Blödsinn in der Königsklasse

Umjubelte Premiere des Monty-Python-Musicals “Spamalot” am Pfingstsonntag. Foto: Marco Piecuch

TRIER. Ein irres Vergnügen hat das Theater Trier seinen Fans am Pfingstsonntag mit der Premiere des Musicals “Spamalot” bereitet. Im Quadrathof des bischöflichen Priesterseminars Trier präsentierte es das auf dem Monty-Python-Film “Die Ritter der Kokosnuss” basierende Stück als Feuerwerk aus schrägem Humor und exquisiten Tanzszenen in einer farbenprächtigen Kostümschlacht.

Von Anke Emmerling

Da vor Lachen wohl kaum ein Auge trocken blieb an diesem Pfingstsonntag, Applaus und Standing Ovations kein Ende finden wollten, sei das positive Fazit der Premiere von “Spamalot” gleich vorweggenommen: Mit dieser gelungenen, von Francois Camus inszenierten Aufführung hat sich das Theater Trier nach einer starken Saison noch einmal selbst übertroffen. Hier glänzten ein hervorragendes, bestens aufgelegtes Ensemble, exquisite musikalische und choreographische Qualität (Angela Händel und Joe Monaghan) sowie pfiffige Ideen und Sinn für Details bei der Ausstattung (Kostüme: Yvonne Wallitzer, Bühne: Dietmar Teßmann). Und auch der Spielort, der Quadrathof des bischöflichen Priesterseminars, war ein Volltreffer. Viele Besucherinnen und Besucher lobten das zu einer im Mittelalter angesiedelten Geschichte gut passende Ambiente.

Um Wetterrisiken auszuschließen, gibt das Theater Trier auf seiner Homepage auch an den kommenden Aufführungstagen des Stücks bis 14 Uhr bekannt, ob es Open Air gespielt werden kann oder ins Große Haus umziehen muss. Ein Umzug gliche einer logistischen Meisterleistung, alleine für Kostüme und Requisiten bedarf es etlicher Fahrzeuge. Denn nach fast jedem Auftritt wechseln die stets mehrere Rollen ausfüllenden Akteure ihre Garderobe. Das ist in der Anlage von “Spamalot” sowohl als episodenhafte Erzählung als auch Satire auf Broadway-Musicals begründet.

Geschrieben hat es ein Ur-Mitglied der britischen Komiker-Truppe Monty Python, Eric Idle, gemeinsam mit dem Komponisten John du Prez. Frei nach dem Film “Die Ritter der Kokosnuss” (1974), hat er dem Musical die Sage von König Artus zugrunde gelegt. Artus (Gideon Rapp) zieht 932, als Pest und Cholera in Angelsachsen wüten, aus, edle Ritter um sich zu scharen und das Land zu einen. Die “Fee vom See” (Stephanie Theiß) hat ihm mit dem Schwert Excalibur ein Insignium der Macht in die Hände gelegt.

Schwarz, trocken und reichlich schräg

Die Mission ist kompliziert, denn nicht jeder potenzielle Ritter akzeptiert den König, der mangels Pferd nur mit Knappe Patsy (Michael Hiller) und klappernden Kokosnüssen unterwegs ist: “Frauen in Tümpeln bieten keine Regierungsgrundlage”. Der junge Dennis, Angehöriger eines autonomen marxistischen Kollektivs, verweigert sich beispielsweise zunächst, weil er Artus nicht gewählt hat. Als er sich ihm endlich anschließt, mutiert er vom verwahrlosten Lümmel zum sagenhaft schönen Sir Galahad (Dimetrio-Giovanni Rupp). Damit wird die illustre Runde der Tafelritter aus dem feigen aber musikalischen Sir Robin (Martin Geisen), dem brutalen Sir Lancelot (Benjamin Schardt) und dem blähenden Sir Bevedere (Klaus-Michael Nix), komplettiert.

Artus führt sie nach Camelot, einem Vergnügungstempel à la Las Vegas, wo kräftig gefeiert wird. Mitten im Partygetümmel meldet sich die Stimme Gottes – köstlich in Trierer Mundart – um dem Haufen “bunter Hunde” einen Auftrag und damit einen Daseinszweck zu geben. Sie sollen den Heiligen Gral suchen. Die Gralssuche gibt den nun folgenden Episoden inhaltliche Stringenz. Sie können als zu bestehende Abenteuer verstanden werden, sind aber im Kern eine Aneinanderreihung irrwitziger Szenen, die überwiegend aus Musicals und Monty Python-Filmen bekannte Motive parodieren.

So versuchen die Ritter beispielsweise mit einem Trojanischen Hasen, eine französische Festung einzunehmen. Sie haben aber leider vergessen, in den Hasen hineinzuklettern, und werden von den Franzosen mit Baguettes, Käse und Dessous vernichtend geschlagen. Dann müssen sie sich in einem “teuren” Wald den Rittern vom Ni, entgegenstellen, die erst ein Gebüsch geliefert haben wollen und dann Artus’ Mannen den Auftrag erteilen, ein Broadway-Musical zu produzieren.

Ferner ist eine Schlacht mit dem Schwarzen Ritter zu bestehen, der, nachdem er Arme und Beine verloren hat, den Kampf als “unentschieden” betrachtet. Außerdem muss mittels Heiliger Handgranate noch ein weißes Killerkaninchen beseitigt werden, um endlich die Grals-Mission zu erfüllen.

Das ist Blödsinn in Königsklasse, so blöd, dass er schon wieder gut ist, serviert mit Humor, der schwarz, trocken und reichlich schräg herüberkommt. Beispielsweise fliegen so viele Gliedmaßen herum, dass die Bitte “spendet für Arme” kurzerhand in “spendet Arme” umgewandelt wird. Die Akteure haben sichtlich Spaß und laufen nicht nur schauspielerisch, sondern auch sangestechnisch zu Hochform auf, wenn sie in farbenfrohen Musical-Szenen Schmalz und Dramatik aus “Arielle”, “Der Zauberer von Oz” oder “Westside-Story” durch den Kakao ziehen. Das Publikum ist ebenfalls mit dabei, wenn “Always look on the Bright Side of Life” aus “Das Leben des Brian” angestimmt wird.

Gideon Rapp verkörpert den Artus als einen tragisch-komischen Don-Quijote-Typen, Stephanie Theiß ihre “Fee aus dem See” als vollendete Diva mit Grazie und Stimmgewalt. Jeder und jede im vielköpfigen Ensemble verdient höchstes Lob, das, individuell ausgesprochen, den Platz hier jedoch sprengen würde. Besonders hervorgehoben seien aber noch die Tänzerinnen und Tänzer, die Background Vokalistinnen und die tolle Live-Band aus Angela Händel, Niclas Radohr, Dirk Klinkhammer, David Eckes, Marco Rollmann und Carlos Wagner.

Termine …

… am 12., 13., 15., 19. und 20. Juni, 19.30 Uhr, im Quadrathof des Priesterseminars.


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Erstellt am Autor Anke Emmerling in Kultur 2 Kommentare

2 Kommentare zu Blödsinn in der Königsklasse

  1. Christian Lauer

    Sensationell. Wunderbar.wie eine frische, leichte Sommerbrise, schwungvoll, Monty Python’s Ur-Ensemble wäre ebenso begeistert. BRAVO.FREUDE.FREUDE.Kaffee und Kuchen werde ich in der Theaterkantine für die Darsteller beim nächsten Besuch zum Besten geben.

     
  2. eifelgirl

    Es war super. Gestern abend die Vorstellung bei leichtem Nieselregen genossen. Klasse, weiter so! Kann ich wirklich nur jedem empfehlen. Gute Laune garantiert. Virtuell hier: standing ovations.

     

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