Der Kommentar – Die Geister, die sie riefen…

Egger trägt am Theater-Chaos ein gerüttelt Maß Mitschuld. Foto: Rolf Lorig

Egger trägt am Theater-Chaos ein gerüttelt Maß Mitschuld. Foto: Rolf Lorig

Alles gut? Mitnichten. Wolfram Leibe hat wieder einmal die Reißleine beim Theater gezogen. Aber dem Stadtchef geht die Geduld aus. Und das ist nur allzu verständlich. Er muss sich mit täglich mit jenen Auswirkungen herumschlagen, die ihm ein verantwortungsloser Stadtrat aufgebürdet hat – von der CDU über die eigene Partei bis hin zu den Linken. Leibe spricht vom Reparaturbetrieb Theater. Und selbst das ist noch ein wohlwollender Euphemismus. Chaosladen träfe den Zustand eher. Dieses Chaos haben die Trierer Feierabend-Politiker aus Rat und Ausschüssen angerichtet, die jüngst zu feige waren, den eigenen Fehler einzugestehen und die Ära Sibelius zu beenden. Stattdessen wurde der Vertrag des Österreichers um weitere vier Jahre verlängert. Nun kehrt Ulf Frötzschner mit breiter Brust ans Theater zurück. Man muss kein Hellseher sein, um zu prognostizieren: Der nächste Ärger ist vorprogrammiert! Ein Kommentar von Eric Thielen

Sie alle wollten es so. Alle, ohne Ausnahme. Alles sollte anders werden und möglichst alles besser. Ein Intendant als Alleinherrscher. So wollte es der Rat. So wollte es der Kulturausschuss. Weg mit den alten Zöpfen: Alles neu macht der Österreicher. Man muss Karl Sibelius nicht Charakterlosigkeit vorwerfen. Die meisten anderen Menschen hätten bei all den Degradierungen zwar schon längst von selbst ihren Hut genommen. Doch das ist nicht das beherrschende Thema. Der Doktor Sibelius muss mit sich selbst ausmachen, was für ihn gut und was weniger gut ist, und wie er dem morgendlichen Rasierspiegel begegnet.


Zum Thema − “Ich hab’ die Faxen dicke!”


Die Entscheidung, Frötzschner ans Theater zurückzuholen, ist fraglos richtig. Das aber darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Leibe auch diesmal wieder nur eingeschränkt reparieren kann, was andere angerichtet hatten. Und jetzt schon dürfen sich die Damen und Herren Amateurpolitiker aus Rat und Ausschüssen darauf einstellen, dass es nicht die letzte Reißleine gewesen ist, die der OB ziehen musste. Irgendwann allerdings ist der Boden so nahe, dass auch die Reißleine nicht mehr hilft. Dann kommt der Aufprall. Das war’s dann – endgültig!

Der Kommentar

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Der Imageschaden für das Theater ist nämlich jetzt schon irreparabel. Die Abozahlen sind im freien Fall, der Zuschauerrückgang existenziell gefährlich. Und das interne Chaos wird dafür sorgen, dass auch weiterhin keine Ruhe einkehrt am Augustinerhof. Leibe bleibt nur ein Ausweg: Er muss zunächst dafür sorgen, dass Sibelius wegen des Alleingangs in Frankfurt offiziell und schriftlich abgemahnt wird. Damit bei weiteren Vorfällen eine außerordentliche Kündigung ohne Schaden für die Stadt möglich ist. Schließlich braucht der Stadtchef einen extrem harten Hund als neuen Verwaltungsdirektor, der dem Österreicher täglich auf die Finger klopft. Mit Nettigkeiten und Verständnis ist hier kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Seinen Kulturdezernenten und Parteifreund Thomas Egger muss Leibe ferner dringend einnorden. Das Eingeständnis von Fehlern ist zwar ein feiner Zug, kann aber nicht als Maxime von Politik gelten gelassen werden. Dass die eigene Partei nun von Egger abrückte, kommt Leibe dabei durchaus zupass. Denn der Sozialdemokrat Egger trägt ein gerüttelt Maß Mitschuld an den chaotischen Zuständen im Theater – weil er die Zügel schleifen ließ, anstatt durchzugreifen. Die Mehrheit der Ratsfraktionen aber muss endlich begreifen, was sie in Vergangenheit und jüngst erst wieder angerichtet hat. Die Wellen, die durch die selbstverschuldete Krise des Theaters ausgelöst wurden, reichen inzwischen sogar bis nach Mainz. Der Kulturausschuss des Landtages wird sich demnächst mit den Zuständen in Trier beschäftigen.

Wer glaubt ernsthaft daran, dass Mainz bei möglichen 40 oder 50 Millionen Euro Kosten für die Theatersanierung auch nur einen roten Cent in das Trierer Chaos-Theater steckt? Nur die Dümmsten! Stadtrat und Ausschüsse haben in ihrer Einfältigkeit genug Schaden angerichtet. Leider können sie nicht in Regress genommen werden. Die Geister, die sie riefen, toben nun munter umher. Schreckensgeister! Und mit denen muss Leibe sich herumschlagen, während die Feierabend-Politiker ihre Hände in Unschuld waschen. Verkehrte Trierer Welt!


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, inside54.de, Meinung 10 Kommentare

10 Kommentare zu Der Kommentar – Die Geister, die sie riefen…

  1. Susanne Decker

    Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen! Ich wundere mich nur, wo die beleidigten Kommentare der Lokalpolitiker wie von Herrn Landele & Co. und bleiben, der mir hier noch vor zwei Wochen auf sehr überhebliche Art und Weise die (Theater)-Welt erklärt hat…
    Liebe Kommunalpolitiker: Ein Fehler wird nicht dadurch gutgemacht, indem man den nächsten hinterherschiebt – der Vertrag mit Sibelius hätte niemals verlängert werden dürfen, soviel steht wohl fest!!

     
    • Rainer Landele

      wieso beleidigte kommentare?

      meinten sie nicht vielmehr beleidigende kommentare, wenn sie mir übergebliche art und weise unterstellen?

      ich bezweifle sowohl, dass ich ihnen damals die theaterwelt erklärt habe, als auch, dass sie in der lage sind, andere komplexere sichtweisen zu erfassen.

      und wieso soll ich mich zu dem debakel am trierer theater nun anders äußern als bisher? wenn sie mich nicht fälschlich in einen nicht passenden topf werfen würden (landele & co – wer soll “co” sein?), wäre ihnen aufgefallen, dass ich gerade nicht zu den verteidigern des intendanten oder gar des (stadtrat)kurses hinsichtlich der zukunft des theaters gehöre. im gegenteil…

       
  2. Deja Vu

    “Ein “wirtschaftliches Vorzeigemodell” wollte Karl M. Sibelius aus dem Theater an der Rott machen. Doch so viel bewundert die künstlerische Qualität und das Marketing seiner dreijährigen Intendanz war, so enttäuschend sind eben die wirtschaftlichen Zahlen, wie jetzt im Kulturausschuss des Landkreises Rottal-Inn erörtert wurde. “Ich bin angetreten, oder werde antreten, das Theater künstlerisch und finanziell in ruhigere Gewässer zu steuern”, versicherte Lohr.

    Im Jahr 2011 wurde bei einem Fehlbetrag von 647383 Euro noch eine Kostendeckung von 59 Prozent erzielt. Hatte die Verwaltung heuer im Ansatz noch mit 1,085 Millionen (48 Prozent) gerechnet, so sieht die Prognose bis Jahresende einen Fehlbetrag von 1,151 Millionen und eine Kostendeckung von 47 Prozent vor. Im Jahr 2011, zum Ende der Intendanz von Mario Eick, legte der Landkreis für jeden Besucher 19 Euro an Zuschuss zur Kostendeckung drauf. In den Folgejahren waren es schon 32 bzw. 45 Euro, im vergangenen Jahr 42 Euro. Für das laufende Jahr hatte man einen Ansatz von 35 Euro, die Prognose jedoch lautet mittlerweile auf 44 Euro.

    Kreisrat Thomas Pröckl (CSU) kommentierte: “Entscheidend ist: die Zuschauer sind uns davongelaufen”. Das hänge auch, so Pröckl, an Karl M. Sibelius. Er sei überzeugt, dass es mit Uwe Lohr eine andere Grundlage gebe.” Quelle: Passauer Neue Presse

     
  3. Veronika

    “Er ist der fünfte Intendant am Theater an der Rott: Dr. Uwe Lohr. Seit August des vergangenen Jahres führt er Deutschlands einziges Landkreistheater. Jetzt hat er nach seiner ersten Saison Bilanz gezogen, und diese fällt sehr positiv aus – auch im Hinblick auf ein deutliches Plus bei den Besuchern. Zudem hat das Theater einige Preise abgeräumt.” Aus dem Rottaler Anzeiger vom 7.7. 16
    Und uns wird verkauft, dass ein Einbruch bei den Zuschauerzahlen bei einem Intendantenwechsel völlig normal sei.
    Oder sind Steigerungen nur normal, wenn ein Genie wie der Herr Generalintendant Sibelius die Zahlen vorher so gehörig in den Keller gefahren hat, dass einem Nachfolger nichts anderes als eine Steigerung übrig bleibt? Na, wir haben ja noch Spielraum nach unten.

     
  4. Deja Vu

    Das wundert mich auch, wo ist denn jetzt der allwissende und besserwissende Herr Landele? Und was ist mit Herrn Egger, wie viele Fauxpas darf er sich noch erlauben? Siehe auch TTM.

     
    • Rainer Landele

      wovon reden sie? inwiefern allwissend und besserwissend?

      was arbeitet ihr anonymen spacken euch eigentlich an mir ab (und, ja: anonyme heckenschützen darf man spacken nennen!)? gerade in dieser frage LOL

      also auch sie werfen mich in einen falschen topf. etwa, weil ich die art und weise der berichterstattung durch den rasenden reporter kritisierte?

      suchen sie mal auch nur einen kommentar von mir, wo ich herrn sibelius verteidigte oder die beschlüsse des stadtrates hinsichtlich des theaters!

      ich errinnerte mal an den offenen brief von gerd dahm:

      http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/kultur/Kultur-Politiker-kritisiert-Trierer-Theaterintendanten-Sibelius-Ihr-Fuehrungsstil-ist-beschaemend;art764,4262311

      mit der bemerkung: entweder fährt s. das ding an die wand, oder da ist ein genie am werk. letzteres gibt es selten – bei manchen reicht es aber noch nicht einmal zu differenzierter lesekompetenz.

       
  5. anna

    Hier ein Schreiben von Dr. Uwe Lohr

    Zuerst möchte ich festhalten, dass Karl Sibelius und ich immer wunderbar zusammengearbeitet haben, wir kennen uns nun seit über 10 Jahren, haben bereits in Linz intensiv zusammengearbeitet.
    Bei einem Team von insg. 15 nach Tarif beschäftigten MitarbeiterInnen (inkl. Reinigungskräften) beim Amtsantritt im Jahr 2012 lässt eine zu hohe Arbeitsbelastung erahnen, daher war die Neustrukturierung des theater // an der rott, die ja auch die Basis für meine Arbeit als Intendant ist, der oberste Ansatz Karls.
    Gerade in einem ländlichen Raum wie dem Einzugsgebiet des theater // an der rott sind über Jahrzehnte eingefahrene Strukturen sehr schwer aufzubrechen und zu erneuern, es gilt viele künstlerische Ansätze auszuprobieren, manche Dinge funktionieren, andere müssen aufgegeben werden, auch im personellen Bereich kommt es zu Veränderungen (neue Aufgabenbereiche kommen dazu), das ist ein normaler Vorgang, doch gerade dafür wurde Karl Sibelius vom Kulturausschuss zum Intendanten bestellt.

    1) Zuschauerzahlen:
    Ja, es kam zu einem Rückgang der Zuschauerzahlen, z.B. bei den Seniorenverbänden/Frauenbund, u.ä. Gruppen, die üblicherweise die Operette besucht haben (siehe Punkt 2) und beim älteren Publikum. Zur Verdeutlichung: Bei Amtsantritt von Karl Sibelius in Eggenfelden lag der Altersschnitt des Publikums bei 62,5 Jahren (Publikumsbefragung vor Start Sibelius). Wie bereits beim Hearing angekündigt, hat Karl es durch seine Arbeit geschafft, den Altersschnitt auf 50 Jahre zu senken und neue Publikumsschichten zu gewinnen, die nachweislich davor nie im theater // an der rott gewesen waren (Publikumsbefragung 1 Jahr Sibelius). Doch nur durch neues Publikum lässt sich ein Mehrsparten-Haus im ländlichen Bereich zukunftssicher machen.

    2) künstlerischer Neustart:
    Die Notwendigkeit einen ganz neuen Weg einzuschlagen, liegt sicher auch in der Geschichte des Hauses begründet, denn das theater // an der rott wurde als Operetten-Haus gegründet, der erste Intendant war zudem 34 Jahre lang ein Verfechter von Unterhaltungstheater und hat sich bereits 1965(!) bei einem Intendantentreffen in Erlangen gegen den Bildungsauftrag von Theater ausgesprochen (lässt sich in der Passauer Neuen Presse nachlesen, Quelle habe ich grade nicht zur Hand).
    Mit OpernURaufführungen (hatte es in der Geschichte des theater // an der rott nie gegeben), modernen Klassikern, bayerischen Stücken, der Etablierung von neuen Spielorten in Eggenfelden und Pfarrkirchen oder auch der Ermöglichung von Bürgerprojekten (Tanzprojekte, Schülerprojekte, religions-/kulturen übergreifende Projekte) hat Karl Sibelius diesen Bildungsauftrag sehr ernst genommen und durch die Modernisierung des Spielplans die überregionale Aufmerksamkeit auf das theater // an der rott gelenkt.

    3) neue Strukturen:
    Mit dem sofortigen Beitritt zum dt. Bühnenverein konnten wir die Basis für moderne Strukturen am theater // an der rott schaffen. Zur Personalstruktur ein Detail vor Sibelius: in den künstlerischen Bereichen waren die MitarbeiterInnen nur für 5-10 Monate beschäftigt (bei sehr geringen Gagen), manche auf 450 Euro-Basis, es waren also im Sommer alle künstlerischen MitarbeiterInnen arbeitslos gemeldet. Diesen Missstand wollte Karl Sibelius als Erstes abstellen und hat die Gagen in den künstlerischen Bereichen auf ein der Größe des Hauses angemessenes Niveau gehoben. Die Vorarbeit von Karl Sibelius ermöglicht mir als seinem Nachfolger nun als nächsten Schritt, viele Stellen nach NVBühne zu schaffen und damit faire Arbeitsbedingungen zu bieten.

    Zu den Finanzen: Karl Sibelius hat bereits vor Amtsantritt in Eggenfelden darauf hingewiesen, dass faire Bezahlung, neue moderne Strukturen und eine Neuausrichtung des Spielplans einen höheren Zuschussbedarf bedeuten. (eine Übersicht der Zahlen hat eine Zeitung aus Trier angefordert, die hat das LRA erstellt und geschickt, da diese mir in der aufbereiteten Form nicht vorliegen, habe nur durch Zufall von der anfrage erfahren, halte ich mich hier zurück)

     
    • F.Huber

      Lieber Herr Lohr, so eine “Bildungsstätte” braucht weder Trier noch der Landkreis Rottal-Inn. Dass sie schon lange Jahre mit Herrn Sibelius zusammengearbeitet haben und trotzdem nur wenig dazugelernt haben, spricht nicht für Sie. Ich und auch andere Steuerzahler im Landkreis und gewiß auch in der Stadt Trier und dem Land Rheinland-Pfalz sehen nicht ein, warum mit den Steuern der Allgemeinheit Experimente in Theatern unternommen werden, die die Folge haben, daß die Zuschauer ausbleiben und das Defizit erhöht wird. Ihr Umschwenken bezüglich der Programmwahl spricht Bände. Bände gegen Ihren ehemaligen Vorgesetzten. Wer so ein Theater möchte, sollte es privatisieren, aber keine Steuern verschwenden, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden.

       
  6. anna

    @landele: Da ist ein Genie am Werk! Trier braucht nur etwas länger, um das zu realisieren und zu schätzen!

     
    • Spekulatius

      anna, oh anna…

      Sach mal, das ist doch jetzt wirklich Realsatire, meinste nicht? Bhagwan, ick hör dir trapsen.

       

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