Domäne Avelsbach – Auf dem Boden der Tatsachen

Das Gut Avelsbach soll verkauft werden. Fragt sich jetzt nur, wann, und wer der Käufer sein wird? Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Als zu Beginn des Jahres 2016 das DRK Sozialwerk Bernkastel-Wittlich die ehemalige Weinbaudomäne Avelsbach vom Land Rheinland-Pfalz pachtete, schien es so, als sei die Zukunft des Gutes gesichert. Denn der Landesrechnungshof hatte zuvor sogar den Verkauf gefordert. Dem mochte die Politik aber nicht folgen: Ein Verkauf gefährde den Fortbestand der Einrichtung, hieß es. Nun, knapp drei Jahre später, soll der Verkauf doch angegangen werden. Das DRK Sozialwerk, das mit großen Hoffnungen gestartet war, ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Das Projekt sei damals vermutlich etwas blauäugig angegangen worden, sagt ein Insider hinter vorgehaltener Hand. Man wolle lieber heute als morgen aus dem auf 20 Jahre angelegten Pachtvertrag ‘raus, heißt es. Doch wie könnte es nun weitergehen? Eine Frage, die die Geschäftsleitung des DRK Sozialwerks Anfang der Woche bei einem nach reporter-Informationen vertraulichen Gespräch mit Landtagsabgeordneten und dem Trierer Oberbürgermeister zu beleuchten versuchte.

Ein Beitrag von Rolf Lorig

Im Februar 2016 waren noch alle glücklich. Der damalige Geschäftsführer des DRK Sozialwerks, Christian Johann, freute sich darüber, “dass wir nach intensiver Prüfung und Verhandlungen nunmehr den Zuschlag erhalten haben”. Landwirtschaft und Weinbau als Arbeitsplätze für behinderte Menschen, diese Idee hatte etwas. Nicht zuletzt deshalb war sich die damalige Weinbauministerin Ulrike Höfken (Grüne) sicher, dass das Land mit dem DRK-Sozialwerk einen starken Partner gefunden habe, der die Weinbaudomäne neu aufstellen und wirtschaftlich betreiben werde. “Mit der Verpachtung sichern wir den Fortbestand der Domäne und damit auch den Erhalt der Weinbau-Steillagen, die in Trier das Stadtbild prägen”, sagte Höfken damals.

Die Verpachtung stellte auch den Landesrechnungshof zunächst einmal zufrieden. Denn der hatte vor der Vertragsunterzeichnung kritisiert, dass das Land trotz hoher Defizite an der Weinbaudomäne festhalte, ohne Alternativen wie den Verkauf oder Betreibermodelle zu prüfen. Die Deckung von Verlusten durch den Betrieb der Weinbaudomäne kostete das Land nach Angaben des Rechnungshofes von 2009 bis 2014 mehr als zwei Millionen Euro. Nachdem sich ein Pächter gefunden hatte, wurde in dem auf 20 Jahre angelegten Pachtvertrag auch ein Vorkaufsrecht für die einstige Domäne vereinbart.

Dass man diese Option zieht, davon kann heute keine Rede mehr sein. Nach drei Jahren ist beim DRK Sozialwerk die anfängliche Begeisterung verflogen, das DRK würde lieber heute als morgen aus dem Vertrag aussteigen. Es gibt eine Reihe von Problemen, die bei den Verkehrswegen beginnen und bis zu den besonderen Herausforderungen bei Steillagen führen. Zudem hat sich offenbar auch der erhoffte wirtschaftliche Erfolg bislang noch nicht eingestellt.

Die Situation ist verzwickt. Denn das Gut Avelsbach ist ein Kleinod der Region. Dass man dieses erhalten will, darüber sind sich alle Beteiligten einig, die zu Beginn der Woche in vertraulicher Runde zusammensaßen. Doch wie kann das geschehen? Nach Informationen des reporters wurde dabei den Politikern unter anderem mitgeteilt, dass das Sozialwerk das ihm eingeräumte Vorkaufsrecht nicht ausüben wird. Grund: Die Geschäfte laufen nicht so, wie man sich das erhofft hatte. Hinzu kommt, dass eine gemeinnützige GmbH (gGmbH) bei ihrem Geschäftsbetrieb kein Minus machen darf, sonst droht der Verlust der Gemeinnützigkeit. Auch darf eine gGmbH Gewinne und Verluste in ihrem Geschäftsbetrieb nicht so ohne weiteres gegen einander aufrechnen. Denn die erzielten Gewinne bestimmen die Höhe der Gehälter der behinderten Mitarbeiter.

Bio-Weinbau verursacht hohe Kosten

Die DRK-Geschäftsleitung muss also handeln. Ein Kernproblem, das dem aktuellen Betreiber zu schaffen macht, ist der Bio-Weinbau. Wer den betreibt, muss bestimmte Regeln beachten. Eine davon besagt, dass der Boden ganz locker gehalten werden muss. Was bei einem steil ansteigenden Weinberg aber ein Problem darstellt: “Wir mussten wegen der starken Regenfälle in den letzten Jahren über eine Million Kubikmeter Erdreich wieder nach oben bringen, das von den Regenmassen nach unten geschwemmt worden war. Und das brachte enorme Kosten mit sich”, sagt ein Insider, der an dieser Stelle aber nicht namentlich genannt werden will. Hinzu kommt, dass der Bio-Wein offenbar auch nicht den erhofften Absatz gefunden hat.

Wie kann es nun weitergehen? Genau diese Frage beschäftigte die Runde am Montag. Das Weingut und die Weinberge verkaufen? Das müsste relativ schnell geschehen. Denn bildet sich erstmal die Blüte in den Wingerten, will das Sozialwerk natürlich auch die Früchte der Arbeit ernten.

Dass das Land verkaufen will, weiß das Landtagsmitglied Arnold Schmitt, für die CDU Teilnehmer des Gespräches, aus erster Hand. Als Vorsitzender des Agrarausschusses hatte er bereits ein Gespräch mit Weinbauminister Volker Wissing, der ihm gegenüber die Verkaufsabsicht bestätigt hatte. Es gebe bereits Interessenten, habe er erfahren, sagte Schmitt gegenüber dem reporter. Deshalb solle so bald wie möglich ein Bieterverfahren eingeleitet werden, ein genauer Termin sei ihm aber nicht genannt worden, so Schmitt. Er wolle sich aber dafür einsetzen, sowohl das Gut wie auch den Weinbau rundum zu erhalten.

Als Chef der Trierer CDU tritt Maximilian Monzel Monzel – er war allerdings nicht Teilnehmer der Gesprächsrunde – ebenfalls für die Erhaltung der früheren Staatlichen Weinbaudomäne ein. Und verweist darauf, dass die Überführung einer ehemaligen Weinbaudomäne auch gelingen kann. Hier bemüht der CDU-Chef das Beispiel Markus Molitor, der die Verantwortung für die frühere Staatliche Weinbaudomäne an der Saar übernahm. “Damit wurde ein namhafter Winzer gefunden, der zu Tradition und Qualität steht und dies mit seinen Produkten auch unter Beweis gestellt hat.” Ob und inwieweit sich andere Einrichtungen, die es in Trier gibt – an dieser Stelle richtet sich der Blick Monzels auf die vereinigten Hospitien – Partner in dieser Situation sein können, das müsse jeweils unter wirtschaftlichen Prämissen entschieden. Auf jeden Fall sollte bei der Frage des wirtschaftlichen Betriebs – “Weinbau ist ein Wirtschaftsbetrieb und das nicht nur, weil Wein in Wirtschaften verkauft wird” − staatlicher Dirigismus außen vor bleiben, fordert Monzel.

Politiker treten für Erhaltung ein

Noch wirbt das DRK Sozialwerk für seine Produkte

Erhalten will das Gesamtensemble auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe: “Das Bild aus Weinbau und Landschaft ist durch die Weinberge im Aveler Tal und in Olewig für Trier wichtig und stadtbildprägend, deswegen hat die weitere Entwicklung dort für unsere Stadt eine große Bedeutung. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir DRK und Land Rheinland-Pfalz bei der Zukunftssicherung der Domäne unterstützen.“ Inwieweit die Vereinigten Hospitien hier eine tragende Rolle übernehmen können, dazu will der OB sich – er ist hier Verwaltungsratsvorsitzender − noch nicht äußern. “Die Zukunft der Domäne Avelsbach ist aufgrund ihrer Bedeutung für die Stadt Trier und aufgrund der Größe ihrer stadtbildprägenden Weinbauflächen ein Thema, das natürlich auch bei den Vereinigten Hospitien diskutiert wird. Eine Aussage über ein mögliches Kaufinteresse können wir allerdings zum derzeitigen Zeitpunkt nicht treffen, da die Rahmenbedingungen noch nicht bekannt sind.“

Die Auffassung des OB zur Zukunft teilt Michael Frisch, der Trierer AfD-Landtagsabgeordnete. Er hat sich klar positioniert: “Die ehemalige Domäne Avelsbach ist ein wertvoller Bestandteil Trierer Kultur. Es muss daher im Interesse der Stadt liegen, sie als Weinbaubetrieb fortzuführen und damit auch die das Stadtbild prägenden Weinberge zu erhalten.” Als Abgeordneter des Wahlkreises Trier fordere er die Landesregierung auf, die anstehende Ausschreibung so zu gestalten, dass dies für potentielle Investoren unter annehmbaren Bedingungen möglich ist. Dazu gehört seiner Auffassung nach insbesondere der Verzicht auf den bisher obligatorischen Öko-Weinbau, der deutlich höhere Kosten mit sich bringe und deshalb einen wirtschaftlichen Betrieb erschwere. Darüber hinaus sei zu prüfen, inwieweit sich das Land in Zukunft an den notwendigen Investitionen beteiligen kann, um dem Käufer einen Neustart zu erleichtern.

Frisch weiter: “Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass die Domäne und ihre Flächen anderen Zwecken zugeführt werden. Denn damit wäre die von Weinbergen geprägte Kulturlandschaft und gleichzeitig ein Stück Trierer Heimat unwiderruflich verloren.”

Die Einladung an die Abgeordneten der Region vom DRK hinsichtlich des Verkaufs des Gut Avelsbach sei für ihn sehr aufschlussreich gewesen, betont der SPD-Landtagsabgeordnete Sven Teuber. “Das Ziel muss sein, die Domäne mit ihrem stadtbildprägenden Charakter und Steillagen zu erhalten. Dies sollte meiner Ansicht nach ein ausschlaggebendes Kriterium für den Verkauf an einen Investor sein. Nicht zwangsläufig der Höchstbietende, sondern derjenige, der den Fortbestand des Weinguts sicherstellt, sollte den Zuschlag erhalten. Dies habe ich bereits Finanzministerin Doris Ahnen unmittelbar nach dem gestrigen Termin erneut mitgeteilt.”

Besonders dem jeweils vorletzten Satz von Teuber und Frisch sollte hier das Augenmerk gelten, denn neben den Vereinigten Hospitien, die als mögliche Käufer ins Spiel gebracht wurden, soll es laut Informationen des reporters auch ein Kaufinteresse von chinesischen Geschäftsleuten geben. Eine Information, die nicht von der Hand zu weisen ist: Nach Aussage des Deutschen Weininstituts im rheinland-pfälzischen Bodenheim wurden 2017 vier Millionen Liter Wein nach Asien verkauft – Tendenz steigend. Bei dieser Nachfrage liegt es auf der Hand, dass neben dem Produkt auch Interesse am Erzeuger besteht. Schon 2013 registrierte der “Focus” eine Einkaufstour, bei der französische Weingüter in chinesische Hände übergingen. Und in 2017 übernahm eine chinesische Investorengruppe für einen Millionenbetrag das traditionsreiche Weingut “Mönchhof” in Ürzig an der Mosel.

Wie auch immer: Ein Verkauf bis zum Frühjahr ist unwahrscheinlich, da die Ausschreibung europaweit erfolgen müsste. Also werden die Mitarbeiter des DRK Sozialwerks die Ernte 2019 wohl noch einfahren können. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Denn bei der europaweiten Ausschreibung werden die Karten voraussichtlich neu gemischt werden.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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