“Das ist ein Marathon”

Baudezernent Andreas Ludwig und Ortsvorsteher Rainer Lehnart begutachten die Schäden in fünf Meter Höhe.

Baudezernent Andreas Ludwig und Ortsvorsteher Rainer Lehnart begutachten die Schäden in fünf Meter Höhe.

TRIER. Die Halle an der Bezirkssportanlage in Feyen ist wieder geschlossen. Erneute Probleme mit der Dachkonstruktion zwangen die Stadt am Montag zu der Maßnahme. Schul- und Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) informierte am Dienstagvormittag vor Ort über die Gründe. “Das ist keine leichte Kost für uns”, räumte der Dezernent ein. Die Halle ist für die bauliche und energetische Komplettsanierung vorgesehen. Während einer weiteren Voruntersuchung stellten die Fachleute gravierende Mängel an den Gasbetondielen fest, von denen Teile abbröckelten. “Die Sicherheit geht vor”, betonte Ludwig am Dienstag, “deswegen mussten wir die Halle wieder schließen.” Die Kosten für die Rundumsanierung bezifferte Dr. Frank Simons mit 2,3 Millionen Euro, davon alleine im energetischen Bereich 1,9 Millionen Euro. Aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) des Landes für verschuldete Kommunen könnte die Stadt 1,6 Millionen erhalten. “Müssen wir die sekundäre Tragkonstruktion des Daches ersetzen, erhöhen sich die Gesamtkosten allerdings”, sagte der Chef der städtischen Gebäudewirtschaft.

Auf, zu, auf – und dann doch wieder zu: Triers Baudezernent ist derzeit um seinen Job nicht zu beneiden. Vor einer Woche verkündete Ludwig in Trier-Süd die frohe Botschaft für Sportler und Schüler: Die Halle an der Barbara-Grundschule ist wieder offen! Acht Tage später steht Ludwig in Feyen und muss die Hiobsbotschaft für den Schul- und Vereinssport verkünden: Die Halle an der Bezirkssportanlage ist wieder zu – und das ausgerechnet im Winter, wenn die Sportplätze als Alternativen nicht genutzt werden können. Feyens Ortsvorsteher wirkte entsprechend wenig amüsiert. Aber auch Rainer Lehnart (SPD) weiß, dass Sicherheit vorgeht. “Es hat ja keinen Sinn”, sagte der pensionierte Lehrer, “wenn hier ein Gefahrenpotenzial besteht, muss die Halle geschlossen bleiben.”

Lehnart traute sich: Zusammen mit Ludwig kletterte er auf einem leicht wackeligen Gerüst fünf Meter in die Höhe bis unter die Decke. Dort sind die Schäden am besten zu sehen. Die Gasbetondielen sind brüchig. Immer wieder lösen sich Teile. Die werden jetzt in einem Labor untersucht. Das Ergebnis wird laut Ludwig in etwa 14 Tagen vorliegen. Erst dann wird klar sein sein, ob die Bauelemente aus dem “sehr weichen Material” (Ludwig) komplett ersetzt werden müssen. Auch die Druckspannung innerhalb der Deckenkonstruktion soll bis dahin analysiert worden sein.

Die Kardinalfrage stellt sich

Vor einem Jahr musste die Halle in Feyen zum ersten Mal geschlossen werden. Die abgehängte Decke des Baus aus den 1960er Jahren war – wie bei vielen anderen Trierer Hallen auch – nicht nur in die Jahre gekommen, sondern durch und durch marode. Die Decke wurde entfernt, die Halle daraufhin wieder geöffnet. Jetzt die erneute Schließung, die Ludwig am Dienstag als “alternativlos” bezeichnete. “Auch wenn wir alle geflucht haben”, sagte der Christdemokrat.


Zum ThemaMehr als ein Tropfen auf den heißen Stein


Ludwig will vor den weiteren Schritten zunächst einmal die Ergebnisse der Labor-Untersuchungen abwarten. “Dann werden wir in den Gremien und auch im Stadtrat diskutieren, ob die Investitionen in die Sanierung sinnvoll sind.” Alternativ dazu könnte sich ein Neubau anbieten. Die Variante brachte auch Lehnart in die kurze Diskussion unter dem Hallendach in Feyen ein. Die Förderrichtlinien des Landes sehen vor, dass die Kosten der Sanierung 80 Prozent der Kosten für einen Neubau nicht überschreiten dürfen. Jetzt schon werden für die Komplettsanierung 2,3 Millionen Euro veranschlagt. Sollten weitere Trägerkonstruktionen am Dach erneuert werden müssen, dürfte die Drei-Millionen-Euro-Grenze schnell überschritten sein.

Lagebesprechung in Feyen: Ortsvorsteher Rainer Lehnart, Andreas Ludwig, Dr. Frank Simons und Jörg Cartus (v.l.).

Lagebesprechung in Feyen: Ortsvorsteher Rainer Lehnart, Andreas Ludwig, Dr. Frank Simons und Jörg Cartus (v.l.).

Dann stellt sich die Kardinalfrage, ob sich eine derart aufwendige Sanierung an einem Gebäude aus den 1960er Jahren überhaupt lohnt. “Die Halle muss für die Arbeiten sowieso in den Rohbauzustand versetzt werden”, erklärte Jörg Cartus vom zuständigen Architektenbüro “Weltzel und Hardt”. Denn neben dem Dach muss der Bau auch energetisch komplett saniert werden. “Dadurch senken wir auch die Folgekosten”, so Simons, der in den nächsten Tagen prüfen will, ob die schadhafte Decke mit Netzen, wie von Lehnart vorgeschlagen, gesichert werden kann. “Aber auch das kostet uns schätzungsweise wieder 50.000 Euro”, prognostizierte der Leiter der Gebäudewirtschaft.

Ludwig sieht sein Dezernat in der Hallenfrage nach wie vor in einem Marathon. “Zwei, drei Jahre werden wir brauchen, um alle Probleme zu lösen.” Um effizienter vorgehen zu können, arbeitet der Christdemokrat aktuell zusammen mit Simons auch an personellen Strukturänderungen innerhalb seines Amtes. So sollen zeitlich befristete in unbefristete Verträge umgewandelt werden, um gute Mitarbeiter an die Verwaltung zu binden. “Wir müssen das System verändern, aber das geht nicht von heute auf morgen”, so Ludwig. “Ich bin nach Trier gekommen, um Probleme zu lösen”, betonte der Dezernent. “Heute muss man ja mit diesem Satz etwas vorsichtig sein, aber ich bin mir sicher: Wir schaffen das!” (et)


Drucken
Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik 1 Kommentar

Kommentar zu “Das ist ein Marathon”

  1. Peter Boden

    Leute, was geht denn hier ab?

    Wer es schon vergessen hat; Trier-reporter vergisst nichts:
    http://www.trier-reporter.de/das-geht-in-richtung-abenteuer/

    Hier liegen die “Betonbrocken” = Gasbetonbrocken doch auf der alten abgehängten Decke drauf. Wo sollen die denn herkommen? Ja klar, aus der nun als kaputt definierten Zwischendecke.

    Das was doch genau damals schon Thema und zwar genau vor einem Jahr! Jetzt plötzlich taucht das Thema auf. Ist das Salamitaktik?

    EIn schelm, der dabei denkt, es könne mit der von der Stadtverwaltung selbst durchgefürhten Dachsanierung und Dachaufstockung in Feyen zu tun haben. Wie jeder sehen kann, hat das Gebäude ein neues Satteldach – auf den alten Murks aufgebaut…

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.