Die reporter-Satire – Weekly Visit

Weekly Visit unseres Visitors.

Weekly Visit unseres Visitors.

Nach zwei Wochen Pause tourt der Visitor wieder druchs Netz und findet: Lachkrampfgrundlagen. Einen Bodo Ramelow, der angepöbelt wird, obwohl er doch eigentlich ganz lieb ist. Herdprämie reloaded. Karneval bei der EZB. Die Revolution des deutschen Rechtssystems. Und abschliessend: Gangster Rapper T-Bartz van E macht jetzt Hippiemucke. Viel Spaß garantiert also…

Montag

Hoioioi. Na das geht ja krass los. Oder heftig. Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Landes Thüringen, wird zum Festakt des 70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald als “Brandstifter” beschimpft. Vorher gab’s Morddrohungen. Solche Nummern mit Politikern in der Öffentlichkeit waren eigentlich mit dem Ende der 90er Jahre vorbei, dachte ich. Dachten viele. Um eines klarzustellen: Über Mordrohungen macht man keine Witze, und alles, was ich im Folgenden schreibe, bezieht sich nur auf die “Brandstifter”-Aussage. WARUM IN ALLER HERRGOTTSNAMEN RAMELOW? Der Mann ist der wahrscheinlich unauffälligste Linke, den man in Deutschland finden kann. Bitte, Freunde: Pöbelt Wagenknecht an, deren Aussagen sind nämlich wirklich nah an Brandstiftung. Pöbelt Lafontaine an, den Oberverräter der Sozialdemokratie. Pöbelt die meganervige Talkshowbraut Kipping an, die überall ihren Senf dazu geben muss, der schon kein Senf mehr, sondern Billigmayonaise für 40 Cent der Liter ist. Aber doch nicht Ramelow. Und dann noch wegen einer Asyldebatte. In Thüringen. MEIN GOTT! Im Ernst, die Wochenend- “Revolutionäre” dieses Landes sollten sich mal etwas Neues einfallen lassen. So wird das nix mit einem zweiten 68. Oder so…

Dienstag

Das Bundesverfassungsgericht prüft, ob das Betreuungsgeld, von seinen Gegnern auch liebevoll Herdprämie genannt, verfassungskonform ist. Willkommen im normalen Entscheidungsablauf unserer bundesdeutschen Demokratie. Idee: check. Öffentlich brodelnde Debatte: check. Angriffe, Beleidigungen: check. Abstimmung: check. Einführung: check. Erfolg: na ja. Möglicher Rücknahmezwang dank unseres Grundgesetzes: check. Läuft, oder? Sobald man denkt, die Nummer ist durch, wir können uns wieder mit besseren Ideen beschäftigen, macht das Bundesverfassungsgericht uns einen Strich durch die Rechnung. Vielen dank auch. Sarakstisch sowie ernst. Einerseits darf man sich diese Diskussion jetzt in der Öffentlichkeit wieder anhören. Ich gehe jede wette, dass bei einer Rücknahme des Gesetzes eine ganz sicher noch bessere, kreativere und einfallsreichere Idee kommt. Andererseits: Gesetze mit Spuren von Schwachsinn zurückzunehmen, kann man niemandem verübeln. Erst recht nicht einem, der wohl wichtigsten deutschen Gerichte. Sorry, dass ich heute so ernst schreibe, sollte aber mal mit Schwarzem aufs Weiße gebracht werden. Ich verspreche euch, morgen dürft ihr wieder lachen. Zumindest die, die bei diesem Thema nicht sowieso schon vom Stuhl fallen.

Mittwoch

Time to keep my promise from yesterday. Ich freue mich. Die gute alte Metapher ist zurück. Metapher, das ist keine Steaksoße, sondern so ein Ding, genauer ein Stilmittel, das Schriftsteller alter Tage oft verwendet haben. Heute leider seltener. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, wird auf einer Pressekonferenz seines “Unternehmens” von einer offenbar humorvollen Frau mit Konfetti beworfen. Weil Geld ist ja für ihn wie Konfetti. Denkt der Visitor. Ob die Dame soweit gedacht hat, ist eine andere Frage, der interpretatorische Spielraum gibt mir Gott sei Dank die Freiheit, das Ganze so zu sehen. Im Gegensatz zu den Beschimpfungen gegen Ramelow vom Montag ist das auf jeden Fall eine wirklich spitzfindige Attacke. Einzig erstaunlich ist, dass er sich nicht sofort auf das Konfetti gestürzt und es eingesackt hat. Machen Banker doch heute so. Bankpräsidenten erst recht. Sich was durch die Lappen gehen lassen ist out. Oder hat Draghi Charakter bewiesen? Zurückmetaphiert? Falls ja, hat er Schwäche gezeigt. Welcher seiner Kollegen kann ihn doch bitte jetzt noch ernst nehmen? Die EZB sollte sich dringend nach einem neuen Präsidenten umschauen. Folgende Vorschläge hätte ich: Boris Becker. Der sucht seit Jahren ’ne Anschlussverwendung und liebt Konfetti. Alice Schwarzer. Die mag Konfetti mindestens genauso gerne und konnte es über 30 Jahre lang verstecken. Oder Verona Feldbusch. Bei ihrer Stimme lassen die “bösen Griechen” unser Geld ab jetzt freiwillig in Ruhe. Falls nicht kann sie ja noch mal beim Dieter anklopfen. Bei dem läuft’s.

Donnerstag

Hammer. Statt Geldstrafen soll in Zukunft auch ein Fahrverbot als angemessene Sanktion für Straftäter herhalten. Das hat tolle Konsequenzen. Erstens beweist Vater Staat seine absolute Geschäftsunfähigkeit. Denn: Die Strafgelder fehlen in der Staatskasse. Und: Benzin und KfZ-Steuern gehen flöten. Geil, oder? Zweitens ist das wieder mal schlecht für die Grünen. Die geringere Umweltbelastung können die sich jetzt nicht auf die Fahnen schreiben, sondern die Groko. Der Fukushimaeffekt. Andererseits erzittern jetzt natürlich alle Berufsverbrecher. Statt Geld abdrücken, was man hart und illegal erwirtschaftet hat, kein Auto mehr fahren. Das ist das Ende jeder kriminellen Karriere. Heieiei. Ein solches Strafmaß gab es noch nie in der Geschichte. Dagegen wirkt selbst teern und federn richtig blass. Kleiner Tipp an angehende Ganoven: Einfach keinen Führerschein mehr machen. Erstens sind Bus und Bahn sowieso viel entspannter. Zweitens kann als Statussymbol auch die Breitling herhalten. Und drittens könnt ihr euch, wenn ihr es weit bringt, auch einfach einen Fahrer besorgen. Law has spoken. Case closed.

Freitag

Den Wahnsinn im Blick: Franz-Peter Tebartz-van Elst, ehemaliger Bischof von Limburg. Foto: free-press

Den Wahnsinn im Blick: Franz-Peter Tebartz-van Elst, ehemaliger Bischof von Limburg. Foto: free-press

Imagewechsel im Gange. T-Bartz V.E., ehemals Gangsterrapper in der Heute Show, trägt jetzt Vollbart und Hornbrille und macht einen auf Hippie. Snoop Dogg machte in den letzten Jahren Reggae, schon das war für seine Fans schwer zu verkraften. Was sagt wohl die Anhängerschaft des Geistlichen dazu, wenn er auf einmal wie ein enddreißiger Businessman herumläuft, der gerne mal in einem New-Yorker Trendschuppen nach dem neuerdings gesunden Trenddinner die Trendkellnerin mit Undercut und Hosenrock anflirtet? You are a bad, bad, boy. Naja, stimmt nicht ganz, Bad Boy ist ein Raplabel. Zum neuen Aussehen kommt ein Jackpotjob. Der Mann soll Abtrünnige missionieren. Heisst: Er kann einfach bei Rotwein vorm Kamin Selbstgespräche führen. Damit hat er’s besser als alle anderen harten Arbeiter im Vatikan. Wobei Missionieren von Mission kommt. Was wirklich die nächste Mission hinter dem endlen Vorhaben ist, können wir nur erahnen. Ich würde wetten sie beinhaltet goldenen Kloschüsseln und ein Privatjet für Flüge in die Dritte Welt. Noch ein Jackpot. Läuft bei ihm.

Einen gesegneten Sonntag!
The Visitor ML


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Meinung Hinterlasse einen Kommentar

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