Das Öl-Zeitalter gehört hier der Vergangenheit an

Bürgermeisterin Angelika Birk vo der Hausnummer 2 in der Magnerichstraße. Fotos: Rolf Lorig

Bürgermeisterin Angelika Birk vo der Hausnummer 2 in der Magnerichstraße. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Das erste große Sanierungsvorhaben von städtischen Wohnungen in Trier-West ist abgeschlossen. Am Donnerstag stellte Bürgermeisterin Angelika Birk im Beisein von Ortsvorsteher Horst Erasmy und Repräsentanten von an den Arbeiten beteiligten Unternehmen das frisch renovierte Haus Nr. 2 in der Magnerichstraße den Medien vor.

Von Rolf Lorig

Gut und stattlich sieht es von außen aus, das renovierte Mehrfamilienhaus. Es steht unter Denkmalschutz, seine Renovierung hat die Stadt insgesamt rund 900.000 Euro gekostet. Bei den Bewohnern des Stadtteils stößt es auf großes Interesse. Kein Wunder, werden doch auch die übrigen städtischen Häuser in der Straße in den folgenden Jahren Stück für Stück renoviert werden. Im Haus Nr. 2 gibt es acht unterschiedliche Wohnungen mit einer Größe von 46 – 89 m2.  Im Juni 2015 begannen die Planungen, im Oktober des gleichen Jahres die ausführenden Arbeiten. Die Mieter erhielten für die Dauer der Arbeiten andere Wohnungen, noch in diesem Monat könnten alle wieder neu einziehen. Ein Angebot, das aber nur zwei Mieter nutzen wollen. Leerstände wird es deshalb aber keine geben, Interessenten für die übrigen Wohnungen waren sofort vorhanden.

Doch was wurde hier überhaupt getan? Bürgermeisterin Birk klärt auf: ‟Eine ganze Menge. Das beginnt bei der Heizung. Früher gab es hier pro Wohnung nur einen Öl-Ofen, mehr nicht. Wir haben Bäder eingebaut, auch die gab es in dem aus dem Jahr 1924 stammenden Gebäude nicht.”

Holzböden sind noch original

Architekt Heinrich Masselter (Mitte) erläutert die einzelnen Baumaßnahmen.

Architekt Heinrich Masselter (Mitte) erläutert die einzelnen Baumaßnahmen.

An dieser Stelle überlässt sie dem Fachmann die weiteren Erklärungen. Prokurist Heinrich Masselter von der gbt geht auf die neuen Bäder ein. Dazu habe man die Grundrisse der einzelnen Wohnungen geringfügig verändern müssen, sagt er. Bei den Arbeiten seien auch die Elektro- und Sanitärinstallationen komplett ausgetauscht worden. Dann weist er auf die Fußböden hin. Feinstes Parkett. ‟Sie stehen hier auf Holzböden aus Lärche. Heute fast schon unbezahlbar.” Des Rätsels Lösung: Die Böden stammen noch aus der Originalzeit, wurden lediglich abgeschliffen und wieder aufgearbeitet. Dieses Verfahren soll bei den übrigen noch zur Sanierung anstehenden Wohnungen im Gebäude 1/3 zur Anwendung gelangen.

Vorausgesetzt, die Böden sind noch da. Was nicht in allen Wohnungen der Fall ist: ‟Die wurden dort vermutlich in schlechten Zeiten einfach verfeuert‟, vermutet Masselter. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein; künftig versorgt eine im Dachgeschoss untergebrachte Gas-Zentralheizung alle Zimmer mit der gewünschten Wärme. Die verfeuerten Holzbretter werden durch oderne Bodenbeläge aus Vinyl ersetzt. Stolz ist der Architekt auf das Lüftungssystem, das für ständigen Luftaustausch sorgt und der Schimmelbildung vorbeugen soll. Natürlich können trotzdem alle Fenster wie gewohnt geöffnet werden: ‟Eine Stoßlüftung ist immer noch das beste Mittel.”

Weitere Maßnahmen: Das Dach wurde komplett saniert und mit Schiefer neu eingedeckt. Der Mansardenbereich erhielt eine neue Innendämmung, ebenso die oberste Geschossdecke und Kellerdecke, um den energetischen Anforderungen gerecht werden zu können. Darüber hinaus wurden in enger Absprache mit der Denkmalpflege alle Fenster getauscht, neue feuer- und geräuschhemmende Wohnungstüren eingebaut und die Fassade neu gestrichen.

Mieter sollen nicht überfordert werden

Bei all diesen Veränderungen stellt sich die Frage nach den neuen Mieten. Früher habe man eine Kaltmiete in Höhe von vier Euro/m2 verlangt, antwortet Gabi Schmitt von der städtischen Wohnungswirtschaft und Sozialplanung. Heute könne man angelehnt an den Mietspiegel bis zu 5,95 € für den Quadratmeter nehmen. Den städtischen Gremien will die Abteilungsleiterin nun eine Kaltmiete in Höhe von 5,30 €/m2 vorschlagen. Ein Vorschlag, der die Zustimmung von Bürgermeisterin Angelika Birk findet. Man wolle den Mietern entgegenkommen und sie nicht überfordern, sagt sie. Und ist sich sicher: ‟Es gibt andernorts vergleichbare Wohnungen, die für diesen Preis nicht zu haben sind.”

Der Aufwand hat sich gelohnt: Magnerichstraße Nr. 2

Der Aufwand hat sich gelohnt: Magnerichstraße Nr. 2

Ortsvorsteher Horst Erasmy ist mit dem Ergebnis der Renovierung sehr zufrieden. Natürlich weiß er dass es wichtig ist, die Menschen um eine pflegliche Nutzung der Wohnungen und des Umfeldes anzuhalten. Zusammen mit dem Ortsbeirat hat man da schon einige Überlegungen angestellt. Und ist zu dem Schluss gekommen, dass ein offizieller Hausmeister in jedem Gebäude Sinn machen würde. Für seine Tätigkeit soll der Hausmeister nach Freigabe des Haushalts aus Mitteln des Ortsbeirates finanziell entschädigt werden. Im Gneisenau-Bering habe man mit dieser Lösung bereits sehr gute Erfahrungen gemacht: ‟Wichtig ist, dass dieser Hausmeister im gleichen Haus wohnt und sich für das Umfeld verantwortlich fühlt‟, sagt Erasmy.

Mit dem nun folgenden Einzug der Mieter kann der Leerzug in der Magnerichstraße 1/3 begonnen werden, damit auch hier die Renovierungsarbeiten beginnen können. Was dieses Projekt vom Piloten unterscheidet, ist finanzieller Natur: ‟Für diese Renovierung werden wir auch direkte Zuschüsse erhalten‟, freut sich Gabi Schmitt.

Extra

Weitere Sanierungsmaßnahmen

Mariahof: Hier will die Stadt mithilfe von neu eingestelltem Personal die Sanierung der städtischen Wohnungen komplett alleine stemmen. Dabei handelt es sich um 120 Wohnungen, die in vier Bauabschnitten modernisiert werden sollen. Erste Ausschreibungen sollen in der kommenden Woche erfolgen. Mit dem Beginn der Arbeiten ist im Monat Mai zu rechnen.

Gneisenaubering 33 – 37: Hier soll nach der Sommerpause mit den Bauarbeiten begonnen werden.  Betroffen sind 28 Wohnungfen, die Kosten für die Maßnahme betragen über sech Millionen Euro. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 4 Kommentare

4 Kommentare zu Das Öl-Zeitalter gehört hier der Vergangenheit an

  1. Helios

    Die Überschrift “Das Öl-Zeitalter gehört hier der Vergangenheit an” suggeriert, daß in das genannte Haus eine zukunftsweisende Haustechnik eingebaut wurde. Aber von Solarthermie, Scheitholz- oder Pellets-Heizung keine Rede, sondern Umbau auf Gas-Zentralheizung! Ob mit Erdöl oder Erdgas geheizt wird, macht für mich keinen qualitativen Unterschied – das ist beides noch das Öl-Zeitalter.
    Vielleicht macht die städtische Wohnungsbaugesellschaft bei der Renovierung des nächsten Hauses den richtigen Schritt, dessen Heizung mittels regional verfügbarer Brennstoffe (z.B. Holz) bzw. kostenloser Sonnenenergie zu betreiben.
    Kompetente Beratung gibt’s bei der städtischen Umweltberatung, Herrn Johannes Hill.

     
    • Rainer Landele

      vielleicht werden ja in wenigen jahren alle städtischen (gas)heizungen mit biogas betrieben? 😉

       
  2. Det

    Helios,so kann nur jemand argumentieren,der die zum Teil menschenunwürdigen Zustände im Trierer Westen nur aus der heimischen Postille kennt. Leute,welche aus Gründen wie auch immer dort wohnen,sind in erster Linie froh, das überhaupt etwas sich
    an ihrer Wohnsituation zum besseren geändert hat ob das warme Wasser mit dem man sich den A…h wäscht ökogerecht aus der Leitung rieselt ist da eher sekundär. Bitte aufwachen,aus der eigenen Wohlfühloase!

     
  3. Thomas Schön

    Scheitholzheizung in der Stadt? Oh, mein Gott. Noch nichts von der Feinstaubproblematik gehört? Pellets und Hackschnitzel sind nicht viel besser. Und ob man im sozialen Brennpunkt mit dem erhöhten Wartungsbedarf motiviert umgehen mag, wage ich doch zu bezweifeln. Die haben das schon richtig gemacht mit dem Gas für Trier-West.

     

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