“Das Amt des Oberbürgermeisters ist kein Ein-Mann-Job”

Journalisten befragen den Oberbürgermeister. Fotos: Rolf Lorig

Journalisten befragen den Trierer Oberbürgermeister. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Seit dem 1. April ist Wolfram Leibe Oberbürgermeister der Stadt Trier. Kurz vor der Vollendung seines ersten Amtsjahres hatte der in Grißheim (Baden-Württemberg) geborene Jurist Trierer Journalisten zum Gespräch ins Rathaus eingeladen. Einziger Tagungsordnungspunkt: Eine erste Bilanz und ein Ausblick auf die Zukunft.

Von Rolf Lorig

Nein, es war alles, nur kein langweiliges Jahr für den Trierer Oberbürgermeister. Er habe zu Beginn viele Baustellen gehabt, erinnert Leibe sich und lässt die markantesten Punkte Revue passieren: Insolvenz der TBB, herabstürzende Deckenkonstruktionen in Trierer Sporthallen, eine so noch nicht da gewesene Flüchtlingswelle. Einen kleinen Augenblick hält der 55-Jährige inne, dann umspielt ein leichtes, selbstbewusstes Lächeln seine Mundwinkel. Das alles haben wir gut hinbekommen, sagt er, mit viel Sachkompetenz aber auch mit dem richtigen Maß an Improvisation.

Wenn Leibe im Plural spricht, dann ist das kein pluralis majestatis. Auch wenn er im Stadtvorstand der Erste unter Gleichen ist, so weiß er doch um die Kraft der Gemeinschaft. Leibe nutzt jede Gelegenheit, den Wert des Miteinanders demonstrativ zu unterstreichen, indem er auf die vorhandene Kompetenz im Rathaus verweist, die ihm bei der Lösung der anstehenden Probleme behilflich war und ist.

Was ist denn in diesem Jahr besser geworden? Wie nicht anders zu erwarten, fällt die Antwort positiv aus: “Vieles!“ Das gelte vor allem für das Miteinander. Im Stadtrat. Und natürlich auch im Stadtvorstand. “Dazu musste ich aber immer sehr viel erklären“, macht er seine Grundhaltung deutlich. Schließlich sei das Amt des Oberbürgermeisters kein Ein-Mann-Job.

Für Leibe gehört der Blick in die Vergangenheit dazu. Um Dinge verstehen zu können, muss man die Vergangenheit kennen. Lieber aber richtet er den Blick nach vorne. “Schließlich habe ich noch sieben Amtsjahre vor mir!” Und präsentiert der Journaille ein buntes Spektrum an Aufgaben, auf die er aktuell sein Augenmerk richtet:

Der Hochwasserdamm

Mit einem Kostenaufwand von etwa sechs Millionen Euro soll der Hochwasserdamm auf der Stadtseite, der in etwa von der Staustufe bis zum Verteilerring reicht, ertüchtigt werden. Eine Maßnahme, die das Land mit 90 Prozent der Kosten unterstützt. Leibe will die Gelegenheit nutzen und Verbesserungen vornehmen: Einen Spielplatz am Moselufer anlegen, den Radweg ausbessern, die Böschung roden und so den gesamten Komplex dem Bürger besser zugänglich machen.

Das alte Kabinenbahngebäude

werde schon bald abgerissen. Die Fläche soll mit Schotter aufgefüllt und zunächst im Besitz der Stadt (“Wir stehen nicht unter Druck“) bleiben. Bis zum Moselfest sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Gelände kann bis auf weiteres als gebührenpflichtiger Parkplatz genutzt werden.

Der Flächennutzungsplan

liegt dem OB ebenfalls sehr am Herzen. Hier ist die Offenlegung abgeschlossen; ob die von den Planern vorgeschlagenen und von den Gegnern heftig bekämpften Flächen für die Neubaugebiete in Mariahof und in Zewen kommen, liegt nun in der Hand des Stadtrates. Oberbürgermeister Leibe bezieht für sich klar Stellung: “Trier braucht beide Neubaugebiete.” Mindestens ebenso klar ist seine Haltung zur

Egbert Grundschule.

Das Schulgebäude hat gravierende Baumängel und müsste im Falle eines Weiterbetriebs mit einem Millionenaufwand saniert werden. Auch hier tobt schon seit geraumer Zeit zwischen Befürwortern und politischen Gegnern ein heftiger Kampf. Als Finanzdezernent muss Wofram Leibe nüchtern denken und handeln: “Es macht keinen Sinn, mehrere Millionen Euro in dieses Gebäude zu investieren.“

Wolfram Leibe, hier mit Pressesprecher Ralph Frühauf, gibt einen Einblick in seine Arbeit.

Wolfram Leibe, hier mit Pressesprecher Ralph Frühauf, gibt einen Einblick in seine Arbeit.

Sozialer Wohnungsbau

“Wir brauchen preiswerten und bezahlbaren Wohnraum“, weiß der Oberbürgermeister. Und verweist als Beispiel auf geplante Projekte auf dem Mariahof. Es mache keinen Sinn, sich  hier für billige und möglicherweise kurzlebige Techniken zu entscheiden. Leibe will keine Notbauten, sondern langlebige Festbauten. Das gelte im Übrigen auch für den Stadtteil

Trier-West.

Die dort anstehenden Veränderungen erfordern laut Leibe ein Projektteam mit einer eigenen Struktur. Er habe dem Stadtrat zugesichert, dass diese Struktur noch vor Beginn der Sommerpause stehen solle. Seinem Vorgänger Klaus Jensen ist er dankbar, dass dieser bereits mehrere Millionen Euro für den anstehenden Umbau des Stadtteils gesichert hat. Neben bezahlbaren und zeitgemäßen Wohnungen gehe es in Trier-West auch noch um die Themenfelder Straße und Kita. Für ihn sei wichtig, dass man rasch Termine setze und diese auch an die Bürger kommuniziere. “Die Menschen sollen noch vor der Sommerpause erfahren, was wir getan haben, und was wir noch tun werden.“ Das größte Problem sieht Leibe im Einkauf von qualifizierten Fachleuten. Die Herausforderungen seien so komplex, dass sie vom eigenen Personal nicht einfach “on top“ erledigt werden könnten. Leider aber sei der Arbeitsmarkt in diesem Bereich recht leer.

Städteallianz

Fördertöpfe des Bundes gehen oft an mittelgroßen Städten wie Trier vorbei, weiß der Oberbürgermeister. Um das zu ändern hat er mit Kollegen aus Rostock, Erfurt, Siegen, Bielefeld und Paderborn eine Städteallianz ins Leben gerufen. “Städte aus unterschiedlichen Bundesländern stehen nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu einander“, weiß der OB. Zudem gebe es viele Gemeinsamkeiten wie Hochschulen, ein direktes Umland sowie vergleichbare Strukturen. Gemeinsam wolle man von einander lernen und als Lobbyisten für die gemeinsamen Anliegen auftreten. Ein Beispiel sieht Leibe in der E-Mobilität. Als eine der ersten deutschen Großstädte habe Trier aus Berlin Fördermittel für drei E-Busse erhalten. Die Beschaffung der Busse müsse nun europaweit ausgeschrieben werden und könnten voraussichtlich im Frühjahr 2017 in Trier ihren Dienst aufnehmen.

Doch damit nicht genug: Den Doppelhaushalt 2017/18 will Leibe als Finanzdezernent realitätsnah planen und für den Folgehaushalt 2020/22 eine Nullverschuldung erreichen; den Anteil der Fahrräder ausbauen und dazu auch die Busspuren für Radfahrer öffnen, bereits im April die Gespräche mit Bürgermeistern und Ortsbürgermeistern, deren Gemeindegrenzen an Trier stoßen, weiter intensivieren.

Keine definitiven Aussagen konnte der Oberbürgermeister dagegen  zu den Themenkomplexen “Theater und Feuerwehr“ treffen, da Thomas Egger als der zuständiger Dezernent sich zurzeit in Urlaub befindet. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 2 Kommentare

2 Kommentare zu “Das Amt des Oberbürgermeisters ist kein Ein-Mann-Job”

  1. Mathilde Mattes

    Glückwunsch zu einem , wie ich finde , erfolgreichen Jahr ! Der Stadt Trier , und damit seinen Bürgern , konnte nichts besseres passieren , als so einen tollen Menschen als OB , zu bekommen . Wenn Das so weitergeht , können wir uns Alle freuen .

     
  2. Rüdiger Rauls

    vielleicht sollten wir auch noch eine Wallfahrt veranstalten?

     

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