Parteitag der CDU – Steier steigt auf

Gratulationsrunde: Andreas Steier nimmt im IAT Tower die Glückwünsche der Parteifreunde entgegen.

Gratulationsrunde: Andreas Steier nimmt im IAT Tower die Glückwünsche der Parteifreunde entgegen.

TRIER/REGION. Andreas Steier ist der Erbe Bernhard Kasters. Im Bundestag noch nicht, denn bis nach Berlin ist es noch ein weiter Weg. Aber zumindest auf den Wahlzetteln. Diese Hürde hat der Pellinger am Freitagabend genommen. 78 Christdemokraten votierten auf dem Parteitag in der City Hall des IAT Tower am Verteilerkreis für den dreifachen Familienvater. Fünf Gegenstimmen musste Steier in der geheimen Wahl hinnehmen. Der 44-jährige Diplom-Ingenieur, der für die Union im Kreistag sitzt und der regionalen Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU vorsteht, ist der gemeinsame Kandidat der Christdemokraten in Stadt und Landkreis. Die Kandidatensuche während der vergangenen Monate gestaltete sich schwierig, weil die Kreis-CDU heuer darauf pochte, den Bewerber aus ihren Reihen zu stellen. Die sechsköpfige Findungskommission einigte sich schließlich auf den Pellinger, nachdem feststand, dass Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, nicht antreten wird. Botmann war der erklärte Favorit der Stadt-CDU.

Es war ein kurzer Abend ohne große Emotionen und Attacken. Pragmatismus und Sachlichkeit prägten den Nominierungs-Parteitag der regionalen Christdemokraten. Der Rückzugs Kasters von der politischen Bühne stand lange fest. Seit 2002 hatte der Pfalzeler der hiesigen Union als Berliner Abgeordneter und seit 2007 auch als Parteichef der Stadt-CDU seinen Stempel aufgedrückt. Nach dem Abschied von Karl Diller (SPD) holte Kaster 2009 und 2013 das Direktmandant – erst gegen Manfred Nink, dann gegen Katarina Barley, beide SPD. Unumstritten war Kaster dennoch nie, und als er die städtischen Unionschristen nach der letzten Kommunalwahl in das Bündnis mit den Grünen führte, ging die CDU im Kreis vollends auf Distanz zu ihrem einstigen Frontmann. Die Niederlagen Kasters in den Wahlen zu den nächst höheren Parteiebenen signalisierten dem inzwischen 59-Jährigen deutlich: Die Zeit ist abgelaufen!

“Wir sind Titelverteidiger”

Steier ist der neue Frontmann der regionalen CDU.

Steier ist der neue Frontmann der regionalen CDU.

Weil Kaster wie kaum ein anderer stets das politische Gras wachsen hört, ging er von selbst. Der vorhersehbaren Kampfkandidatur mit einem Favoriten der Parteifreunde aus dem Kreis wollte der Pfalzeler sich nicht aussetzen. Zudem ist den hiesigen Christdemokraten mit SPD-Generalsekretärin Barley ein politisches Schwergewicht als Gegnerin erwachsen. Und auch die politische Landschaft hat sich seit der letzten Bundestagwahl gravierend verändert. Vor drei Jahren war die AfD kaum ein Thema. Inzwischen gräbt die Alternative der Union den rechtskonservativen Flügel ab. Was der SPD zu Beginn der 1980er Jahre die Grünen waren, die am linken Rand der Sozialdemokratie fischten, ist der CDU heuer die AfD.

Von daher wird es Steier ungleich schwerer als Kaster haben, der bei der Merkel-Wahl vor drei Jahren nicht nur 44 Prozent bei den Zweitstimmen für die Union holte, sondern mit 48,8 Prozent der Erststimmen die absolute Mehrheit nur knapp verfehlte. Das war ein Erdrutschsieg für Kaster und die CDU. Vom blanken Ergebnis her tritt Steier also in extrem große Fußstapfen. Die Messlatte liegt hoch. “Wir gehen als Titelverteidiger ins Rennen”, betonte Jörg Reifenberg, Trierer Stadtrat und Mitglied der Findungskommission, am Freitagabend im IAT Tower und legte damit den Anspruch der Unionschristen fest. Nicht weniger als das Direktmandat soll es auch im kommenden Jahr wieder sein.

Dafür vollzog die CDU einen personellen Paradigmenwechsel. Von Kaster, dem Mann der Verwaltung, hin zu Steier, dem Mann der Wirtschaft und des Mittelstandes – damit will die Union ihre Kernkompetenzen für die anstehenden harten Auseinandersetzungen schärfen. Kaster kam aus der Bürokratie. Steier sagt, er wolle Bürokratie abbauen, nicht nur in Brüssel bei der EU, sondern auch in Berlin. Steuererleichterungen für Familien will er, aber auch ein schärferes Profil der Christdemokraten bei den Investitionen in die digitale Infrastruktur. Hier zeigt sich der wohl deutlichste Unterschied zwischen dem 44-jährigen Aufsteiger und seinem 15 Jahre älteren Vorgänger. Es ist dies auch eine Generationenfrage: Kaster sieht das Internet eher als Bedrohung denn als echte Perspektive an, weil das Netz bürokratisch kaum zu kontrollieren ist. Steier hingegen betrachtet die digitale Vernetzung als Chance, aber auch als Herausforderung. “Die kleinen Orte auf dem Land bluten aus, wenn die jungen Menschen dort vom schnellen Internet ausgeschlossen sind”, sagte er.

Dafür passt bei der konventionellen Infrastruktur zwischen Steier und Kaster kein Blatt Papier: Die Trierer Westumfahrung müsse endlich her. Für seinen jahrelangen Einsatz beim Moselaufstieg heimste Kaster denn auch viel Lob der Parteifreunde ein. Das umstrittene Projekt wurde inzwischen auf Drängen Kasters in den Verkehrswegeplan des Bundes aufgenommen. Steier und Kaster ließen, wie auch Kreischef Arnold Schmitt und der Landtagsabgeordnete Bernd Henter, keinen Zweifel daran, wer nun in der Pflicht sei. “Die Landesregierung muss den Moselaufstieg zügig realisieren, nachdem der Bund die Voraussetzungen geschaffen hat.” Dass mit Volker Wissing nun ein FDP-Mann Verkehrsminister in Mainz ist, dürfte den Christdemokraten in die Karten spielen. Auch der Trierer Stadtrat hatte sich mehrheitlich zur Westumfahrung bekannt.

Union muss taktieren

Seine Partei rief der Pellinger zur Geschlossenheit auf.

Seine Partei rief der Pellinger zur Geschlossenheit auf.

Doch die Attacken der CDU auf den politischen Gegner blieben an diesem harmonischen Parteiabend durchaus moderat. Kaster lobte die Zusammenarbeit mit der SPD in Berlin ebenso wie die Kooperation mit den Grünen im Bundesrat, wo die Union Änderungen im Asylrecht durchgesetzt habe (“Es gibt in Berlin keinen Dissens zwischen den Fraktionen von CDU und CSU!”). In der Flüchtlingsfrage stehe er nach wie vor hinter dem Kurs von Kanzlerin Merkel. “Aber die Monate der Krise waren auch ein Weckruf”, sagte Kaster. Sein Appell an die Parteifreunde: “Wir müssen die Sorgen und Befürchtungen vieler Menschen ernstnehmen!” Dass der Pfalzeler das Schreckgespenst einer rot-rot-grünen Koalition an die Wand malte, gehört auch in dieser frühen Phase des Wahlkampfes zum politischen Geschäft. Aktuell deuten die Umfragen jedoch auf eine Neuauflage der Großen Koalition aus CDU und SPD hin. Nur das Jamaika-Bündnis aus Union, Grünen und FDP hat als Alternative zur GroKo derzeit eine Mehrheit.

So müssen die Christdemokraten im anstehenden heißen Wahlkampf taktieren wie selten zuvor. Attacken ja, aber doch stets so, dass keiner der potenziellen Partner dauerhaft verprellt wird. Für Steier wird das ein schwieriges Unterfangen. Schließlich muss der Pellinger sich gerade gegen das politische Schwergewicht Barley deutlich profilieren, um aus dem Schatten Kasters herauszutreten. Die SPD-Generalsekretärin kann mit ihrem enormen Bekanntheitsgrad wuchern. Den muss Steier sich in den kommenden Monaten erst noch erarbeiten, will er gegen die Schweicherin nicht von Anfang an auf verlorenem Posten kämpfen.

Seine Unterstützung sagte Kaster zu. “Ich helfe, wo die Hilfe erwünscht ist, nehme mich aber auch zurück, wenn das der Wunsch sein sollte.” Steiers Appell zur parteiinternen Geschlossenheit ging vor allem an die Adresse der städtischen Christdemokraten. Denn der Kaster-Erbe weiß, dass er nicht der Wunschkandidat der Stadt-CDU war. Auch dort wird er in den nächsten Wochen noch Überzeugungsarbeit leisten müssen, “weil wir es nur gemeinsam schaffen können”. (et)

Zur Person

Andreas Steier (Jahrgang 1972) stammt aus Pellingen und wohnt dort mit seiner Ehefrau und den drei Kindern. Steier machte in Trier Abitur und studierte anschließend Maschinenbau in Kaiserslautern. Seit 1998 arbeitet er in Luxemburg. Steiers Firma stellt Sensoren für die Automobilbranche her. Er ist seit 25 Jahren Mitglied der CDU und sitzt seit 2007 im Kreistag. Ferner ist Steier Vorsitzender der regionalen Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union (MIT). (et)

Extra

CDU-Stadtrat Horst Freischmidt hat am Donnerstag während der Ratssitzung betont, er sei keineswegs Kritiker des Trierer Bündnis aus Union und Grünen. Der reporter hatte den Ortsvorsteher von Kernscheid jüngst in die Reihe der Koalitions-Kritiker verortet. “Ich stehe hinter diesem Bündnis”, sagte Freischmidt. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik 1 Kommentar

Kommentar zu Parteitag der CDU – Steier steigt auf

  1. Aloyse kirsch

    ein guter Mann, in der Tat, ein guter Mann !!!

     

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