Die Kunst von Jupp Zimmer lebt weiter

Kurzweilig und umsichtig führt Thomas Vatheuer durch die Auktion. Alle Fotos: Rolf Lorig

Kurzweilig und umsichtig führt Thomas Vatheuer durch die Auktion. Im Hintergrund gleich drei Portraits von Elfriede “Möhrchen” Zimmer.Alle Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Es war ein sehr erfolgreicher Abend für Elfriede, die Witwe von Jupp Zimmer. Über 150 Gemälde und Aquarelle wurden aus dem Nachlass des im November 1995 verstorbenen Trierer Künstlers versteigert. Nach ersten groben Schätzungen der Veranstalter erbrachten die Gemäldeauktionen zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Dazu kam noch das Ergebnis der Versteigerung von etwa 200 Kleinplastiken. Der Erlös finanziert den Aufenthalt von Elfriede Zimmer im Konzer Altersheim “Zur Buche”.

Von Rolf Lorig

Trier war in den 1980ern reich an bekannten Künstlern: Jakob Schwarzkopf, Dieter Sommer, Klaus Kordel, Willi Hahn, Erich Kraemer und natürlich Jupp Zimmer. Womit die Liste der illustren Namen längst nicht vollständig ist. Der Nachlass des Malers und Bildhauers Jupp Zimmer, Gemälde und Kleinplastiken, wurde lange Jahre von einer auf Kunst spezialisierten Spedition in Köln aufbewahrt. Rund 50.000 Euro verschlang diese Einlagerung. Elfriede Zimmer, Ehefrau, Muse und Modell in einer Person, war 2005 aus der Trierer Innenstadt in die Seniorenresidenz “Zur Buche” in Konz umgezogen, konnte selbst kein frisches Geld zuschießen. Im Gegenteil: Das Vermögen der Eheleute war aufgebraucht, inzwischen musste das Sozialamt für die Kosten der  Unterbringung aufkommen. Eine weitere Einlagerung schloss sich aus Geldmangel aus, es drohte die Vernichtung aller in der Sammlung vorhandenen Kunstwerke.

Die Vorbesichtigung gibt einen umfassenden Überblick über das künstlerische Schaffen von Jupp Zimmer.

Die Vorbesichtigung gibt einen umfassenden Überblick über das künstlerische Schaffen von Jupp Zimmer.

Monika Woitke, die Betreuerin von Elfriede Zimmer, hatte schließlich die rettende Idee. Sie wandte sich an Elisabeth Dühr, die Chefin des Stadtmuseums Simeonstift. Die wiederum besprach sich mit Gabriele Lohberg von der Europäischen Kunstakademie. Die beiden Frauen wollten unter allen Umständen die Vernichtung des kulturellen Erbes von Jupp Zimmer abwenden. Also wurde die Idee einer Kunstauktion geboren. Den passenden Partner fanden sie in Thomas Vatheuer, der in der Region bereits wiederholt sein Talent als Auktionator unter Beweis gestellt hatte.

Weit mehr als 250 Interessenten

In einem Punkt irrten sich die Veranstalter dann doch gründlich: Rund 120 Stühle standen für die Besucher der Auktion bereit. Etwa 100 rasch herbeigeschaffte zusätzliche Stühle reichten dann immer noch nicht aus, um allen Besuchern der Auktion einen Sitzplatz zu ermöglichen. Weit über 250 Zuschauer waren am Samstag in die Europäische Kunstakademie gekommen, mehr als 200 Bieterkarten wurden an diesem Abend ausgestellt. Keine Frage: Jupp Zimmer ist zwar tot, seine Kunst aber lebt weiter.

Wer sich zuvor einen Überblick über die Kunstwerke verschaffen wollte, hatte freitags und samstags jeweils am Nachmittag dazu Gelegenheit gehabt. Diese Gelegenheit habe auch Elfriede Zimmer mit ihrer Betreuerin genutzt, wusste Thomas Vatheuer zu berichten. Aber auch zahlreiche Kunstfreunde nutzten diese vermutlich einmalige Möglichkeit, eine umfassende Dokumentation der Schaffensperiode von Jupp Zimmer noch einmal in Augenschein nehmen zu können.

Der Andrang war riesig.

Der Andrang war riesig.

Und dann ging es los, wenn auch mit leichter Verspätung. Gabriele Lohberg war mehr als erfreut über das große Interesse, warb um Verständnis für die durch die Registrierung aller Bieter entstandene Verspätung. Gegen 18.10 Uhr konnte Thomas Vatheuer schließlich die Auktion eröffnen. Alle Bilder seien top in Schuss, berichtete er dem Publikum und startete mit dem großformatigen Gemälde “Frau sitzend”, das wie fast alle Frauenportraits Elfriede “Möhrchen” Zimmer zeigt. Mindestens 100 Euro sollte das Mindestgebot lauten, gab Vatheuer bekannt. Und eigentlich wollte er die Auktion auch in Zehner-Schritten vorantreiben. Doch das Interesse war so groß, dass Vatheuer rasch zu 50 Euro-Steigerungen überging. Der Lohn des Risikos: Für 1.650 Euro wechselte das Ölgemälde den Besitzer.

Einen echten Jupp Zimmer schon ab 50 Euro

Nicht alle Bilder kamen derart hochpreisig unter den Hammer. Abstrakte Gemälde waren schon für 110 Euro zu haben, einige wenige Radierungen und Drucke wechselten gar für 50 Euro den Besitzer. Dennoch erzielten viele der Bilder an diesem Abend Preise um die 500 bis 1.000 Euro, wobei das Jagdfieber eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte. Eine der Bieterinnen hatte sich beispielsweise in der Folge vorgenommen, bei 500 Euro auszusteigen. Doch ein Mitbewerber hatte ebenfalls ein großes Interesse an dem Bild, so dass die Frau am Ende erst bei 1.000 Euro den Zuschlag erhielt…

Unter den Gästen befanden sich an diesem Abend auch Ex-Staatssekretär Karl Diller, die früheren Trierer Baudezernenten Hans Petzold und Simone Kaes-Torchiani sowie SPD- Generalsekretärin Katarina Barley, die gleich bei zwei Gemälden von Jupp Zimmer den Zuschlag erhielt.

Als um 21.30 Uhr schließlich alle Bilder von Jupp Zimmer verkauft waren, gab es bei Gabriele Lohberg, Elisabeth Dühr und Monika Woitke zufriedene Mienen. Doch damit war der Abend noch nicht zu Ende: Moderator und Auktionator Thomas Vatheuer rief eine viertelstündige Pause aus, danach ging die Auktion mit den Kleinplastiken weiter… (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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