China Moses – stimmgewaltig und voll Energie

China Moses mit dem Sinfonischen Orchester der Stadt Trier und ihrer eigenen Band. Fotos: Anke Emmerling

TRIER. Beim 2. Mixed Zone Konzert im Theater Trier war die amerikanische R&B- und Jazz-Sängerin China Moses mit ihrer Band zu Gast. Zusammen mit dem Sinfonischen Orchester der Stadt Trier präsentierte sie soulgetränkte Blues- und Jazzballaden, aber auch tanzbaren Funk und Groove. Da sprangen Funken über und es herrschte zeitweise Partystimmung im Saal. Ein Bericht von Anke Emmerling.

Von “Her Majesty“ (Ihre Majestät) spricht China Moses Toningenieur, der Herr über das Mischpult, als die Sängerin die Bühne betritt. Warum, ist augenblicklich klar, denn da erscheint eine Diva, die von der Aura einer Powerfrau umgeben ist. Sie begrüßt das Publikum mit einem kraftvollen Blues, der neben Respekt vor ihrer wuchtigen, wandelbaren und ausdrucksstarken Stimme jede Menge Spaß erzeugt. Schwung, Energie und Lebensfreude äußern sich hier, mitgetragen von einem bestens aufgelegten Sinfonischen Orchester und einer Band aus kreativen Jazzmusikern.

Vorbilder Dinah Washington und Peggy Lee

Mit dem streicherbetonten Klangteppich des Orchesters erhalten die zwölf an diesem Abend präsentierten Stücke sowohl nostalgischen Charme als auch eine Note, die an Film- oder Musical-Musik erinnert. Beides passt zu Moses Interessen, von denen sie mitreißend erzählt. Ihr Jugendtraum war, Musicals zu schreiben, und ihre Idole sind Sängerinnen, die in den 1950er Jahren große Erfolge feierten, wie Dinah Washington oder Peggy Lee. Dinah Washington habe es ihr besonders angetan, weil diese in ihrer kurzen Lebenszeit von nur 39 Jahren geschafft habe, Hunderte Songs aufzunehmen, sieben Ehemänner sowie etliche Liebhaber zu verschleißen und Mutter zweier Kinder zu werden, teilt sie dem lachenden Publikum mit. Von beiden Vorbildern hat sie Titel im Gepäck. Da erklingen Dinah Washingtons “What a difference a day makes“ als ergreifende, mit warmem Timbre und Flötenklängen unterlegte Ballade oder Lees weltberühmter Song “Fever“ als treibendes Funkstück, das zum Mitklatschen und -tanzen einlädt.

Dann wieder serviert die Sängerin kokett und mit komödiantischer Ader eine von der TV-Serie “Desperate Housewifes“ inspirierte Musical-Idee. Letztere stammt, wie die meisten Stücke des Programms, von China Moses aktueller CD “Nightingtales“, dem ersten Album, das ausschließlich Eigenkompositionen der Künstlerin enthält. Es sind besondere Songs, in denen sich Jazz mit Soul oder Rhythm & Blues mischt. Sie alle erzählen Geschichten, die mit persönlichen Erfahrungen, Leidenschaften oder Lastern verwoben sind. Zu “Put it on the Line“ zum Beispiel, erzählt China Moses umwerfend komisch, wie sie als überzeugte Single-Frau in einer Pariser Bar auf einem Mann trifft, zu dem ihr plötzlich eine Basslinie einfällt. Sie trinkt (viel!) Whiskey mit ihm, landet in seinem Bett und schließlich im Hafen der Ehe. Selbstredend, dass die erwähnte Basslinie intoniert wird, von Neil Charles, der sich am Kontra- wie am E-Bass als tragender und sensibler Begleitmusiker profiliert.

Eine Frau, die mit ihrer wuchtigen, wandelbaren und ausdrucksstarken Stimme jede Menge Spaß erzeugt.

Die Band ist große Klasse

Moses Band, die nach nur zwei vorhergehenden Proben hervorragend mit dem Orchester interagiert, ist überhaupt große Klasse. Neben der Rhythmusgruppe aus Bassist Neil Charles und Marijus Aleksa am Schlagzeug, stehen Pianist Mike Gormann und Saxofonist Luigi Grasso in fast organischer Verbindung zur Sängerin. Sie setzen nicht nur Akzente, die deren Stimmgewalt weitertragen oder kontrastieren, sie stehen wechselnd auch für spannende Arrangements. Besonders in den leider zu raren Momenten, in denen diese Band alleine zu hören ist, bekommen China Moses Songs ausgeprägte Intensität. Dann kommen auch die differenzierten Zwischentöne, die Moses in ihren Vortrag legt, besser zur Wirkung.

Nichtsdestotrotz ist das Mixed-Zone-Projekt, Orchester mit Jazzband zu verknüpfen, sehr gelungen. Es ist eine Art Brückenbau, vermittelt zwischen Klangwelten und Hörgewohnheiten, holt besonders diejenigen unter den Zuhörern ab, denen Jazz nicht unbedingt vertraut ist. Die Frauen und Männer des Orchesters,  die mit China Moses und ihrer Band nur zweimal proben konnten, zeigen wieder einmal, mit welcher Offenheit und Leichtigkeit sie sich auf das Spiel mit Genregrenzen einlassen können. Jochem Hochstenbach steht dafür als agiler Dirigent Pate.

Die besondere, mit reichlich Applaus honorierte Qualität des Abends liegt in der mitreißenden Energie, die er verströmt. Und sie liegt in der Begegnung mit einer Künstlerin, die durch mehr als nur eine herausragende Stimme besticht. China Moses ist eine charmante und witzige Entertainerin, die Wert auf einen engen Draht zum Publikum legt. Sie holt es aus den Stühlen, um als Chor mitzusingen oder durch Klatschen ihr Temperament anzufeuern. Wenn sie von einer “Party“ im Theater Trier spricht, gibt das die Stimmung, für die sie besonders in der zweiten Konzerthälfte sorgt, durchaus wieder.

Die künstlerischen Talente sind China Moses übrigens in die Wiege gelegt worden. Sie ist die Tochter von Dee Dee Bridgewater, einer mehrfach mit Grammys ausgezeichneten Jazzsängerin. Ihr Vater war der legendäre Theater-, Film- und Fernsehregisseur Gilbert Moses.


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Erstellt am Autor Anke Emmerling in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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