Die Stadt Trier sucht einen neuen Feuerwehrchef

Ist die Feuerwehr in Trier selbst in Nöten? Noch läuft die Bewerbungszeit, am 21. April aber endet diese. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Was Industrie- und Handwerksbetriebe schon seit längerer Zeit mit einem gewissen Unbehagen zur Kenntnis nehmen müssen, ist nun auch bei der Stadtverwaltung angekommen: Führungskräfte, insbesondere für den höheren Dienst, sind derzeit auf dem Markt rar. Ende Mai tritt der amtierende Leiter des Amtes “Berufsfeuerwehr” und Stadtfeuerwehrinspekteur, Herbert Albers-Hain, in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Stelle wurde bundesweit ausgeschrieben, das führte aber nicht zu dem erhofften Ergebnis. In der vergangenen Woche hat die Stadt einen erneuten Versuch gestartet. Für den reporter hat Rolf Lorig mit Thomas Schmitt, dem verantwortlichen Dezernenten, über die Situation gesprochen.

Eigentlich sollten die Bewerber Schlange stehen. “Das Amt für Brand-, Zivilschutz und Rettungsdienst ist eine moderne, attraktive Feuerwehr, bestehend aus der Berufsfeuerwehr mit etwa 240 Einsatzkräften − verteilt auf zwei Wachen − sowie elf Freiwillige Feuerwehren mit rund 350 Einsatzkräften und einer Jugendfeuerwehr mit rund 150 Mädchen und Jungen.” Mit diesem Ausschreibungstext hoffte man im Rathaus auf eine möglichst hohe Zahl von hochqualifizierten Bewerbungen. Und auch die Besoldungsgruppe fehlte nicht: A15.

Klarheit ebenso bei den Aufgaben: Leitung und Organisation der Berufsfeuerwehr Trier, Leitung der Integrierten Leitstelle Trier, stetige inhaltliche und organisatorische Weiterentwicklung der Abteilungen Verwaltung, Einsatz/Organisation/Personal, Technik, Vorbeugender Gefahrenschutz und Rettungsdienst, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Kräften der elf Freiwilligen Feuerwehren, Verantwortung für die Einsatzbereitschaft der gesamten Feuerwehr, Übernahme des Führungsdienstes im Wechsel mit den Abteilungsleitern, Führung von zirka 240 Mitarbeiter/innen, Vertretung des Amtes in Fachgremien (z.B. AGBF Rheinland-Pfalz), einsatzbezogene Öffentlichkeitsarbeit mit dem städtischen Presseamt und die fachliche Begleitung des Neubaus der Hauptfeuerwehrwache.

Klare Worte auch beim Profil des Nachfolgers, der sowohl männlich wie auch weiblich, aber auch divers sein könnte: neben entsprechenden fachlichen Qualifikationen besteht auch eine Residenzpflicht in Trier. Zudem wird in der Stellenanzeige die Familienfreundlichkeit am Beispiel von flexiblen Arbeitszeiten, Krippenbelegplätze, eine eigene Ferienbetreuung für Mitarbeiter-Kinder, Unterstützung bei der Vermittlung von Kurzzeitpflegeplätzen und weiteren Annehmlichkeiten herausgestellt.

Die Tage der alten Wache am Barbaraufer sind gezählt, die Nachfolge von Feuerwehrchef Albers-Hain wird das neue Hauptquartier mitgestalten.

“Die Bewerberlage war überschaubar”

Hört sich doch alles nicht schlecht an, oder? Dem stimmt Feuerwehrdezernent Thomas Schmitt zu. Jedoch: “Die Bewerberlage war überschaubar”, lautet sein Fazit der ersten Stellenausschreibung, die auch in Fachzeitschriften veröffentlicht wurde. Wo liegt der Grund, Trier ist doch eine attraktive Stadt? “Wir sind natürlich auch mit dem Ministerium in Mainz im Gespräch. Und dort hat man uns schon gleich gesagt, dass der Markt im Augenblick ziemlich leer ist.” Das Problem: “Wer von der Feuerwehrakademie kommt, hat in aller Regel sein Stellenangebot für den höheren Dienst bereits in der Tasche. Oft haben diese Menschen ihre Ausbildung schon mit der entsprechenden Zusage begonnen.”

Qualifizierte Kräfte, die bereits in anderen Städten tätig sind, für Trier gewinnen zu können, sei alles andere als einfach: “Viele Stellen sind bundesweit durch den Generationswechsel gerade erst neu besetzt worden. Wer schon anderswo im höheren Dienst in Amt und Würden ist, für den ist die Besoldungsstufe nicht der unbedingte Anreiz, einen beruflichen und örtlichen Wechsel vorzunehmen.”

Wer in Trier Chef der Berufsfeuerwehr werden will, muss bereits den Aufstieg in den höheren feuerwehrtechnischen Dienst vollzogen haben. “Das sind Leute, die sich schon in den Besoldungsstufen A13 oder A14 bewegen.”

Wenn von außerhalb keine qualifizierten Bewerbungen kommen, wie sieht es denn mit “Eigengewächsen” aus? Der Dezernent muss passen: “Wir haben bei der Berufsfeuerwehr nur eine einzige Stelle im höheren Dienst. Und das ist die Leitungsstelle. Deshalb gibt es auch niemanden, auf den die alte Ausschreibung gepasst hätte. Die Nachfolge kann nach der alten Ausschreibung nur jemand antreten, der bereits bei einer anderen Berufsfeuerwehr in einer entsprechenden Position arbeitet oder aus einer Verwaltung kommt, wie den Ministerien oder beispielsweise der ADD. Den Sprung auf eine neue Arbeitsstelle wagt aber nur der, für den sich das finanziell lohnt und der zu einem Ortswechsel bereit ist.”

Jetzt kann sich auch der gehobene Dienst bewerben

Schmitt räumt ein, dass es in Rheinland-Pfalz gegenüber den benachbarten Bundesländern wie Hessen oder Nordrhein-Westfalen einen Besoldungsrückstand gibt. Doch glaubt er nicht, dass sich hier das entscheidende Kriterium findet, sondern dass vor allem der leergefegte Markt die Situation so schwierig gestaltet.

Und wie kommt man nun raus aus dieser Misere? Auch darüber hat man sich im Rathaus Gedanken gemacht und verfährt nun ähnlich wie andere Städte auch: “Angesichts der Bewerberlage und der Erfahrungen vom ersten Verfahren sowie Beratungen von außerhalb haben wir nun das Verfahren für Bewerber aus dem gehobenen Dienst geöffnet, die den Aufstieg in den höheren Dienst vollziehen wollen und bereit sind, sich den Bildungsqualifizierungen zu stellen. Am Ende des Tages habe ich damit die ursprünglich gewünschte Qualifikation. Ich ermögliche aber den Bewerbern, dass sie das Amt bekommen und dann erst die Qualifizierung erwerben. Damit bilde ich meine Führungsebene gewissermaßen selbst aus.”

Ein Verfahren, dass nun für alle potenziellen Interessenten, und dazu zählen nun auch bestimmt Trierer Feuerwehrkräfte, die gleichen Chancen und Möglichkeiten bietet. Bis zum 21. April läuft das neue Bewerbungsverfahren, dann wird man mehr wissen.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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