Die Geburtenrate steigt – der Markt wächst

Nicole Keipinger (links) und Lina Neitscher haben mit der Hebammententrale in der Südallee 37e eine neue Adresse gefunden. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Die gemeinsame Hebammenzentrale des Landkreises Trier-Saarburg und der Stadt Trier findet eine große Resonanz. Seit Anfang des Jahres haben sich nach Auskunft von Hebamme Lina Neitscher über 200 Frauen und Paare an die dort tätigen Hebammen gewandt. Aktuell ist die Hebammenzentrale, die sich in der Trägerschaft des pro familia-Landesverbandes befindet, noch in den Räumen der Beratungsstelle in der Balduinstraße untergebracht. Doch der Umzug in die Südallee steht kurz bevor. Wie die Hebammen dort untergebracht sein werden, zeigte ein Pressetermin am Freitag.

Die Möbel befinden sich bereits in den Räumen. Die sind nicht gerade riesig, aber auskömmlich. Zudem hell und freundlich. Manchmal muss man ein wenig Glück haben. Die Hebamme Nicole Keipinger hatte Glück. Eine Freundin, die Ärztin Annette Hirth-Zerbe, hatte erfahren, dass für die Hebammenzentrale Räumlichkeiten gesucht werden. Räume hat sie genügend in ihrer Praxis in der Südallee. Also sprach sie Nicole Keipinger an, die ihr Glück kaum fassen konnte. Der Besichtigung folgte rasch der Mietvertrag. Und damit hätten die beiden Hebammen eigentlich schon umziehen können. Wenn denn das Telefon funktioniert hätte. Wochenlang ging der Ball zwischen Telekom und Vodafone hin und her, berichtete Claudia Heltemes, die Geschäftsführerin des Trägervereins pro familia. Ohne dass es zu einem Ergebnis führte. Bis die Medien darüber berichteten. Da wurde dann plötzlich rasch klar, dass der Fehler bei Vodafone liegt. “Immerhin können wir jetzt darauf hoffen, dass an dem Fehler gearbeitet wird und dass die telefonische Erreichbarkeit bald gegeben ist”, meint Lina Neitscher. Für die Hebammenzentrale ist das auch eine Voraussetzung für den Geschäftsbetrieb. An vier Tagen, von montags bis donnerstags, jeweils von 10 bis 12Uhr, wollen die beiden Hebammen ihren Kunden telefonisch (0651/463021-20) zur Verfügung stehen.

Die Hebammenzentrale, die vom Kreis und der Stadt mit jährlich jeweils 10.500 Euro finanziell unterstützt wird, ist das Ergebnis eines Runden Tisches, der sich mit der Hebammenversorgung vor Ort befasste. Dabei ging es darum, die unzureichende Versorgung von Kreis und Stadt mit Hebammen aufzulösen und hier eine Verbesserung zu erreichen. “Eigentlich ist das keine originäre Aufgabe der Politik”, sagte Bürgermeisterin Elvira Garbes, die zusammen mit Landrat Gerhard Schartz zu der Vorstellung der Räumlichkeiten gekommen war. Vielmehr seien hier die Krankenkassen gefordert, die sich aber ihrer Verantwortung entzogen hätten. “Wie auch die große Politik”, ergänzte der Landrat, der hier den Gesetzgeber stärker in der Pflicht sieht.

Die beiden Hebammen Lina Neitscher und Nicole Keipinger (von links) zeigen gemeinsam mit pro familia-Geschäftsführerin Claudia Heltemes (rechts) Bürgermeisterin Garbes und Landrat Schartz die neuen Räumlichkeiten.

Der gemeinsame Wille führte zum Ziel

Der gemeinsame Wille, hier für die Menschen eine Verbesserung zu erreichen, führte schließlich zum gewünschten Ergebnis. Wobei auch das Land seinen Beitrag leistet: 46.000 Euro kostet jährlich der Geschäftsbetrieb, 21.000 Euro kommen zusammen vom Kreis und der Stadt und das Land übernimmt die restlichen 25.000 Euro. “Gut angelegtes Geld”, weiß Landrat Schartz mit Blick auf die Geburtenzahlen des Landkreises. Die lagen noch vor einiger Zeit bei 1150 Geburten jährlich. “Jetzt sind wir wieder bei 1400 – der Markt wächst”, kommentierte er schmunzelnd die Entwicklung.

Die Bürgermeisterin wurmt das System: Es dürfe eigentlich nicht sein, dass mit der Gesundheit von Menschen Geschäfte gemacht würden. Genau das aber geschehe. Gewinnorientiert würden Krankenhäuser aus Kostengründen ihre Geburtsstationen schließen, wenn dort jährlich weniger als 400 Kinder zur Welt kämen. In Folge dessen blieben Schwangere sich selbst überlassen. Gerhard Schartz bestätigte das, der Blick in die Krankrenhäuser in Saarburg, Hermeskeil und Daun, wo die Geburtsstationen geschlossen wurden, erbringe ein beredtes Beispiel.

Wie genau die Hebammenzentrale arbeitet, veranschaulichten in der Folge Lina Neitscher und Nicole Keipinger. Zunächst einmal koordinieren die beiden Hebammen aktuell etwa 25 freiberufliche Kolleginnen, die sich in der Zentrale zusammengeschlossen haben. Und es gibt noch weitere 20 Hebammen, die man für eine Zusammenarbeit gewinnen möchte.

Eine Zusammenarbeit, die Sinn macht. Die Frauen werden ortsnah eingesetzt, was unnötige Zeit und Wege spart und Freiraum für eine größere Zahl an Betreuungen lässt. “Bislang haben wir die Hälfte des Tages im Auto gesessen. Jetzt können wir alle unsere Kapazitäten wesentlich effektiver einsetzen”, weiß Nicole Keipinger. Auch für die werdenden Mütter selbst bringt die Hebammenzentrale handfeste Vorteile: “Den Frauen und jungen Familien bleibt die oft mühsame und manchmal auch erfolglose Suche nach einer Hebamme erspart.” Ein weiterer Vorteil: Weil die Mütter direkt mit Hebammen telefonieren, bekommen sie hier auch alle Informationen zu Hebammenleistungen während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder auch während der Zeit im Wochenbett.

Am Ende der Besichtigung waren die Politiker zufrieden. “Das System wurde fast vor die Wand gefahren”, resümierte Landrat Schartz. Und auch Bürgermeisterin Garbes ist froh, dass man rechtzeitig die Kurve bekommen hat. Beide Politiker sagten den beiden Hebammen und Claudia Heltemes die weitere Begleitung zu. Wobei der Landrat seine Hilfe auch für den Fall in Aussicht stellte, sollten eines Tages die neuen Räume mal zu klein werden… (-flo-)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.