Edeka, der Güterbahnhof, die Planer und die Bürger

Noch befinden sich Edeka und der erzeuger Großmarkt auf einem Gelände. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Wie geht es weiter mit dem Gebiet des früheren Güterbahnhofs (BK 24) zwischen der Güter- und der Schönbornstraße? Diese Frage sollte die “Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung” klären, zu der das Planungsamt der Stadt Trier am Dienstagabend in das Kürenzer Pfarrheim St. Bonifatius eingeladen hatte. Eine Veranstaltung, zu der auch Bürger aus dem Gartenfeld und Trier-Nord gekommen waren.

Von Rolf Lorig

Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligungen sind selten harmonisch. Denn Hoffnungen und Erwartungen liegen oft mit den Realitäten im Clinch. Hier den richtigen Weg zu finden, ist mit Sinn dieser Veranstaltungen. Und so ist es dann auch im Kürenzer Pfarrheim. Insbesondere die älteren Kürenzer machen an diesem Abend aus ihrem Unmut keinen Hehl. “Was ist uns schon alles versprochen worden?” fragt ein Mann kopfschüttelnd und nennt die Kommunalpolitiker von Peter Dietze (“Der war 2009 da”) über Andreas Ludwig bis Wolfram Leibe beim Namen, die hier bereits vorstellig wurden. Dass dieser Unmut in Grenzen bleibt, ist vor allem ein Verdienst von Stefan Leist. Dem erfahrenen Planer, der die Fakten gemeinsam mit seiner Kollegin Christiane Schwarz Stück für Stück durchgeht, gelingt es, mit Umsicht und Ruhe die Wogen im Zaum zu halten. Was sich wiederum positiv auf die konstruktive Kritik der Besucher auswirkt.

Der Blick in die schmale Brühlstraße veranschaulicht die verkehrstechnisch schwierige Anbindung an das Walzwerk-Gelände

Bei den Gesprächen wird deutlich, dass keiner der Anwesenden Verständnis für die isolierte Betrachtung des Gebietes BK 24 hat. Welchen Sinn es denn macht, nur über den alten Güterbahnhof zu sprechen, wenn man noch nicht weiß, wie sich das Gebiet auf dem Gelände des ehemaligen Walzwerks entwickeln wird? Und wieso über Verkehrsströme sprechen, wenn doch der Moselbahndurchbruch auf der Prioritätenliste nach hinten gerutscht ist und man auch mit dem Bau der Umgehung noch nicht begonnen hat? Pascal Schubbe von der Bürgerinitiative “WalzwerkQuartier Kürenz” meldet sich zu Wort: “Alles aus einem Guss zu entwickeln, das war von Anfang an eine Forderung unserer BI.”

Christiane Schwarz, die zu Beginn die Fakten erläutert, hat es nicht immer leicht mit ihren Ausführungen. Denn die Anwesenden zeigen sich bereits sehr gut informiert, unterbrechen die Referentin immer wieder mit konkreten Fragen. Doch Stefan Leist schafft es stets aufs Neue, Ruhe in den Saal und Struktur in die Diskussion zu bringen. Und er plädiert dafür, das Denken in Stadtteilen zugunsten eines Denkens in Radien aufzugeben. Denn die Planer würden ihre Überlegungen vor allem an der Wegstrecke orientieren.

Kürenz und das Gartenfeld sind unterversorgt

Doch wenden wir uns zunächst den Fakten zu. Der aktuelle Stand der Planungen sieht die Ansiedlung von Edeka auf dem Gelände vor. Weil die Planer festgestellt haben, dass Kürenz wie auch das Gartenfeld in Sachen Nahversorgung unterversorgt sind. Ändern könnte das ein Nahversorgungszentrums. Womit konkret die Verlagerung des rund 200 Meter entfernten Edeka Marktes gemeint ist. Für Edeka wäre der Umzug auf den Güterbahnhof vor allem deshalb interessant, weil man hier künftig eine Verkaufsfläche von 2.200 m2 habe statt wie bisher 1700 m2. Ein Wunsch und eine Überlegung, dem der Stadtrat am 21. März bereits entsprochen hat.

Diese Entscheidung bereitet jedoch dem Erzeuger-Großmarkt Kopfzerbrechen, weil Edeka der Hauptabnehmer der frischen landwirtschaftlichen Produkte ist und man nun um seine Zukunft fürchtet. Leist deutet an, dass Edeka an dem langjährigen Geschäftsverhältnis festhalten wolle.

Das Gebäude der Sparkasse in der Domänenstraße. Würde es abgerissen, gäbe es einen Zugang zum Walzwerk-Gelände. Die Sparkasse würde dann in das neue Edeka-Gebäude umziehen.

Sorgen ähnlicher Art hat wiederum ein Kaufmann, der im Gartenfeld mit seinem Nahkauf nach dem Edeka-Umzug in ein direktes Konkurrenzverhältnis gerät. Und auch die Bürger im Gartenfeld wissen, dass diese Konkurrenzsituation böse für “ihren” Markt enden könnte. Weshalb sie sich auch gegen den Umzug wehren. Das wiederum führt zu Unmut bei den älteren Kürenzer Bürgern. Sie sehen in dem Edeka-Umzug eine Verbesserung ihrer Nahversorgung und wollen ihn deshalb auch.

An dieser Stelle meldet sich die Bürgerinitiative “WalzwerkQuartier Kürenz” zu Wort. Deren Vorsitzender, Pascal Schubbe, kann sich eine weitere Verbesserung vorstellen, die zudem die Konkurrenzsituation hin zum Gartenfeld entschärfen würde. Er regt an, die Nahversorgung im Herzen von Alt-Kürenz anzusiedeln, indem man dort kleinere Geschäfte und Supermärkte im Stil des Nahkaufs etabliert. Den Platz dafür sieht der BI-Vorsitzende beispielsweise an dem Ort, an dem sich derzeit noch das Sparkassen-Gebäude in der Domänenstraße befindet. Das Sparkassengebäude soll zwar weichen, weil eine Einfahrt für das verkehrstechnisch höchst ungünstig gelegenen Walzwerk-Gelände gebraucht wird. Dennoch gebe es auch hier Möglichkeiten für eine Ansiedlung. Die Idee der BI, die Nahversorgung in die Kürenzer Mitte zu bringen, hat durchaus Charme. Denn damit käme wieder Leben in diesen einst an Einzelhandel reichen Stadtteil.

Neuer Projektvorschlag eines Investors

Zwar mag sich auch die Stadtplanung nicht grundsätzlich diesem Gedanken verschließen. Leist gibt jedoch zu bedenken, dass dieses Gedankenspiel nach Ansicht des Einzelhandelsverbandes (EHV) ein jähes Ende nehmen könnte: “Dort hat man uns gesagt, dass man für Geschäfte mit einer Größe unterhalb von 400 Quadratmetern keine Betreiber findet.” Zudem sei es wegen der aktuellen Arbeitsmarktsituation nahezu unmöglich geworden, qualifiziertes Verkaufspersonal zu finden, habe der EHV weiter mitgeteilt. Worauf einer der Anwesenden im Saal dem zustimmt und auf das Beispiel Mariahof verweist: “Da ist die Ladenpassage tot. “Pascal Schubbe hat dennoch so seine Zweifel: “Die kleineren Geschäfte boomen.” Und verweist auf andere Beispiele in vergleichbaren Großstädten. Die kennt auch Stefan Leist. Solche Märkte fänden sich bevorzugt in Hochfrequenzgebieten. Und ein solches sieht er in Kürenz nicht.

Eine Neuerung können die beiden Stadtplaner den Anwesenden mitteilen. Danach liegt ein neuer Projektvorschlag eines Investors vor, der neben dem Neubau des Edeka-Marktes ein separates Büro-/ Dienstleistungsgebäudes an der Schönbornstraße vorsieht. Dieser Vorschlag sieht längerfristig betrachtet auch den Abriss der noch bestehenden Halle und den Neubau eines weiteren Büro-/ Dienstleistungsgebäudes mit erdgeschossiger Einzelhandelsnutzung vor. Dieses hätte dann eine Verkaufsfläche von 800m2 für den nicht zentrenrelevanten und nicht nahversorgungsrelevanten Einzelhandel. Ob dieser Vorschlag zum Tragen komme, sei derzeit noch offen, da sich die Gremien damit erst beschäftigen müssten.

Schon lange warten die Bürger aus Kürenz und dem Gartenfeld auf eine Möglichkeit zur Überquerung des Bahngeländes

Fußgängerquerung über die Bahngleise – ein altes Versprechen

Irgendwann taucht im Laufe des Abends die Idee einer Fußgängerüberquerung über die Gleise und damit ein besserer Zugang zur Stadtmitte hin auf. Da stöhnt ein älterer Bewohner gequält auf: “Die hat man uns schon seit 60 Jahren versprochen.” Zwar hat auch diese Idee etwas Bestechendes – Stefan Leist räumt ihr wegen denen damit verbundenen Kosten keine große Chance ein. Ole Seidel, ebenfalls Vorsitzender der BI, ist da aber wesentlich optimistischer. Schließlich habe der Stadtrat das im vergangenen Dezember beschlossen. Stefan Leist widerspricht an dieser Stelle zwar nicht. Im Gespräch mit dem reporter sagt er aber später, dass es nicht um den Bau einer Überquerung ging sondern um die Erstellung einer Potenzialanalyse. Pascal Schubbe hat derweil eine Idee zur Finanzierung der Querung: Man könne doch den Investor des Walzwerk-Geländes an den Kosten der Querung beteiligen, regt er an.

Neben der Nahversorgung geht es an diesem Abend aber auch um den Verkehr. Hier erbringt die Diskussion, dass die Stadt für den Fall einer Umsiedlung des Edeka-Marktes zum Güterbahnhof in Erwägung zieht, in der Güterstraße die Parkplätze im Kürenzer Bereich zugunsten des Radverkehrs zu entfernen. Das wiederum stößt auf den Widerspruch der Anwohner. Sie fürchten für diesen Fall eine noch stärke Inanspruchnahme der Güterstraße und auch höhere Geschwindigkeiten. Leist versucht zu vermitteln, kann sich vorstellen, den Gehweg auf der Bahnseite auch für den Radverkehr freizugeben. Doch auch hier gibt es Widerspruch, schließlich sei der Weg nicht breit genug. Schon mit einem Zwillingskinderwagen gebe es hier Probleme.

Fazit des Abends: Es gibt noch viel Gesprächsbedarf. Bis zum 27. Mai haben die Bürger nun Gelegenheit, sich zu diesem Thema konstruktiv einzubringen. Die Unterlagen finden sich unter diesem Link. Danach beschäftigen sich die Gremien erneut mit den dann eingebrachten Überlegungen.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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