Der “Trierer Martin” in Bildern

Die Koordinatoren der Ausstellung: Horst Drach (links) und Hans-Georg Reuter (rechts).

Die Koordinatoren der Ausstellung: Horst Drach (links) und Hans-Georg Reuter (rechts).

TRIER. Der Reiter teilt seinen Mantel mit dem frierenden Bettler: Alljährlich wird diese Szene auf den Martinsumzügen in Erinnerung gerufen. Es ist sicher die bekannteste Darstellung des Heiligen Martin – ein eindrucksvolles Zeichen christlicher Nächstenliebe, aber auch ein Motiv, das im Laufe der Zeiten für politische Ziele zweckentfremdet wurde. Die am 3. April eröffnete Ausstellung “St. Martin leuchtet durch die Zeiten” stellt Sichtweisen aus neun Jahrhunderten auf den berühmten Bischof von Tours vor. 50 Pfarrgemeinden, die Sankt Martin als Namenspatron verehren, sowie Einrichtungen aus dem Bistum Trier haben Werke für die Fotoschau beigesteuert. Noch bis Ende Mai sind sie täglich zwischen 6.30 und 18 Uhr im Kreuzgang des Trierer Doms zu sehen.

Vom Pferderücken aus reicht der Soldat seinen Mantel dem emporblickenden Bettler: Dieses Bild passte gut zum Selbstverständnis des im 12. und 13. Jahrhundert erblühenden Rittertums. Möglicherweise tauchte deshalb seit dieser Zeit verstärkt das Motiv mit dem Reittier auf. “Die älteste Darstellung der Mantelteilung, das Fuldaer Sakramentar um 975, zeigt Martin zu Fuß, ohne Pferd”, macht Hans-Georg Reuter, der die Trierer Ausstellung inhaltlich zusammengestellt hat, auf einen Wandel in der Sicht des Heiligen aufmerksam. In der Gegenwart werde dieses “Teilen auf Augenhöhe” wieder aufgegriffen, etwa in einem Werk in Mertesdorf. Auch beim Blick auf den Soldaten Martin habe es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Verschiebungen gegeben. Mitunter wurde er als sakraler Beistand für eigene militärische Ziele in Beschlag genommen. Heute hingegen erinnert man sich wieder daran, dass Martin gegen seinen Willen zum Soldaten wurde.

Die Ausstellung im Domkreuzgang zeichnet ein vielschichtiges Bild des berühmten Bischofs von Tours. Zu sehen sind Motive von Altargemälden, Verzierungen liturgischer Gegenstände, Reliquiare und zeitgenössische Darstellungen. Auch das Wirken des Heiligen in Trier wird nicht ausgespart. Dass Martin dort als Verteidiger für den der Häresie angeklagten Priszillian auftrat, ist eine weniger bekannte und selten dargestellte Geschichte. “Der Mönchsbischof Martin als Anwalt des authentischen Christseins richtet sich gegen Verweltlichung und Vereinnahmung durch staatliche Interessen. Das ist der Trierer Martin”, sagt Reuter. Eingebettet ist die Fotoschau in das Martinsjahr zum 1700. Geburtstag des Heiligen, das auch als Impuls für die Trierer Heilig-Rock-Tage vom 8. bis 17. April dient. So steht ein Pontifikalamt am 10. April um 10 Uhr im Zeichen des Gedenkens an Sankt Martin. Abendliche Stadtgänge auf den Spuren des Heiligen sowie ein Erzählcafé werden an mehreren Tagen angeboten. Informationen hierzu sind in der Broschüre der Heilig-Rock-Tage sowie unter heilig-rock-tage.de zu finden.

Die in der Ausstellung gezeigten Werke machen aus Sicht von Horst Drach, Leiter der Abteilung Pastorale Grundaufgaben im Bischöflichen Generalvikariat, deutlich, “wie sehr der Heilige Martin auch den Glauben und die Frömmigkeit in unserem Bistum prägt”. Drach lud auch dazu ein, auf dem Europäischen Kulturweg “St. Martin von Tours” zu pilgern; der Streckenabschnitt im Bistum Trier führt von Bingen nach Wasserbillig. Informationen rund um das Martinsjubiläum gibt es unter martinsjahr.bistum-trier.de. (tr)


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