TRIFOLION Echternach eröffnet neue Horizonte

Mit dem Vortrag von Petra Gerster und einer Gesprächsrunde mit Journalisten aus der Region eröffnet das Trifolion am Donnerstag, 7. März, eine neue Runde seiner Gesprächsreihe “Horizonte”. Foto: visit Luxembourg

ECHTERNACH. In der Vortrags- und Talkreihe “Trifolion Horizonte” widmet sich das Trifolion Echternach 2019 dem Jahresoberthema “Freiheit”. Bei sieben Veranstaltungen des Echternacher Kulturzentrums sprechen namhafte Persönlichkeiten und Experten zum Thema Freiheit. Allen voran der amtierende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Aber auch die ZDF-Moderatorin Petra Gerster sowie die Politiker Norbert Lammert und Mars Di Bartolomeo, die Philosophen Thea Dorn und Rüdiger Safranski, der Bestseller-Autor Pater Anselm Grün und auch der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Luxemburg. Heinrich Kreft, melden sich hier zu Wort.

Die meisten westlichen Gesellschaften rühmen sich damit, in politischer, religiöser, gesellschaftlicher, rechtsstaatlicher und vor allem persönlicher Freiheit zu leben. Meinungsfreiheit, Handlungsfreiheit und die Autonomie des Subjekts werden besonders vom Westen als Errungenschaften und Säulen menschlich-gesellschaftlicher Entwicklung gewertet.

Indes stellt sich die Frage, ob unser Verständnis von Freiheit nicht lediglich ein Resultat westlicher Prägung und unserer westlich-abendländischen Kultur und Geschichte ist. Wenn dem so ist, was bedeutet Freiheit dann überhaupt in anderen Kulturen und ist ein kulturübergreifender Konsens vor­stellbar oder zugleich erforderlich als Grundlage von Frieden?

Die ZDF-Moderatorin und Journalistin Petra Gerster eröffnet die “Horizonte”-Reihe am Donnerstag, 7. März. Foto: Rico Rossival

Petra Gerster kritisch zu Facebook: “Werden wir noch richtig informiert?“

Die ZDF-Journalistin Petra Gerster eröffnet am Donnerstag, 7. März, diese Vortragsreihe. In Anlehnung an den Facebook-Schöpfer Mark Zuckerberg stellt sie die bewusst provokante Frage “Werden wir noch richtig informiert? Von der Guten- in die Zuckerberg-Galaxis“. Gersters These: Die große Mehrheit der Menschen denkt dies zwar nicht, dennoch fragen sich inzwischen mehr Leute als früher, wie gut sie eigentlich von den Medien informiert werden und ob man sich noch auf sie verlassen kann. Fakt ist für sie: “Das Vertrauen in die Medien hat abgenommen, und das liegt vor allem am Einfluss der sogenannten sozialen Netzwerke, der neuen ‘fünften Gewalt’ im Staat.”

Die Moderatorin der ZDF-Hauptnachrichtensendung “heute“ und Buchautorin geht den Ursachen dieses Vertrauensverlustes im Gespräch mit Journalisten der Region nach. Sie debattieren darüber, wie Nachrichten gemacht werden, wer entscheidet, was “nachrichtentauglich” ist und was nicht, und nach welchen Kriterien das geschieht. Darüber hinaus wird die Frage erörtert, wie das Internet und die sozialen Medien das Nachrichtengeschäft verändern, wie sich das auf die Qualität der Information auswirkt und welche Rolle die Medien in unserer Gesellschaft spielen.

Ist unser Verständnis von Freiheit nicht lediglich ein Resultat westlich-abendländischer Prägung?

Die meisten westlichen Gesellschaften rühmen sich damit, in politischer, religiöser, gesellschaftlicher, rechtsstaatlicher und vor allem persönlicher Freiheit zu leben. Meinungsfreiheit, Handlungsfreiheit und die Autonomie des Subjekts werden besonders vom Westen als Errungenschaften und Säulen menschlich-gesellschaftlicher Entwicklung gewertet.

Indes stellt sich die Frage, ob unser Verständnis von Freiheit nicht lediglich ein Resultat westlicher Prägung und unserer westlich-abendländischen Kultur und Geschichte ist. Wenn dem so ist, was bedeutet Freiheit dann überhaupt in anderen Kulturen und ist ein kulturübergreifender Konsens vor­stellbar oder zugleich erforderlich als Grundlage von Frieden? Worin drückt sich Freiheit aus? Fühlen und wertschätzen wir Freiheit erst durch das persönliche Erfahren von Unfreiheit und indem wir unsere Freiheit gar gegen die Unfreiheit verteidigen müssen? Die Unfreiheit in Form des Diktats von Dogmen, Macht und ihres, trotz aller Errungenschaften des 21. Jahrhunderts, allzeit möglichen Missbrauchs? Die Unfreiheit eines trotz aller schlimmen Erfahrungen der Geschichte schein­bar erneut aufflammenden Despotismus trotz aller vermeintlichen Rechtsstaatlichkeit? Die Unfreiheit in anderen Kulturkreisen und deren, möglicherweise vom westlichen Freiheitsbegriff abweichende Auffas­sungen, die Unfreiheit, die durch antidemokratische Kräfte in der eigenen Gesellschaft oder durch globale Konzernstrukturen verursacht wird, die zunehmend ordnungspolitische oder sozialstaatliche Instru­mente zur Sicherung des Gemeinwohls außer Kraft setzen? Die teils freiwillig ver­ursachte Unfreiheit menschlicher Selbstbestimmung, die durch das Internet, soziale Netzwerke und die Digi­talisierung aller Lebensbereiche menschlicher Existenz eintritt? Gibt es den freien Willen überhaupt oder sind der Mensch und sein Wille, wie verschiedentlich von Hirnforschern behauptet, determiniert?

Die beiden Politiker Norbert Lammert und Mars Di Bartolomeo widmen sich dem Themenfeld Freiheit und Demokratie, zwei fundamentale Aspekte unserer Gesellschaft, die nicht nur in anderen Teilen der Welt, sondern auch direkt vor der Haustür innerhalb Europas gefährdet zu sein scheinen.

Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident und ehemaliger Luxemburger Premierminister, wird sich in einer Gemeinschaftsveranstaltung der Vertretung der Europäischen Kommission in Luxemburg mit dem Trifolion Echternach anlässlich der Europawahlen im Mai 2019 mit dem Thema Frieden in Europa beschäftigen. Die Veranstaltung findet im Format eines Bürgerdialogs der Europäischen Kommission statt. Dabei wird Jean-Claude Juncker gemeinsam mit den Bürgern diskutieren und nicht nur den Blick auf die EU an sich, sondern auch auf ihre Rolle in der Welt als Garant für Freiheit und Frieden werfen.

Wenn er spricht, kommen die Menschen: Pater Anselm Grün ist am 3. Juni im Trifolion zu Gast. Foto: Rolf Lorig

Von Rüdiger Safranski bis Pater Anselm Grün

Mit Philosophen, Autoren und Querdenkern werden im Trifolion die Themenfelder Freiheit und Patriotismus, das Erstarken neuer radikaler und freiheitsgefährdender Tendenzen sowie die Einschränkung der Freiheit durch die Digitalisierung, globale Konzerne und Überwachungs- und Kontrollmechanismen beleuchtet. Rüdiger Safranski verdeutlicht am Beispiel China, wie sich digitale Kontrollsysteme, die den Menschen mit allen Facetten durchleuchten, zum Verlust der Freiheit führen – eine Entwicklung, die nicht nur China, sondern alle Gesellschaften weltweit erfasst. Thea Dorn betrachtet den Aspekt Freiheit hingegen unter den Gesichtspunkten des Gefühls des Identitätsverlusts und des neu aufkeimenden Patriotismus.

Die beiden Abschlussveranstaltungen im Juni widmen sich dem Themenkomplex Freiheit von einer religiösen Seite. Pater Anselm Grün lenkt den Fokus dabei auf das Individuum, indem er Freiheit durch Verwandlung thematisiert und dabei die spirituelle Komponente der persönlichen Freiheit betrachtet. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Luxemburg, Heinrich Kreft, setzt sich stark für die Religionsfreiheit als Garant und als Indiz für Freiheit ein. Im Rahmen der Münchener Sicherheitskonferenz hat er in den vergangenen drei Jahren jeweils ein Panel zur Lage religiöser Minderheiten und zur Bedeutung der Religionsfreiheit im Nahen Osten moderiert und sich immer wieder mit der Religions- und Weltanschauungsfreiheit in verschiedenen Ländern und Kulturen beschäftigt.

Wie zu allen Veranstaltungen des Trifolions kann auch hier der kostengünstige Busshuttle-Service genutzt werden. Die Abfahrtszeit von Trier aus ist um 18.45 Uhr am Abteiplatz/Matthiasbasilika (Matthiasstraße 85, D-54290 Trier); das Hin- & Rückticket kostet 5 Euro/ Person. Die Rückfahrt erfolgt umgehend nach Veranstaltungsende. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft, Trifolion Hinterlasse einen Kommentar

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