihr Vermögen zur Verfügung stellen. Gesetzlich befindet die Volksbank auf sicherem Boden, wie aus der Diskussion um den Antrag hervorging.

Insgesamt waren 193 Mitgliedervertreter der Volksbank Trier anwesend.

Neben all den strukturellen Veränderungen gab es auch personelle Veränderungen. In Zukunft werden 15 Aufsichtsratsmitglieder über solche Modelle diskutieren und sie planen, anstatt wie bisher 13. Das hat die Vertreterversammlung beschlossen. Aufsichtsrat und Vorstand unterbreiteten außerdem den Vorschlag, den Passus der Altersgrenze von 68 Jahren aus der Satzung zu streichen, unter anderem aus Gründen der Altersdiskriminierung und dem Erhalt des Knowhows. Weil die Spitze allerdings verjüngt werden soll und die Aufhebung dieser Regelung das Gegenteil bewirken würde − so glauben es die Diskutanten −, stimmte die Mehrheit dagegen. Dies führte dazu, dass Robert Reis, dessen Amtszeit ausgelaufen ist, sich nicht wiederwählen lassen konnte. Er war Aufsichtsratsmitglied seit 1993 und wurde bei der Vertreterversammlung verabschiedet.

Insgesamt gab es fünf neue beziehungsweise altbekannte Aufsichtsratsmitglieder zu wählen. Norbert Feders und Hanns Rendenbachs Amtszeit liefen aus. Sie wurden neu gewählt. Es konnten auch neue Mitglieder neu begrüßt werden. Die 45-jährige Steuerberaterin Tanja Palzer, der 56-jährige Steuerberater Jürgen Salz und der 50 Jahre alte Landwirt Harald Schneider werden in Zukunft ihre Ideen einbringen.

Im Anschluss an den offiziellen Teil hielt Rolf-Dieter Krause, der ehemalige ARD-Brüsselkorrespondent und Studioleiter, einen Vortrag zur gegenwärtigen politischen Lage Europas “Quo vadis – Europa nach der Wahl”.


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Erstellt am Autor Clemens Sarholz in Featured, Gesellschaft 1 Kommentar

Kommentar zu Blick verschärft in Richtung Immobilien

  1. Martin Jostock

    Kann mir jemand mal erklären, warum die Volksbank eine Immobiliengesellschaft gründen will, wenn sie schon eine hat, also die regional tätige Volksbank Immobilien GmbH in Trier?! Augenwischerei oder traut sie auch das Entwicklungsgeschäft ihrer eigenen Tochter nicht zu.

     

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