Das Tufa-Programm im Januar

“Wenn der Friede kommt – wird der Krieg beginnen.”

Der historische Schock war gigantisch. Der 1. Weltkrieg katapultierte die europäische Gesellschaft in die Moderne. Nichts ist seitdem mehr wie es war. Nachwirkungen sind über alle historischen Epochen hinweg bis heute zu spüren.

Es ist das Verdienst des bedeutenden österreichischen Schriftstellers Karl Kraus, nicht nur die Verrohung bei den Militärtruppen aufgewiesen zu haben, sondern vor allem auch die seelische und moralische Deformierung an der sogenannten „Heimat-Front“.

Die Lesung am Donnerstag, 5. Januar (20 Uhr, kleiner Saal) mit  Szenen aus “Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus (mit Katharina Bihler, Jörg W. Gronius, Achim Schmitt und Stefan Schön) bringt dies auf den Punkt.

Denis Wittberg & seine Schellack Solisten – Zeitlos

Am Freitag, 6. Januar (20 Uhr, großer Saal) beweisen Denis Wittberg und seine Schellack-Solisten mit weiteren Werken aus der ‟Neuen Deutschen Welle‟, dass die Schlagerwelt der frühen achtziger Jahre nie an Popularität verloren hat. Aber auch die Werke aus den 20er Jahren kommen nicht zu kurz und erstrahlen im neuen orchestralen Klang, als wären sie aus dem goldenen Trichter eines Grammophones entsprungen, wobei man lediglich das Rauschen und Knistern einer Schellack-Platte vermisst. Spritzig wie Champagner erklingen Foxtrott, Walzer und Tango und vermitteln dem geneigten Publikum ein ganz besonderes Seh´– und Hörerlebnis. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Jens Hunstein.

 

Stenzel & Kivits – The impossible Concert

Am Samstag, 7. Januar, 20 Uhr, geben Stenzel & Kivits im großen Saal ein unmögliches Konzert. In ihrem neuen Comedyshow ist kein klassisches Thema vor ihren Improvisationen und Persiflagen sicher. Ebenso werden Jazz, Pop und Folklore mit außergewöhnlichen und einfallsreichen Musikinstrumenten interpretiert.
Der Ideenreichtum der beiden Musiker scheint unerschöpflich, sie verstehen ihr Hand- und Mundwerk. Nicht von ungefähr wird das duo, beide ausgebildete Musiker, mit Preisen überhäuft und international zu den wichtigsten Comedyfestivals eingeladen. Stenzel &Kivits überzeugen sowohl Jury als auch das Publikum. 2015 sind sie nun 4fache Preisträger: Tuttlinger Krähe: 1. Preis der Jury und Publikumspreis St. Ingberter Pfanne: Jurypreis und Publikumspreis. Urkomische Musik-Comedy.

 

Pianissimo? Nö! # 4: Duo con Piano – „Tanzstück für 2 Pianisten“

Gleich an zwei Abenden, am 11. und 12. Januar, gibt es jeweils um 20 Uhr im großen Saal ein Klavierkonzert der besonderen Art. Annalisa Derossi und Gianfranco Celestino präsentieren sich als Pianisten und Tänzer. Beide sind studierte Pianisten als auch professionelle Tänzer, beide stammen aus Turin, beide leben seit langem im Ausland und beide haben schon ein Solo mit Flügel choreografiert. Grenzgänger in der Kunst und im Leben und erzeugen dadurch ebenso Harmonie wie Reibung, Gleichklang wie Dissens. In Duo con Piano verlassen sie die, für uns gewohnte, Schublade einer Kunstform und verbinden hier erstaunlich komplizenhaft ihre gleich starken Kompetenzen – beide tanzen, beiden spielen Piano, beide choreografieren und komponieren – wer ist wer, wer ist was…?

 

Holler mydear – Eat, drink & be merry

Musikalisch geht es am Freitag, 13. Januar, 20 Uhr, großer Saal, mit ‟Holler mydear‟ weiter. Wenn Freunde zum Essen einladen, dann kommt man nicht mit leeren Händen. Wenn Holler myDear zum Essen, Trinken und Fröhlichsein rufen, kommt man lieber nicht mit vollem Magen!

Die Berliner schmeißen mit ihrem neuen Album ein Fest, auf dem getanzt werden darf: “Eat, drink and be merry” tönt die vielseitige Bande aus der Folk-Küche und tischt sowohl herzhaft-vertraute, als auch bittersüße und deftig-scharfe Klänge auf.Holler MyDear kredenzt Akustik-Pop als wärmendes Antidepressivum und verteilt großzügig Swing und Funk als würzende Tinktur in feinen Kristallgläsern.

 

Kabarettmeisterschaft: Frankfurter Klasse / Robert Alan

Am Samstag, 14. Januar, 20 Uhr, geht im großen Saal die Kabarettmeisterschaft weiter. Dabei wetteifern 14 Kabarettisten, Comedians, PoetrySlammer und andere Kleinkünstler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum in 13 Theatern um den Titel ‟Deutscher Kabarettmeister“.

Sie haben ein großes Herz für gesellschaftliche Außenseiter: Mit ihren insgesamt zehn unterschiedlichen Figuren erschaffen die Frankfurter Comedians Tim Karasch& Jochen Döring derbste Großstadt-Milieucomedy. Über Youtube und ‚Nightwash’ inzwischen die bekanntesten, verbreiten Zeynep, das türkische It-Girl mit rosa Lifestyle und Conchita-Appeal, und ihr arabischstämmiger Aggro-Hip-Hop-FreundNabil ihre schrägen Ansichten. Also genau so Typen, die sonst nirgendwo reingelassen werden. Die Frankfurter Klasse schaut dem Volk aufs unreflektierte Maul.

Robert Alan wollte früher Rapper werden. Diese wurden aber Mitte der 90er Jahre mit großer Beliebtheit erschossen, sodass er beschloss, ungefährlichere Musik zu machen.

Seitdem sitzt er als Swinger-Songrider am Klavier – frei nach dem Motto „Don’t shoot me, I’m only the Piano player!” In seinem ersten Soloprogramm “Die Robert Alan Show” erzählt der DDR-Flüchtling von seinem Werdegang vom harten Rapper zum härteren Humoristen, singt Lovesongs und tanzt wie ein junges Rehkitz.

 

Back to Rojava – Der kurdische Traum in Syrien

Vernissage am 20. Januar, 19 Uhr, im 1. OG: Die Kurden sind die größte nichtarabische Minderheit Syriens. Sie nennen den von ihnen bewohnten Teil des Landes Rojavayê Kurdistan, «Westkurdistan», oder einfach: Rojava, «Westen». Seine 2,5 Millionen Bewohner treten jetzt aus dem Schatten ihrer Leidensgeschichte heraus. Ihre gemeinsame Erinnerung ist das Syrien eines schier ewigen Baath-Regimes, das sie gewaltsam verfolgte, ihnen die eigene Sprache verbat und die Bürgerrechte vorenthielt.

Mark Mühlhaus ist Teil des Photographen-Kollektivs attenzione und besuchte seit Herbst 2014 mehrmals die kurdische Region in Syrien und in der Türkei. In der kurdischen Kleinstadt Suruç (kurdisch: Pirsûs) dokumentierte er das Flüchtlingsleben derer, die dort Schutz und Obdach fanden, nachdem der IS ihre Stadt Kobanê angegriffen hatte. In Rojava selbst besuchte Mühlhaus die christlich-kurdische Stadt Dêrik (arabisch: Al-Malikiya) nahe der Grenze zum Irak und das dortige yezidische Flüchtlingslager. Er nahm an Beerdigungen von kurdischen Kämpfer_innen teil und konnte mit christlichen Milizen die vom IS zerstörten Dörfer der assyrischen Bevölkerung besuchen. Mühlhaus geht es nicht nur um Fotografien des Wiederaufbaus, sondern gleichsam darum, Momente des Menschlichen, ja sogar der Schönheit, festzuhalten. Etwa das Bemühen der örtlichen Ärzte trotz fehlendem Strom Notfalloperationen durchzuführen; oder aber jenen Moment, wenn er, als einer der wenigen europäischen Fotografen, die Ufer des Euphrat erreicht.

 

Josef Hammen: 366 x TRIER – ‟Trier – Szenen einer Stadt“

Und noch eine Foto-Vernissage (20 Uhr) am gleichen Abend im 2. OG: Ein Jahr lang malte Josef Hammen sein Trier, täglich ein Bild, 20 x 20 xm groß, Öl auf Leinwand. Entstanden ist eine wundervolle Reise durch Trier mit 366 kunstvollen Stationen. Sie führt durch das historische Zentrum zu entlegenen Winkeln und Stadtvierteln, zeigt Sehenswertes auch in weniger bekannten Motiven. Auf Vertrautes folgen neue Perspektiven. Alltagsmomente präsentieren sich in wechselnden Farben, Lichtstimmungen und Tageszeiten. Die außergewöhnliche Ausstellung wirft einen umfassenden Blick auf unser lebenswertes Trier und die Geschichte des Projektes.

 

Ludger K. – Was Nietzsche über Merkel wusste

Ludger K. alias Ludger Kusenberg, Deutschlands einziger konservativer Kabarettist, ist abgetaucht in ausrangierte Uralt-Bestände deutscher Bibliotheken und präsentiert Fundstücke, die so aktuell klingen wie ein Kommentar auf SPIEGEL-online, aber meist älter sind als der älteste Zuschauer im Raum. Wer glaubt iPhone, EURO-Rettung und Wahlkampf-Tricks der Politik seien Phänomene der Medien-Ära erlebt auf einer Zeitreise die Prophetie aus vergangenen Jahrhunderten – erstaunlich, weitsichtig und irre witzig. Dieses Programm gibt es am Freitag, 20. Januar, 20 Uhr, im kleinen Saal.

 

Kunstsalon: Stadtführungen – 366 x Trier:Josef Hammens Trier erleben

Zu einem Kunstsalon der anderen Art lädt Rainer Breuer gleich zweimal an einem Tag ein: Zur Abschlussausstellung des Daily-Painting-Projektes „Szenen einer Stadt“ finden Stadtführungen im Rahmen des Salons statt. Die Führungen mit witzigen Geschichten und wissenswerten Fakten, persönlichen Eindrücken und aufschlussreichen Erläuterungen zu Josef Hammens Trier in 366 Bilder berichten von ausgewählten Stadtmotiven und ihren realen Vorbildern. Und: Für die Führungen konnten echte Stadtführer gewonnen werden!

Darüberhinaus gibt es Informationen über die künstlerische Bedeutung des Daily Paintings, die täglichen Herausforderungen für den Künstler, und es werden die einfachen aber manchmal drängenden Fragen beantwortet: Wo ist das eigentlich? Die Führungen finden im 2. OG der Tufa statt, was bedeutet, dass man in 1 Stunde 30 km oder mehr quer durch Stadt spielend schafft. Sonntag, 22. Januar, 12 und 16 Uhr im zweiten Obergeschoss.

 

Jan Plewka / Leo Schmidthals – RAUSCH – Drei Konzerte

Mittwoch, 25. Januar, 20 Uhr, großer Saal: Eine Bar. Zwei Männer. Ein Klavier. So beginnt es. Es wird geraucht und getrunken. Gelärmt, gelacht und gestritten. Umarmt und geküßt. Es wird getanzt und gesungen. Und endet im Rausch.

Der neue musikalische Theaterabend von Jan Plewka und Tom Stromberg geht mit musikalischen Mitteln der Frage nach, ob das Leben vielleicht ein sinnloser Ort und überhaupt nur im Rauschzustand zu ertragen ist. Im Alkoholrausch, im Liebes- oder Drogenrausch. Jedem Rausch wird an diesem Abend ein eigenes Konzert gewidmet. Und Tom Stromberg läßt die beiden Protagonisten des Stücks Jan Plewka, Frontmann von Selig, und dessen Bandkollegen und Multiinstrumentalisten Leo Schmidthals dabei nicht nur die Geschichten von Musikern erzählen, sondern schickt sie auch durch die Musikgeschichte. Von den Beatles bis zu Deichkind, von Heinz Erhard bis zu Iggy Pop.

Es ist dies bereits die dritte Produktion, die Tom Stromberg und Jan Plewka gemeinsam bestreiten. Nach ihrem, mit über 200 gespielten Vorstellungen überaus erfolgreichen Rio Reiser – Abend und dem nicht minder erfolgreichen Sound of Silence, einer Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen und des Internationalen Sommerfestivals Hamburg. Ergänzt diesmal um Leo Schmidthals, Selig – Bandkollege von Jan Plewka und kongenialer Begleiter an einer Vielzahl von Instrumenten.

 

Lars Reichow – Freiheit!

Donnerstag, 26. Januar, 20 Uhr, großer Saal: Immer nur machen, was man will. Das ist vielleicht langweilig. Deswegen können es auch manche kaum erwarten, den eigenen Garten einzuzäunen und das Wachstum zu unterdrücken. Während andere Völker die Freiheit mit den Zähnen verteidigen, geben wir sie mit einem knackigen Passwort am Computer ab. Hat man je einen Fisch zur Freiheit im Netz befragt? Für viele bedeutet Freiheit einfach nur durchzuschlafen, ohne aufs Klo zu gehen. Reicht Ihnen das?
Reichows Freiheit funktioniert anders. Er hat ein Programm geschrieben für freie Menschen mit freiem Geist. Auf der Suche nach den letzten großen Vergnügungen, Freiheit in Freizeit – grenzenloses Vergnügen im kabarettistischen Paradies. Wo die Pointen noch höher hängen als die Menschentrauben. Einziger Nachteil: Der Eintritt ist nicht frei.

 

ONKeLfISCH blickt zurück

Das Programm im Januar endet am Samstag, 28. Januar um 20 Uhr mit einem satirischen Jahresrückblick mit dem Witzigsten aus 2016. Die SWR 3 Hörer kennen den gleichnamigen, kultigen Wochenrückblick mit dem Satiriker-Duo ONKeLfISCH. Und diesmal gehen die charmanten fiSCHe Adrian Engels und Markus Riedinger in die Vollen und nehmen sich ein ganzes Jahr zur Brust. Mit ihrer virtuosen Mischung aus anspruchsvollen Inhalten, bissiger Analyse und hemmungsloser Komik wird 2016 auf links gedreht.

Dieser Jahresrückblick ist anders, denn die beiden Bewegungsfanatiker von ONKeLfISCH präsentieren 366 Tage (Schaltjahr!) in 90 atemlosen Minuten: Hier wird nach Herzenslust gespottet, gelobt, geschimpft, gesungen und getanzt. Was sind die Erkenntnisse des Jahres 2016? Ist der Brexit wie ein englisch gebratenes Steak: Eben mal kurz heiß gemacht und dafür echt zu teuer? Die Endlos-Soap „Merkel und Horst in Love“ oder auch „50 Shades Of Hate“: Wer hat die Peitsche in der Hand? Ist das Samsung Galaxy Note 7 der erste anrufbare Grillanzünder? ONKeLfISCH verraten es.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Die Reporter-Meldungen, inside54.de Hinterlasse einen Kommentar

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