Die reporter-Satire – Weekly Visit

Weekly Visit unseres Visitors.

Weekly Visit unseres Visitors.

Wieder Zeit für die wöchentliche reporter-Satire. Der Visitor war wie immer im Netz unterwegs − und schlägt zu. Diesmal mit ganz viel Geld, ’ner Maut, die keiner will, ’nem echten Strippenzieher, ’nem Grünen von der K-Truppe (nein, nicht die Krabbelgruppe) und ’ner Kontopfändung, die beweist, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht… Genau!

Montag

Griechenland again. Dieses Thema lässt mir und uns keine Ruhe. Und Wolfgang Schäuble lässt uns wissen, dass die Athener Regierung jegliches Vertrauen zerstört hat. Hust. Welches Vertrauen? Trauen Sie ihrem besten Freund? Ich hoffe doch. Dann sollte es ja kein großes Problem für Sie sein, ihm in einer Notsituation zu helfen. Oder doch? Falls ja, belügen Sie entweder sich selbst, oder Sie sollten schleunigst einen Therapeuten aufsuchen, der Ihnen die trust-Nummer noch mal ganz von vorne erklärt. Gleiches gilt für Schäuble. Bei seiner Zurückhaltung bezüglich der Griechenland- Hilfen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder er traut den Griechen nicht. Welchen anderen Grund sollte er haben, neue Gelder als so problematisch zu beurteilen? Uns erzählt er aber etwas anderes, redet von Vertrauen. Er wäre also ein glasklarer Lügner, für einen Finanzminister keine gute Grundvorraussetzung. Oder er traut den Griechen, dann weiß er nicht, was Vertrauen bedeutet. In diesem Fall müsste man ihn zum Therapeuten schicken, bei seinem vollen Terminplan ein nahezu ausssichtsloses Unterfangen. Zumal er wohl völlig “beratungsresischtent” wäre. Ein Trost bleibt: Der Job des Finanzministers ist wohl für den Rest eines Menschenlebens genug Therapie, ebenso seine langen Jahre unter Kohls Fittichen mit Null eigenem Handlungsspielraum. Langsam “roschtet” er trotzdem.

Dienstag

Ja ja, die liebe Mathematik. Wer in der Schule mit ihr große Probleme hatte, hat mein vollstes Verständnis. Wer allerdings eine Maut für ein ganzes Land auf den Weg bringt und sich dabei verrechnet… Na ja, Mitleid ist hier wenig angebracht. Und wenn die Rechendifferenz, wie im Falle Alexander Dobrindts, dann noch mehr als 300 Millionen Euro beträgt, sollte man sich schämen und verbuddeln. Über 300 Millionen Euro der Steuerzahler wohlgemerkt, nicht seine eigenen. Das hat die Bildzeitung errechnet, die sich, man mag sonst von ihr halten, was man will, aufgrund ihrer hohen Gewinne sicher bestens mit Mathematik auskennt. Man könnte auch sagen: Die Maut klaut. Was uns verkauft wurde als klasse Einnahmequelle, wird wohl am Ende mehr kosten als einbringen. Mach ich jetzt auch so. Beim nächsten mal an der Tankstelle werde ich einfach sagen: “Geben Sie mir bitte eine Dose Bitburger und dazu noch fünf Euro. Soll sich ja lohnen für Sie.” Der Verkäufer wird freudestrahlend antworten: “Gerne, klar doch. Wir sind immer für Sie da. Kommen Sie gerne wieder. Was die Maut vormacht, kann ja nicht so falsch sein. Machen wir gerne nach.”

Mittwoch

In der Verwandtenaffäre der CSU gibt es ein Urteil. Georg Schmid, der “Strippenzieher” der Partei (laut SPON), wurde in Augsburg zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Ein Urteil, das viele Fragen offen lässt. Schmid ist auch als “Schüttel-Schorsch” bekannt. Warum also konnte er die Behörden nicht abSchütteln? Sollte doch eigentlich kein Problem sein im Freistaat. Uli Hoeneß hat es bis zu einem gewissen Grad auf eine dreiste Art und Weise vorgemacht. Und beim Schorsch sind’s keine 30 Millionen, sondern “nur” 300.000 Euro. Setzt man das Urteil gegen ihn in Relation zum Hoeneß-Fall, wird ess unangemessen. Und lustig. Und abstrus. Oder doch nicht? Oder Präzedenzfall? Abschreckung? Ich bin kein Jurist, deswegen kann ich das nur schwer beurteilen. Ich bin aber gespannt, ob die Öffentlichkeit bei diesem Richterspruch sich selbst respektive den Kopf schüttelt oder ihn für völlig angemessen hält. Wie geht seine politische Karriere weiter? Gehasst, verfolgt oder Märtyrer à la Guttenberg und Hoeneß? Comeback? Was is jedem Fall folgt, ist eine schöne Runde Politroulette. Horst Seehofer wird wohl mit am Tisch sitzen und den Dealer machen (nein, nicht den für Kokain, sondern den für politsche Ämter). Da bekommt der Titel der ZDF-Sendung “Drehscheibe Deutschland” eine ganz andere Bedeutung. Obwohl sie ja dann Drehscheibe Bayern heißen müsste. Und zum Spiel gibts a Brezen und ein schönes großes Weizenbier. GeSchüttelt, nicht gerührt. Versteht sich in diesem Fall von selbst.

Donnerstag

Winnie war in der K-Gruppe. Hat aber nix mit krabbeln zu tun...

Winnie war in der K-Gruppe. Hat aber nix mit krabbeln zu tun…

Der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, hatte in den 70er Jahren eine Akte beim Verfassungsschutz, die er momentan selbst zum ersten Mal liest. Er war damals Mitglied der so genannten K-Gruppe. Kretschmann gibt zu, in dieser Zeit “verbohrt” und “verblendet” gewesen zu sein. Nur damals? Von beiden Eigenschaften ist wohl auch heute noch eine ganze Menge übrig. Kann man sehr gut an den Kretschmann-Karikaturen von Mathias Richling sehen (Sorry, Winnie, aber so eine Steilvorlage muss ich verwandeln, ansonsten brauche ich hier nicht weiter zu schreiben). Die eigentliche Frage ist aber doch, ob seine Beobachter damals bei der Observation nicht eingeschlafen sind. Es gibt sicherlich weitaus spannendere Ziele als Kretschmann. Würde man mir solch einen Job anbieten, ich würde kündigen. Leider muss man sagen, dass die wohl schreddernswerten Akten von Winfried auch nach 40 Jahren nicht den Weg zum Hechselgerät gefunden haben. Andere, weniger vernichtenswerte Dokumente der letzten Jahre aber schon. Ich find’s traurig.

Freitag

Eine Kontopfändung samt Affäre bei der AfD. Makes my day. Im Ernst: Mehr Satire geht nicht. Eine Partei, die Kraft aus ihren vielen Wirtschaftsprofessoren und deren “know-how” schöpft, lässt sich ein Konto wegpfänden. Hilarious. Zu behaupten, man wisse, wie man den europäischen Wirtschaftstaum aufrecht erhalten kann und gleichzeitig weder seine Finanzen, noch ein eigenes Bankkonto sauber führen zu können, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Es klafft offenbar eine große “Finanz-Lucke” in NRW. Na gut, da gab’s ja in letzter Zeit eh schon Stress, aber das ist der absolute Höhepunkt. Der Grund ist genauso aberwitzig: Eine Steuerschuld des NRW Funktionärs Marcus Pretzell. Also genau dass, was man den “faulen” Griechen immer vorwirft. And here it comes again, the famous Glashaus. Einziger Unterschied: In Deutschland lässt es sich auch mit gezahlten Steuern noch sehr gut leben, in Griechenland in vielen Fällen weniger. Es sei denn, man gehört zur sehr gehobenen Klasse, in Deutschland ist das teilweise so eine Art gesellschaftlicher Prellbock der Partei. Wobei prellen in diesem Zusammenhang wieder etwas ganz anderes bedeutet. Das Wochenende kann kommen.

Schönen Sonntag!
The Visitor ML


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Meinung Hinterlasse einen Kommentar

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