Der Mann für das ganz große Geld

Der neue Intendant Karl M. Sibelius ist in die Planungen des Theater-Neubaus eng einbezogen.

Der neue Intendant Karl M. Sibelius ist in die Planungen des Theater-Neubaus eng einbezogen.

TRIER. Schwindlig ist ihm bisher wohl noch nicht geworden. Und wenn doch, wird es sein Geheimnis bleiben. Triers parteiloser Dezernent Thomas Egger ist aktuell im Rathaus der Mann für das ganz große Geld. Den Neubau der Trierer Feuerwehr hat der ehemalige Freidemokrat unter seiner Regie. Bis zu 40 Millionen Euro, vielleicht auch mehr, stehen hier an. Parallel dazu treibt Egger seinen zweiten Neubau voran – den des Trierer Theaters. Die ursprüngliche Schmerzgrenze von 40 Millionen Euro ist nach reporter-Informationen wohl nicht mehr zu halten. Nach eingehender Analyse in Zusammenarbeit mit dem künftigen Intendanten Karl M. Sibelius und dem Berliner Architekten Professor Jörg Springer sind die Fachleute zum Ergebnis gekommen: Der Neubau des Kulturhauses könnte bis zu 50 Millionen Euro kosten. Am Standort Augustinerhof wird hingegen festgehalten. Egger will nun schnellstmöglich einen Architektenwettbewerb ausschreiben lassen, um so konkret in die Verhandlungen mit dem Land über die Fördermittel eintreten zu können. Der künftige Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) hatte bereits im November im Interview mit dem reporter angekündigt, er wolle bis zum Sommer die ausgearbeiteten Unterlagen in Mainz einreichen. Der scheidende Theater-Intendant Gerhard Weber stellte zudem am Dienstagabend im Kulturausschuss die Bilanzzahlen der Spielzeit 2013/2014 vor. Demnach konnte das Kulturhaus gegenüber dem Vorjahr zulegen: 112.271 Zuschauer strömten zu den Vorstellungen – und damit über 7.000 mehr als in der vorherigen Spielzeit.

Ausnahmsweise einmal kein politischer Streit über Grundsätze: Der Neubau des Trierer Theaters ist unter den Stadtratsfraktionen und Parteien weitgehend Konsens. Nur die Alternative für Deutschland entzieht sich diesem. In der Ratssitzung zum städtischen Doppelhaushalt hatte AfD-Chef Michael Frisch einen Bürgerentscheid zum Theater-Neubau angekündigt. Die neuesten Zahlen dürften Wasser auf Frischs Mühlen sein. Denn jetzt werden bis zu 50 Millionen Euro für das Kulturhaus fällig. Darunter ist der Neubau am Augustinerhof wohl nicht zu haben. Der Kulturausschuss hat am Dienstagabend geheim über die aktuelle Egger-Vorlage beraten. Eine Entscheidung fiel nach reporter-Informationen jedoch nicht. Denn angesichts des großen finanziellen Volumens wollen alle Fraktionen die erst kürzlich vom Dezernenten vorgelegten Unterlagen zunächst einmal eingehend prüfen. Im April wird der Kulturausschuss dann weiterführend über den Theaterneubau beraten. Erst dann ist mit einer Entscheidung zu rechnen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte bereits Anfang Februar im großen reporter-Interview die grundsätzliche Bereitschaft des Landes zur Mitfinanzierung erklärt. “Klar ist, dass wir als Landesregierung uns die Region Trier nicht ohne Theater vorstellen können”, hatte Dreyer betont. Über alle Fördermöglichkeiten könnte die Stadt bei Gesamtkosten von rund 50 Millionen Euro bis zu 40 Millionen Euro in Mainz abgreifen. Damit wäre ein Großteil der Kosten gedeckelt. Bis spätestens zum Sommer will Dezernent Egger in Absprache mit dem neuen Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) die konkreten Pläne in der Landeshauptstadt vorstellen.

Der Mann für das ganz große Geld: Mit der Feuerwache und dem Theater verantwortet Egger zwei Neubauten, die nahe an die 100-Millionen-Euro-Grenze gehen.

Der Mann für das ganz große Geld: Mit der Feuerwache und dem Theater verantwortet Egger zwei Neubauten, die nahe an die 100-Millionen-Euro-Grenze gehen.

Die sehen aktuell einen kompletten Neubau am Augustinerhof vor. In der Egger-Vorlage spielt das alte Gebäude keine Rolle mehr – es soll abgerissen werden. Doch in dieser Frage herrscht Dissens zwischen der Verwaltung auf der einen und den Vorstellungen einzelner Fraktionen auf der anderen Seite. So gibt es Anregungen, Teile des bisher genutzten Gebäudes zu erhalten und in den Neubau zu integrieren. Auch darüber diskutierte der Ausschuss nach reporter-Informationen am Dienstagabend in nichtöffentlicher Sitzung. Vorbehaltlich des Architektenwettbewerbs wird der große Saal aber wohl von bisher gut 620 Plätzen auf rund 450 verkleinert. Dafür soll die Studiobühne deutlich mehr Raum als die bisherigen 65 Plätze erhalten – mindestens die doppelte Anzahl. Die Technikräume im Haus werden wohl ausnahmslos unter der neuen Bühne zusammengefasst.

Ob Teile des alten Hauses in ihrer Substanz erhalten werden, wird sich erst in den Verhandlungen zwischen Verwaltung und Fraktionen herausstellen. Darüber gehen die Vorstellungen aktuell noch weit auseinander. 2016 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. In der Übergangszeit will Intendant Sibelius die Baustelle im alten Gebäude solange wie möglich bespielen. Ferner sucht der Österreicher jetzt schon intensiv nach Ausweichstätten. Sibelius will mit seinem Theater vor Ort in die Stadtteile gehen – so auch nach Trier-West und nach Trier-Nord.

Theater legt wieder zu

Gerhard Weber war zufrieden. Der scheidende Intendant präsentierte am Dienstagabend die Zahlen der Spielzeit 2013/2014. Demnach sahen 92.492 Zuschauer die Vorstellungen im Großen Haus. Das entspricht bei 622 Plätzen einer Auslastung von 72,5 Prozent. Im Studio und Foyer mit 65 sowie 99 Plätzen sahen 3.772 beziehungsweise 1.823 Gäste die Aufführungen, was einer Auslastung von 69,9 (Studio) und 61,3 Prozent (Foyer) entspricht. Einschließlich der Konzerte konnte das Theater Trier 112.271 Besucher und Besucherinnen verbuchen.

In seiner letzten Spielzeit als Intendant konnte Gerhard Weber mit dem Theater noch einmal zulegen.

In seiner letzten Spielzeit als Intendant konnte Gerhard Weber mit dem Theater noch einmal zulegen.

In der vorherigen Spielzeit 2012/2013 lag die Zahl bei 105.164. Im Jahr zuvor (2011/2012) hatte vor allem die West Side Story in der Bobinet-Halle mit allein rund 15.000 Zuschauern dazu beigetragen, dass die Gesamtbilanz bei 118.307 Besuchern lag. Besonders erfolgreich war 2013/2014 das Kinderstück “Dschungelbuch” mit knapp 21.000 Zuschauern. Vom Schauspiel hatte sich auch Weber mehr versprochen. Hier blieben “Dantons Tod/Leonce und Lena”, “Das Sparschwein” und “Glaube, Liebe, Hoffnung” hinter den Erwartungen zurück. “Aber es war klar, dass wir nicht an die Zahlen der Brecht-Aufführugen vom Jahr zuvor heranreichen werden, weil wir in dieser Spielzeit auch die etwas sperrigen Themen angepackt haben”, sagte Weber. Die Operette “Fledermaus” zog hingegen mit einer Auslastung von über 85 Prozent die Zuschauer an. Im ähnlichen Bereich lagen die Sinfoniekonzerte sowie die Reihe “Weltmusik”.

Neue Eintrittspreise

Auf Vorschlag des neuen Intendanten Karl Sibelius werden die Kartenpreise zur kommenden Saison wohl neu gestaltet. Auch darüber debattierte der Egger-Ausschuss am Dienstagabend hinter verschlossenen Türen. Die Last-Minute-Karten – bisher zwischen fünf und zehn Euro kurz vor der Vorstellung zu haben – werden abgeschafft, weil das System sich offenbar nicht bewährt hat. Dafür wird eine sogenannte Theaterkarte eingeführt. Die garantiert bei 99 Euro Kosten pro Spielzeit einen Rabatt von 50 Prozent auf alle Vorstellungen. Schüler, Studenten und Azubis bis 27 Jahre sowie Schwerbehinderte erhalten demnach grundsätzlich eine Vergünstigung von 50 Prozent. Ferner sollen die Eintrittspreise in der neuen Rechtsform der AöR an die tatsächlichen Produktionskosten angepasst werden – etwa über sogenannte Topzuschläge bei besonders kostenintensiven Produktionen. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Kultur, Politik 3 Kommentare

3 Kommentare zu Der Mann für das ganz große Geld

  1. Wolf

    Das schöne ist. Von den Miiliiiiuuunen kommt in Trier selbst wahrscheinlich nix an. Schon die Architekten, Bauphysiker, Statiker usw. werden wie bei der Feuerwache in Ehrang (die im Hochwassergebiet liegt) aus allen Teilen Deutschlands angekarrt – und haben danach nix mehr damit zu tun.
    Mit den Baufirmen, Handwerken usw. geht es genauso und dann wird mäßige Qualität in einem GÜ- oder GU-Vertrag verhandelt und nach den schönen Fassade kommt das Brückeln spätestens 10 Jahre später…

     
  2. Dr. Norbert Fischer

    Die Begrenzung des Studentenrabatts auf 27 Jahre stellt ja wohl eine Altersdiskriminierung dar, für die keinerlei Rechtfertigung vorhanden ist. Wie war das noch mit dem lebenslangen Lernen?

     
  3. sibelius karl

    Begrenzung des Studentenrabatts:
    Sehr geehrter Herr Dr. Fischer: Da ist auch eine noch nicht abgesegnete Information nach aussen gedrungen. Wir wollen gerne, dass alle Studenten gegen Vorlage des Ausweises diesen Rabatt bekommen, ohne Alterslimit. Wir werden sehen, ob das vom Ausschuss genehmigt wird. Noch kann das Theater, welches noch Amt der Stadt ist, das nicht eigenhändig entscheiden.
    Glg. Ihr Karl M. Sibelius

     

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