Der neue digitale interaktive Atlas ist eine Schatztruhe

Sie sind die Macher: Peter Albertz, Niklas Alt, Präsident Michael Jäckel, Yvonne Rommelfanger, Michael Grün (mit dem Print-Atlas) und Professor Lutz Raphael (von links). Foto: Rolf Lorig

TRIER. Wann treten erstmals Frauen in der Geschichtswissenschaft auf? Welche Historiker arbeiteten zu bestimmten Zeitpunkten an berühmten Universitäten? Fragen, die Wissenschaftlern, Hobby-Historikern und Studierenden der neue Digitalatlas mit einer Fülle von Informationen und Recherchemöglichkeiten beantwortet. Am Freitag stellten Professor Lutz Raphael und seine engsten an dem Projekt beteiligten Mitarbeiter den neuen Digitalatlas offiziell vor. Da Werk ist die Fortführung und Weiterentwicklung des gedruckten Atlas, der vor zehn Jahren veröffentlicht wurde.

“Der neue Digital-Atlas ist das Ergebnis eines langen Atems.” Mit dieser Aussage würdigte Universitätspräsident Professor Michael Jäckel die Arbeit von Professor Lutz Raphael, der gemeinsam mit Yvonne Rommelfanger, Peter Albertz, Niklas Alt und Michael Grün den digitalen interaktiven Atlas realisierte. Außerdem waren daran auch Yu Gan, Cora Berscheid und Lennart Schmidt beteiligt.
In seiner Ansprache unterstrich der Präsident die Bedeutung der Digitalität innerhalb der Wissenschaft. Die Universität Trier habe diese schon relativ früh erkannt und könne deshalb heute zu den Pionieren bei der Entwicklung neuer methodischer Verfahren in der Forschung zählen. So sei beispielsweise zur Stärkung der Verbundforschung das Servicezentrum E-Sciences ins Leben gerufen worden. Für Jäckel eine gute Entscheidung: “Der Schritt, der jetzt im Zusammenhang der Einrichtung einer Forschungs- und Dateninfrastruktur national gegangen wird, versetzt uns in die Lage auf der Ebene der verschiedenen Konsortien dort zu beteiligen.” Jäckel ist sich sicher, dass der Fortgang der Digitalisierung sich auf alle Bereiche auswirken werde: “Viele werden vor dieser Herausfoderung stehen  ‘Wie verändert sich meine Disziplin durch die Tatsache, dass ich jetzt durch digitale Methoden auf ein Datenmaterial zurückgreifen kann, das mir vorher in dieser Komfortabilität nie zur Verfügung gestanden hat’?”

Digital Humanities sind zurzeit in aller Munde

Professor Raphael und sein Team haben die mit dieser Technik verbundenen Chancen erkannt und die Herausforderung angenommen. Auch sie sind Pioniere: Digital Humanities sind zurzeit in aller Munde, aber konkrete Lösungen, die wirklich Neuland erschließen sind immer noch selten. Die Trierer Forscher sind überzeugt, das zu bieten, denn bislang sind historische Atlas-Projekte kaum über die digitalen Reproduktionen alter Druckwerke oder gar die Projektion historischer Informationen auf aktuelle Google-Maps hinausgekommen. Der Digital Atlas of European Historiography. The Making of a Profession 1800-2005 (DAEH) ist eben keine Reproduktion alter Kartenbilder aus historischen Atlanten, sondern eine interaktive Informationsplattform von digitalen Karten und Informationen. Er erlaubt individuelle Suchanfragen, ganz so wie man das heute bei einer Outdoor Active-Karte oder anderen Apps kennt.

“Dieser Atlas ist ein Trierer Kind und stellt dem Besucher eine einzigartige Fülle an Informationen zur Entwicklung der Geschichtswissenschaft in allen Ländern Europas bereit”, erklärte Professor Raphael nicht ohne Stolz. Wer sich für die Entwicklung des Faches Geschichte an einer europäischen Universität wie Lemberg (später Lwów, heute Lviv) von den Zeiten der Habsburger Monarchie bis heute informieren wolle, werde dort fündig: Namen von Professoren, ihre Themengebiete, ihr Arbeitsumfeld wie Archive und Institute können in acht Zeitstufen – von 1800 ausgehend – ermittelt werden. “Wer wissen will, seit wann eigentlich Frauen in der Geschichtswissenschaft aktiv sind und in welchen Ländern sie besonders gut und früh vertreten waren, findet ebenfalls alle Informationen. Immer können die Nutzer bequem an einen Ort der digitalen Karte heranzoomen, mehrere Karten öffnen, um vergleichen und alle verfügbaren Informationen frei kombinieren zu können.”

Ein nützliches Instrument für die schnelle Suche nach Informationen

Die Vorführung stellte unter Beweis, dass der digitale Atlas ein nützliches Instrument für die schnelle Suche nach Informationen zu Personen (wer war eigentlich um 1900 an der berühmten Berliner Universität oder in Oxford), Organisationen und Sachverhalten der europäischen Geschichtswissenschaften ist. Er steht über diesen Link jedem offen und kann insbesondere auch von Hobby-Historikern, Studierenden und Forschern weltweit genutzt werden. Er ist aber auch ein Instrument für weitergehende Forschungen zur Geschichte des Faches in einzelnen Ländern, an einzelnen Orten über längere Zeiträume und bietet immer die Möglichkeit, vergleichend andere europäische Länder bzw. ganz Europa in den Blick zu nehmen.

Die Benutzer können frei nach ihren Suchinteressen die Informationen zusammenstellen, die sie auf den Grundkarten sehen möchten: Besonders stolz sind die Forscher darauf, dass diese Karten die historischen Staatsgrenzen und Ortsnamen für acht Zeiträume von 1830 bis 2005 zeigen.

Das Projekt ist das Ergebnis langer Vorarbeiten. Es startete als eine europäische Wissenschaftskooperation, finanziert von der European Science Foundation (Projekt: ‘Representations of the Past: The Writing of National Histories in 19th and 20th Century Europe’). Es wurde zudem langjährig gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, als Einzelprojekt und dann im Rahmen des Leibniz-Preises 2013 für Lutz Raphael. Letztlich, so Raphael dankbar, konnte es nur dank der guten digitalen Infrastrukturen an der Universität Trier realisiert werden, “denn ohne langen Atem ist so etwas nicht zu schaffen.” (-flo-/tr)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft 2 Kommentare

2 Kommentare zu Der neue digitale interaktive Atlas ist eine Schatztruhe

  1. Matthias Mohr

    Wen zur Hölle, außer irgendwelche gestörten Feministinnen, interessiert es,ob und wann Frauen in die Geschichtswissenschaften eingetreten sind. Mich kotzt es einfach an wie in Trier andauernd diesem hirnrissigen Trend der SJWs, allem was behindert und weiblich auf die Welt kommt aufs Podium helfen zu müssen, als wäre es das goldene Kalb. Es geht nur noch um Transgender hier, Diversität hier, als hätten wir keine anderen Probleme.

     
  2. E. Rnsthaft

    Na da hat aber jemand wohl Minderwertigkeitskomplexe und Probleme mit seiner männlichen Identität und unbehindertern Art. Für Leute wie Sie müssten ja die Feministinnen und Behindertenbeauftragten extra noch erfunden werden, wenn es sie noch nicht gäbe.

    Stimmt wir haben ein anderes Problem heute. Krakelnde, hasserfüllte Kommentatoren, die sich in der Tonwahl vergreifen. Das wär doch für Sie ein interessantes Thema, oder?!

    Achso, nicht dass Sie es falsch sehen, ich bin männlich.

     

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