Brubacher Hof? Es bleibt spanend!

Drei Ortsbeiräte und etliche Demonstranten füllen den großen Saal des Bürgerhauses. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Ein neues Baugebiet im Bereich der Innenstadt zu erschließen, ist offenbar kaum noch möglich. Nachdem sich schon lange Widerstand gegen ein Baugebiet ‟Brubacher Hof‟ auf dem Mariahof regt, wehren sich nun auch Eurener und Zewener Bürger gegen ein Baugebiet ‟Unterm Langenberg‟.

Von Rolf Lorig

Eine Informationsveranstaltung sowie eine gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Zewen, Euren und Heiligkreuz im Eurener Bürgerhaus sollte am Mittwoch dem aufkeimenden Widerstand mit Ruhe, Sachlichkeit und Information begegnen. Was nur in Teilen gelang. Wie ernst es ihnen ist, stellten die Demonstranten an diesem Tag gleich zweimal unter Beweis. Am späten Nachmittag zogen sie mit Kind und Kegel vor das Rathaus, um dort ihren Unmut kund zu tun. Und als um 19 Uhr die Ortsbeiräte ins Eurener ‟Druckhaus‟ kamen, standen sie auch hier mit Transparenten und Trillerpfeifen zunächst am Eingang und versammelten sich später dann im Saal. Der war närrisch in den Eurener Farben ‟Grün-Weiß‟ geschmückt, aber zum Lachen war an diesem Abend niemandem zumute.

Flugblätter untermauern den Protest

Die Demonstranten hatten Flugblätter mitgebracht, mit denen sie ihren Protest zu begründen suchten. Sie sehen in einem Wohngebiet Langenberg mit voraussichtlich 3800 Bewohnern einen neuen Stadtteil, der dann größer als Zewen (3500) und fast so groß wie Euren (4200) sein wird. Im Wesentlichen sind es zwei Punkte, die bei den aufgeführten Argumenten gegen ein solches Vorhaben hervorstechen: Eine zehn Meter hohe Brücke, die für die Überquerung der Bahnstrecke ins Bahngebiet vorgesehen ist, sowie ein Verkehrsaufkommen von bis zu 6000 zusätzlichen Autos pro Tag, dessen Auswirkungen vor allem die Eurener Bürger tragen müssten.

Eine knappe Stunde lang stellten die beiden städtischen Planer Stefan Leist und Heike Defourny  erneut das Für und Wider der beiden Standorte ‟Unterm Langenberg‟ und ‟Brubacher Hof‟ vor. Einen Einwand der Demonstranten, das Vorhaben sei erst seit dem 30. November 2016 bekannt, konnte Stefan Leist gleich widerlegen, indem er darauf hinwies, dass es an diesem 30. November an gleicher Stelle bereits einen Informationsabend zu diesem Thema gegeben habe, zu dem aber nur wenige Bürger gekommen seien. Unterstützung erhielt der Planer vom Eurener Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz. Er erinnerte daran, dass die sich beiden Ortsbeiräte Euren und Zewen schon in 2015 für die Erschließung dieses Baugebietes ausgesprochen hatten.

Der Eurener Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz (stehend) fordert von den Gegnern des Vorhabens Sachlichkeit und Fairness ein.

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass auch die Mariahofer an diesem Abend vertreten waren. Ein Mann glaubte nicht daran, dass die Stadt Bauland auf dem Brubacher Hof zu familienfreundlichen Preisen anbieten und dass deshalb dort ein zweiter elitärer Stadtteil wie auf dem Petrisberg entstehen werde, der nur Reichen das Wohnen ermögliche. Deshalb müsse ein neues Wohngebiet zwischen Euren und Zewen entstehen, wo die Preise kaum explodieren würden.

Knappes Angebot treibt die Preise

Eine Wortmeldung, für die er von den Eurener Anwohnern Hohn und Spott erntete. Stefan Leist schaffte es aber, auch hier Sachlichkeit in das Thema zu bringen. Mit aller Entschiedenheit widersprach er dem Gerücht, dass der Petrisberg nur Bauland für Reiche bereithalte. Zum einen würden die Baulandpreise alleine vom Verkehrswert her bestimmt, der durch einen Gutachterausschuss ermittelt werde. Zum anderen sei es aber auch eine Tatsache, dass eine Verknappung des Angebotes automatisch zu einem Kostenanstieg führe.

Eine andere Wortmeldung beschäftigte sich mit den zu erwartenden Grundstücks-Preisen, die die Stadt den Eigentümern zahlen werde. Das hänge davon ab, ob es sich um Bauerwartungsland oder um Ackerland oder begünstigtes Ackerland handele, so die Antwort. Auf Nachfrage teilte Leist mit, dass bei Bauerwartungsland mit einem siebenfach höheren Preis gerechnet werden könne. Worauf der Fragesteller deutlich machte, dass beim Langenberg der mittlere Teil als Ackerland geführt werde und die Eigentümer folglich mit wesentlich geringeren Erlösen rechnen müssten, weshalb es vermutlich massive Widerstände und einen jahrelangen Rechtsstreit geben werde.

Bevor die einzelnen Ortsbeiräte in von einander getrennten Räumen dann in ihre Sitzungen eintreten konnten, überreichte Joachim Weyand, einer der Sprecher der Bürgerinitiative, Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz eine Einspruchsliste mit 550 Unterschiften gegen das Baugebiet. Der nahm die Liste entgegen und versprach eine sachlich-faire Auseinandersetzung mit dem Thema.

Beifall für den Ortsvorsteher

Genau die gleiche Handlungsweise forderte er aber auch von den Gegnern ein. Hier brachte er seine Empörung über das Vorgehen einzelner Bürger zum Ausdruck, die ihn wegen seines Einsatzes für das Baugebiet verdeckt attackiert hatten. Sowohl der Ortsbeirat wie auch er seien allzeit offen mit dem Thema umgegangen, über ein Jahr lang habe es keine Widerstände zu dem Thema gegeben. Seit zwölf Jahren setze er sich nun als Ortsvorsteher für das Wohlergehen des Eurener Stadtteils ein, umso unverständlicher sei ihm die jetzige Reaktion einzelner Bürger. Ein demonstrativ lauter Beifall aus dem Saal stellte unter Beweis, dass die meisten Anwesenden offenbar seine Sicht der Dinge teilten.

Und damit konnten die Ortsbeiräte endlich in ihre Sitzungen eintreten. Am Ende des Abends stand fest: Heiligkreuz unterstützt wegen nicht berücksichtigter Anregungen und Bedenken nicht die Vorlage des Stadtvorstandes, der sich im ersten Schritt für die Erschließung des Baugebietes Brubacher Hof ausspricht. Zewen und Euren werden dem Vorschlag der Verwaltung zwar kommentarlos folgen, weil man sich als Ortsbeirat lediglich auf seine eigentliche Zuständigkeit konzentrieren will. Deswegen hatten beide Ortsbeiräte auch einen zweiten Punkt auf der Liste, der sich mit dem späteren Baugebiet ‟Unterm Langenberg‟ auseinandersetzte.

Ergebnis: Zewen sprach sich einstimmig für eine Erschließung aus, Euren ebenfalls. Allerdings unter der Vorgabe, dass in einem ersten Schritt das Gebiet über einen Kreisel in Höhe der JVA an die Gottbillstraße angeschlossen wird. Und auch eine zehn Meter hohe Rampe werde es mit dem Ortsbeirat Euren nicht geben, unterstrich Schmitz, weshalb sich der Eurener Rat für eine Unterführung aussprach. (rl)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 1 Kommentar

Kommentar zu Brubacher Hof? Es bleibt spanend!

  1. Stefan Leininger

    Hallo Herr Lorig,

    vielen herzlichen Dank für den erfrischenden Artikel !
    Ich bin die Woche über im Münsterland und bin deshalb ein Wochenend-Pendler. Somit bin ich auf eine solche Berichterstattung angewiesen.
    Ich bin am letzten Wochenende auch dieser BI beigetreten.
    Was mich entsetzt ist, dass trotz des Widerstands (leider sehr spät, aufgrund der fehlenden Kommunikation mit den Bürgern aus Euren, nur der Ortsbeirat scheint informiert zu sein und auch eigene private Interessen zu haben !) an diesem Abend der Ortsbeirat (=Vertretung der Eurener Bürger) einstimmig für eine Erschließung am Langenberg stimmt !
    Das ist für mich ein Skandal !

    Herzliche Grüße
    Stefan Leininger

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.