Die reporter-Satire – Weekly Visit

Weekly Visit unseres Visitors.

Weekly Visit unseres Visitors.

Der Visitor kennt keine Ruhe. Auch diese Woche durchkämmt er das Internet auf der Suche nach politischen und gesellschaftlichen Kuriositäten. Und findet Tunten-Tester-Tati samt Sexualscheiß in Dresden, passend zum Wetter einen tief-braunen Käsegriller, eine geniale Geschäftsidee für Thomas de Maizière, die AfD, die eigentlich eine linke Partei ist, und Henkel trocken. Nicht den Sekt, sondern den Hans-Olaf.

Montag

Ach Frau Festerling. Sie wollen nicht mit der “Welt” reden? Sich den Interviewer von der “Lügenpresse” aussuchen? Aber als gegen jegliche Minderheiten pöbelnde Pegida-Frontfrau Bürgermeisterin in Dresden werden? Das ist nicht arrogant, sondern größenwahsinning. Ich traue der Dame bei ihrem Vokabular auf jeden Fall regelmäßige Besuche der SM-Szene zu. Nicht dass ich das schlimm fände, interessant aber schon. Es gibt, glaube ich, keine in der Politik tätige Person, die in jedem zweiten Satz auf die von Lehrern, Schwulen, “Gendertanten” und sonstigen verachtenswerten Wesen falsche Interpretation des menschlichen Geschlechtsverkehrs anspielt. Und das als “Führerin” einer Bewegung, die sich extrem bürgerlich gibt. Hippierevolution in Dresden. Mit “Sexualscheiß”. Sauber. Vielleicht auch einfach eine neue Strategie, die bösen Muslime aus dem Abendland fernzuhalten. Vielleicht endet sie ja wie Kathrin Oertel und gibt bald Schminktutorials. Zu wünschen wäre es der doch eigentlich so schönen Stadt Dresden. Festerling kommt aus und wohnte bis vor kurzem in einer ostdeutschen Hochburg namens Hamburg, das sollte man sich immer vor Augen halten, wenn sie von “Unserem Dresden” spricht. Mädel, dein Dresden ist das sicher nicht. Wird’s auch nicht. Bleib lieber bei deinem Sexualscheiß. Ein Gutes hat es. Die Dame ist offenbar bei den Montagsdemos unterwegs, die von Ken Jebsen initiiert wurden. Keiner sagt was dagegen. Das zeigt endlich, nach ewigem Katz- und Mausspiel, ganz offen den Zuschnitt dieser Leute. Danke, Tati!

Dienstag

Dienstag scheint wohl ab sofort der ernste Tag meines weekly visits zu werden. In Lüneburg steht heute Oskar Gröning vor Gericht, der in Ausschwitz eine Art Verwalter des Besitzes der getöteten NS-Opfer war. Und zwar wegen Beihilfe zum 300.000(!)-fachen Mord. Ihm drohen, wenn er denn, vielleicht, eventuell schuldfähig und haftfähig ist, mindestens drei Jahre. Der Arme. Oskar tut mir ja so leid grade. Haaaaaaaaaaaaaaalt, stopp. Wenn ein deutscher Staatsbürger ein komplett friedliches Leben führt, sich engagiert für alles Gute auf der Welt, leider aber ein bisschen viel kifft und ein Kilo Marihuana zuhause hat, kriegt er, wenn er Pech hat, drei Jahre. Ernsthaft? Also kiffen ist genauso schlimm wie bei 300.000 Morden an Juden zuzuschauen und deren Geld und Besitz brav an die Killer zu verteilen? Ne, Freunde. Ne. Drei Jahre sind lächerlich. Alles unter lebenslang ist da lächerlich. Jetzt fällt dem guten Mann mit 93, kurz vorm Umfallen, ein, dass er sich moralisch schuldig gemacht hat. Wieso nicht früher? Wieso nicht 1950 oder 1960? Vielleicht, weil dann sein eigenes Leben im Eimer gewesen wäre? Der NS-Mann, hart wie Kruppstahl, ist also nichts weiter als ein Würstchen, ein Feigling. Eine Strafe wird er wohl nicht zu Ende absitzen. Na klasse. Immerhin können die Hinterbliebenen der Opfer und auch einige Überlebende jetzt zuschauen, wie dem tief brauenen Käsegriller (der Käse ist im Hirn zu finden) jetzt der Prozeß gemacht wird. Ein kleiner Trost, der eigentlich, beim Gesamtbild dieser Geschichte, dann doch keiner ist. Mir fällt spontan der Fall von John Demjanjuk ein. Der Typ war mindestens genauso dreist. Ich bin ein absoluter Fan der Demokratie und unseres Grundrechts. In diesen beiden Fällen aber kann ich niemandem den Drang verübeln, auch einem ach so schwachen, armen und hilfsbedürftigen Opi mal anständig ein paar vor die Fresse zu hauen.

Mittwoch

Heute sind wieder alle Angaben ohne Gewehr. Zumindest ohne funktionierendes. Genauer gesagt mit schwächelndem G36. Diesen Satz hätte Thomas de Maizière schon 2012 schreiben können, denn seit diesem Jahr weiß er über die Mängel der Waffe Bescheid. Folgerichtig hat er den Kauf daraufhin natürlich NICHT gestoppt. Das ist Logik pur. Sehr hoch, und fürs Fußvolk kaum oder gar nicht zu begreifen. Beim Schreiben des letzten Absatzes kam mir eine Idee: Ich werde morgen einen Tabakwarenladen eröffnen. Als Geheimtipp werde ich mir, um einen furiosen Start zu sichern, eine richtig untergrundige Marke zulegen, von der man weiß, dass sie sich unter anderem aus Stickstoff, Arsen und Strichnin zusammensetzt. Selbstverständlich wird diese Zigarette allen Kunden wärmstens ans Herz gelegt. Nach den ersten Toten und Verletzten werde ich die Marke weiter vertreiben. Wir wollen ja, dass die Kunden auch wiederkommen. In zwei Punkten wäre ich de Maizière voraus: Wer von meinen Zigaretten etwas abbekommt, fällt tatsächlich tot um. Und: Ich kann sicher sein, dass der Nebenmann, den ich nicht treffen möchte, nicht durch Querschläger einen ungewollten Abschied aus dem Leben findet. Weit hergeholt denkt ihr? Ne, klasse Satire.

Donnerstag

Jeden, der die AfD öffentlich als rechtspopulistisch oder sogar rechtsradikal bezeichnet, erwarten rechtliche Schritte der Partei. War zumindest einige Zeit so. Es drohen Haftstrafen bis zu 100 Jahren, wenn es nach der Partei ginge, am besten zu verbüßen in St. Quentin. Oder, noch schlimer: Ein Anruf samt persönlichem Gespräch mit Bernd Lucke. Ich behaupte dann mal, zumindest für diesen Donnerstag, die AfD ist, was ihren Habitus angeht, eine LINKE Partei. Sie glauben mir nicht? Ich zeige es Ihnen. (Nein, ich will nicht die linken Parteien durch den Kakao ziehen, ehrlich nicht, und falls sich jemand angegriffen fühlt, bitte ich um Entschuldigung.) Erinnern Sie sich an die Fälle SPD und USPD, SPD und Grüne oder SPD und Linke? Alle zeigen: Wenn’s drauf ankommt, zerlegt sich das Linke Spektrum wegen Meinungsverschiedenheiten. Eigentlich ehrenvoll: Auch wenn es oft Nachteile mit sich bringt, steht man grade zu seiner Meinung. So sollte es sein in der Politik, oder? Das rechte oder konservative Spektrum stand im Zweifelsfall immer eher zusammen und einer steckte zurück. Wenn auch anders, ebenfalls ehrenvoll, weil loyal. Die AfD fängt jetzt auch an sich zu zerlegen. Alexander Gauland greift Bernd Lucke öffentlich an und nimmt den NRW-Chef der Partei, Marcus Pretzell, in Schutz. Lucke spalte angeblich die Partei, so Gauland. Lucke steht in letzter Zeit öfter in der Kritik, sein Posten wackelt. So, und jetzt entspannen wir uns alle: Denn hier liegt der große Unterschied. Während das Linke Spektrum um Meinungen käpft, geht es in der AfD ausschliesslich um Ämter, Posten und Positionen. Also genau um das, was sie den “bösen” Altparteien vorwirft. Also genau so, wie Politik nicht sein sollte. Übrigens: Mit Positionen in anderen Zusammenhängen kennen sich die Herren wohl weniger aus. Aber das kann ihnen ihre Intellektgenossin Tatjana Festerling ja nochmal erklären. Sexualscheiß ist krass im Kommen.

Freitag

Der Henkel ist ab - Lucke zu, Affe tot. Olaf hat keinen Bock mehr.

Der Henkel ist ab – Lucke zu, Affe tot. Olaf hat keinen Bock mehr.

Und nochmal AfD. Sorry, falls ich euch nerve, aber eine solche Steilvorlage muss ich verwandeln. Hans-Olaf Henkel, Vizechef der Partei, tritt von seinen Ätern zurück. Weil er die Gefahr sieht, dass seine Partei von “Rechtsideologen” übernommen wird. Auf deutsch auch Rechtspopulisten. Fassen wir zusammen. Die Partei will den Austritt Griechenlands aus dem Euro. Schärfere Einwanderungsgesetze. Der Vorsitzende spricht am Abend der Bundestagswahl 2013 von entarteter Demokratie. Das sind natürlich alles keine Zeichen von Rechtspopulismus. Wer das glaubt, leidet entweder unter Realitätsverlust oder hat nicht mehr alles Tassen im Schrank. Auf einem Parteitag hätten ein paar Pöbler versucht, die Partei zu karpern und für sich eingenommen, sagt Henkel. Genau. Deutschlands selbst ernannte Professorenpartei lässt sich von Proleten übernehmen. Das ist doch mal realistisch. Und wann war dieser Parteitag? Im März 2014. Über ein Jahr also hat Henkel einfach gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Das lässt darauf schließen, dass vielleicht auch Lucke gute Miene zum bösen Spiel macht. Vielleicht. Auf jeden Fall beglückwünsche ich Herrn Henkel zu seiner Entscheidung. Entweder er hat einfach keinen Bock mehr, oder die Vernunft hat gesiegt. Letzteres wäre zu wünschen.

Einen populismusfreien Sonntag wünscht
The Visitor ML


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Meinung 1 Kommentar

Kommentar zu Die reporter-Satire – Weekly Visit

  1. Michael Frisch

    Lieber ML,
    was Ihre Ergüsse zur AfD betrifft: Ich habe selten so eine oberflächliche “Analyse” gelesen wir Ihre. Bleiben Sie ruhig dabei, dass die AfD eine intellektuell unterbelichtete Partei von Rechtspopulisten ist, die nur an Sexualsscheiß und Pöstchen, aber nicht an politischen Inhalten interessiert ist. Das erleichtert Ihnen die Urteilsfindung ungemein und erspart Ihnen insbesondere jegliche Form tieferen Nachdenkens. Letzteres scheint ja ohnehin nicht Ihre Stärke zu sein.
    Mehr zu Ihren Ausführungen zu sagen lohnt sich wirklich nicht. Alles Weitere wird die Zukunft zeigen und da bin ich bezüglich der AfD – gerade als Insider – völlig anderer Meinung als Sie.

     

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