“Eher sachorientiert als farborientiert”

Die designierte Trierer Bürgermeisterin Elvira Garbes. Foto: Grüne Köln

TRIER/BORNHEIM. Elvira Garbes hat beste Aussichten, neue Sozialdezernentin und damit als Nachfolgerin von Angelika Birk (Grüne) auch Bürgermeisterin in Trier zu werden. Von ihrer eigenen Partei, den Grünen, war die 61-jährige Amtsleiterin aus Bornheim nicht zur Bewerberrunde eingeladen worden. Doch das hinterlässt bei ihr keinen faden Beigeschmack, wie sie gegenüber dem reporter betont. Garbes ist für die Wahl in der Sondersitzung des Stadtrates am 6. November die einzige Kandidatin, da auch SPD, Linke, FDP und AfD erklärt haben, die Grüne unterstützen zu wollen. Am 2. November wird Garbes sich auf dem Parteitag der Grünen im “Café Balduin” vorstellen. Vorab hat sie die Fragen des reporters beantwortet. So sagt sie unter anderem, sie wolle eher “sachorientiert als farborientiert” arbeiten.

Mit 61 Jahren denken die meisten Menschen an ihren Ruhestand. Sie hingegen wollen in Trier Verantwortung als Dezernentin übernehmen. Was reizt Sie daran?

Garbes: Ich sehe in meinem Alter keineswegs einen Hinderungsgrund, weiterhin Verantwortung zu übernehmen, ganz im Gegenteil. Der Begriff des Alters ist vielleicht zu negativ behaftet. Positiv am Alter ist, dass man einfach mehr Zeit hatte, sich Wissen und Erfahrung anzueignen. Wer meine Vita aufmerksam liest, kann das auch deutlich erkennen. Den Begriff des lebenslangen Lernens habe ich sehr ernst genommen und werde ihn auch zukünftig ernst nehmen. Zudem bin ich in bester Gesellschaft mit anderen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, die über das sogenannte Rentenalter hinaus sehr erfolgreich Verantwortung für ihre Organisationen übernehmen.

Trier ist finanziell nicht eben auf Rosen gebettet. Sehen Sie trotzdem Spielräume für die Sozialarbeit?

Garbes:  Ja, auch in der Sozialarbeit gibt es Spielräume. Es darf jedoch keinesfalls dazu führen, dass Menschen, die auf Unterstützung von kostenintensiven Hilfen angewiesen sind, diese nicht erhalten. Während meiner langen Berufserfahrung in diesem Sektor konnte ich jedoch beobachten, dass fachlich gut geschulte Mitarbeiter weniger Geld ausgeben. Bereits in Wermelskirchen ist es mir gelungen, eine große Summe einzusparen.

Die Integration von Flüchtlingen ist auch in Trier eine immense Herausforderung. Wie wollen Sie diese angehen?

Der Rat kommt am 6. November zur seiner Sondersitzung zusammen. Foto: Rolf Lorig

Garbes: Die Integration von Flüchtlingen ist an viele strukturelle Vorgaben gebunden. Sicher wollen die meisten von ihnen nicht als Bittsteller hier leben. So gilt es, dafür zu sorgen, dass diese Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Bekanntlich ist die Bandbreite der schulischen Bildung in den Herkunftsländern sehr groß, das heißt, wir haben Menschen mit Hochschulabschluss oder auch Menschen, die in ihrem Heimatland keine Schule besucht haben. Es gilt also, hier sehr individuelle Unterstützung zu leisten. Kindern sollte frühzeitig der Zugang sowohl in die Kindertagesstätten als auch in die Schulen ermöglicht werden.

Welche anderen Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Garbes: Als Sozialdezernentin richtet sich meine Aufmerksamkeit nicht nur auf eine Personengruppe, sondern auf alle Menschen der Stadt. Das heißt, es gibt die Kinder, die Jugend, Senioren und andere. Für alle Menschen muss es Angebote geben, die Entwicklung und Begegnung ermöglichen. Gerade einkommensschwache Menschen sind in erster Linie auf die Unterstützung der Gemeinschaft angewiesen. Diese gilt es im Blick zu haben.

Ihre eigene Partei, die Grünen, hatte Sie nicht zur Vorstellung eingeladen. Bleibt da ein fader Beigeschmack für Sie persönlich zurück?

Garbes: Keineswegs. Meine Partei hat sich aufgrund meiner Bewerbungsunterlagen klar für mich entschieden. Mir ist es jedoch ein Anliegen zu betonen, dass ich nicht aufgrund von irgendwelchen Beziehungen – auch nicht auf politischer Ebene – gewählt werde, sondern aufgrund meiner fachlichen Kompetenzen.

Die Unterstützung für Sie im Stadtrat wird breit sein. Baut das auch Druck auf?

Garbes: Nein, ganz sicher nicht. Gerade hier sehe ich eine große Chance, mit allen Parteien vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Vor allem in der Kommunalpolitik sollte man eher sachorientiert als farborientiert agieren. Ich bin sicher, dass Ziele durch eine breite Unterstützung besser zu erreichen sind.

Die Fragen stellte Eric Thielen

Zur Person

Elvira Garbes stammt aus Wallenborn bei Daun in der Eifel. Sie ist Mutter von drei Kindern und hat zwei Enkelkinder. Ihr erstes Studium schloss sie 1978 als Diplom-Sozialarbeiterin ab, danach folgte ein zweites Magister-Studium in den Fächern Soziologie, Erziehungswissenschaften und Psychologie. Schwerpunkte ihres Studiums waren Randgruppen der Gesellschaft und die Benachteiligung von Frauen in Führungspositionen. Seit 1979 ist Garbes ununterbrochen in ihrem Beruf in unterschiedlichen Positionen tätig. Aktuell leitet sie das Amt für Kinder, Jugend und Schule mit 160 Mitarbeitern in Bornheim. (tr)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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